Kopfstand, Ayurveda und Räucherstäbchen

„Heute möchte ich mit euch in den Kopfstand gehen“


Als meine Yoga-Lehrerin letzten Montagabend diesen Satz sagte, musste ich tief ein- und ausatmen. Viel geholfen hat das Atmen nicht, denn ich mag einfach keinen Kopfstand. Ich liebe Yoga, ich liebe die Taube, das Wild Thing und am allermeisten das ganze Rad. Ich bin ein Fan von allen Öffnern, Hüftöffnern, Herzöffnern und ich mag es, wenn sich mir Türen öffnen. Aber Shirshasana? Warum soll ich meine Welt auf den Kopf stellen wollen?

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Ja, man sagt, der Kopfstand wäre der König aller Asanas. Er ist ein Segen und heilt Krankheiten. Wer Kopfstand übt, kann sich alles besser merken, sich besser konzentrieren, kreativ denken und hat einen klaren Geist. Der Kopfstand entwickelt Mut, Konzentration, Willenskraft, Gleichgewicht und Koordination.

Ich mag ihn nicht, diesen Superhelden.

Die Yoga-Lehrerin holte einen Feetup-Trainer und schwang sich darauf in den Kopfstand. Der Feetup-Trainer ist ein Kopfstandhocker. Du kniest dich davor und hängst den Kopf in die Mitte nach unten, die Schultern liegen auf den Polstern. Du umfasst mit den Händen die Stuhlbeine und streckst deine Beine nach oben. Easy. Ich machte mir fast in die Hose. 

Natürlich wurden wir nicht dazu gezwungen, in den Kopfstand zu gehen. Ich wollte es, aber dann doch wieder nicht. Da gab es eine Stimme in meinem Kopf, die laut brüllte, dass ich mir das Genick brechen werde (meistens ist es mein Ego, das solche aufmunternden Sachen sagt) und ein ganz leises Stimmchen einer kleinen Elfe, welches sagte, dass alles gut sein wird. Wie in Trance und mit zitternden Beinen und Armen hängte ich meinen Kopf in den Hocker. Langsam hob ich meine Beine, ich ging in den halben Kopfstand und baute eine Basis auf. Ich hatte ein Mantra im Kopf, das ging in etwa so: „Halt die Klappe, im Feetup-Trainer kann man sich nichts brechen“ “Du musst nichts, du willst“. Ich wollte. Und es klappte, ich stand im Kopfstand. Und hatte tierische Angst, wovor auch immer, wahrscheinlich vor nix. Einfach so, aus Gewohnheit.

Beim zweiten Mal ging ich schon sicherer in die Asana, es zitterte weder Bein, noch Arm. Am Ende der Stunde bedankte ich mich bei der Lehrerin, dass sie meinen Yoga-Horizont erweitert hat. Und ließ es gut sein, Kopfstand, ach weißte, es war ja ganz schön, aber muss ich nicht haben. Und doch lässt er mich nicht los, ich meine, ich widme ihm einen ganzen Post! Ja, ich will ihn, bin ich etwa soweit? Bin ich bereit für den König? Werde ich jetzt vor jedem Blogpost eine halbe Stunde im Kopfstand verbringen? Räucherstäbchen anzünden und ayurvedischen Vata-Tee trinken?

Für alle Fälle habe ich die Räucherstäbchen bereits besorgt. Ich liebe Räucherstäbchen! Also nur die lecker riechenden, klar, hau mir ab mit Weihrauch. Natürlich ernähre ich mich auch nach Ayurveda, nach dem Aufwachen ziehe ich Öl statt Kaffee, stehe total auf Nasenspülungen und koche so, dass mein Körper Strom sparen kann, also wenig Energie für die Verdauung benötigt. Ich esse warm und es geht mir schrecklich gut. 

Da sind also die Räucherstäbchen, ein Körper voller Energie und trotzdem ist bald eine Woche um und ich habe keinen Kopfstand geübt. Ich habe natürlich mehrere Asana-Videos geschaut, die in etwa alle gleich heißen: „Tutorial: Schritt für Schritt zum Kopfstand“, habe gelernt, dass man den Kopfstand nicht erst an der Wand üben soll, bin eingenebelt in Räucherstäbchen-Duft, höre dazu Musik von White Sun und schiebe es auf. Kommt Zeit, kommt Kopfstand? Das Ego sowie die Elfe schweigen mich an, ich meditiere, ich übe Yoga, ich spreche 9 Minuten lange Sprachnachrichten an meine Freundinnen und höre ihre Nachrichten ab, ich habe mir eine Vogue gekauft und nicht gelesen und ich weiß, dass er auf mich wartet. So ein Mist, ich liebte es, im Kopfstand zu stehen. 

Das liebe ich so sehr am Yoga. Ich muss nichts, ich kann. Du übst, um bei dir zu bleiben. Die Königsasana wird kommen, vielleicht muss ich noch einige Räucherstäbchen abbrennen, damit die Angst verschwindet, aber hey Lover, wir werden uns wiedersehen.

Photo by Annie Spratt on Unsplash

1 Kommentar

  1. heppinessblog
    10. März 2019 / 6:05 pm

    Hallo Liebes,

    was musste ich wieder beim Lesen lachen ! You just made my day – Danke!

    PS: Viel Erfolg beim Asana und lass ja nichts anbrennen 😉

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