Meno Shine Now – Judiths Geschichte

Persönliche Geschichten der Nowshine Leserinnen über ihre Wechseljahre. 

Herzlichen Dank an Judith von @poolprinzessin97, dass ich ihre Wechseljahres-Geschichte hier veröffentlichen darf!

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Hallo zusammen, mein Name ist Judith, ich bin 51 Jahre alt, dreifache Mutter, einmal geschieden und einmal verwitwet. Jetzt stehe ich hier, mitten im Leben, wie es so schön heißt.

Normalerweise bin ich eine sehr rationale Person. Organisiere alles um mich herum und versuche immer, den Weg gerade zu machen, bevor er „krumm“ wird. Doch dann kamen die Wechseljahre und haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Solange ich mich erinnern kann, habe ich einen empfindlichen Magen. Über die Jahre habe ich gelernt, damit umzugehen. Doch im Februar dieses Jahres wurden die Koliken immer schlimmer. Mein Bauch fühlte sich ständig schmerzhaft aufgebläht an, egal, was ich aß.

Innerlich hatte ich das Gefühl, dass meine gesamte Verdauung einfach „eingeschlafen“ ist. Es schien, als ob mein Stoffwechsel auf Sparflamme läuft und alles in mir einfach „unverarbeitet“ vor sich hin gärt. Die Ärzte konnten sich das jedoch nicht erklären.

Blutwerte wie ein junges Reh

Beim regulären Check-up Termin im März wurde alles untersucht. Ohne Befund, Blutwerte wie „ein junges Reh“, EKG vollkommen unauffällig. Mein Druck Gefühl in der Brust, wahrscheinlich hervorgerufen von der ganzen Luft, die alles nach oben drückt. Genau wie das Sodbrennen.

Die Diagnose: Sie haben NIX. 

Magenschmerzen? Nehmen Sie Buscopan / Buscopan plus.

Sodbrennen? Nehmen Sie Pantoprazol.

Wir warten mal die Magenspiegelung ab – auch die ohne Befund.

Ich habe bei JEDEM Arzttermin gefragt, ob die Beschwerden mit den Wechseljahren in Verbindung stehen könnten. Die Antwort lautete jedoch stets: auf gar keinen Fall, denn Sie haben ja noch einen Zyklus.

Der Besuch beim Gyn sollten Zysten oder andere organische Ursachen ausschließen. Auch hier wurde meine Frage ob die Wechseljahre die Symptome verursachen könnten verneint. Und außerdem haben Sie ja noch einen Zyklus.

Für alle weiteren Symptome hatte ich meine eigenen Erklärungen. Haarausfall? Nun gut, bei der eingeschränkten Ernährung kein Wunder. Also habe ich mir 50+ Supplements besorgt. Das wird schon.

Nachts bis zu 6 x aufstehen müssen? Das liegt an der Menge die ich tagsüber getrunken habe. Dann muss ich halt weniger trinken.

Meine steigende Dünnhäutigkeit habe ich überhaupt nicht bewusst  zur Kenntnis genommen. Ich hatte ja auch für alles eine plausible Erklärung. Und wenn man über Monate nicht mehr wie 2h am Stück schläft, ist man halt auch „dünnhäutig“.

Da meine Beschwerden nicht besser sondern eher schlimmer wurden – wurde eine weitere Magen-/Darmspiegelung angesetzt.

Vor der Untersuchung sagte der Arzt mir dann, dass er davon ausgeht, dass er NIX finden wird. Da bin ich dann das erste Mal mental zusammengebrochen.

Die Aussage, dass er NIX finden wird, dass ich mich mit den Beschwerden abfinden muss, war für mich nicht akzeptabel. Ich habe nur noch geweint.

Natürlich war die Untersuchung ohne Befund.

Ich habe zwischenzeitlich „Woman on fire“ gelesen. Habe angefangen den ein oder anderen Podcast mit dem Thema Wechseljahre zu hören. Ich habe über Instagram die Seiten Nowshine, Wexxeljahre und auch dieAlte gefunden. Aber da ich ja keine Diagnose hatte, waren all diese Informationen rein informativ. Ich habe nichts davon auf mich bezogen.

Ich habe natürlich auch jegliche Literatur im Bezug auf Reizdarm gelesen. Habe Auslassdiäten durchgeführt. Habe streng nach Foodmap gegessen. Kein Gluten, keine Lactose, keine Hefe – alles ohne Erfolg.

Und innerlich wusste ich die ganze Zeit irgendwie, dass das NICHT die Ursache ist. Aber da ja alle die Wechseljahre ausgeschlossen haben, habe ich dieses Thema auch in meinem Kopf nach hinten gedrängt. Und schließlich hatte ich ja, wenn auch unregelmäßig, meinen Zyklus.

Ich hatte die Hoffnung, dass ich mich im Sommerurlaub erholen würde. An meinem Ruheort. Sommer, Sonne, Strand, italienisches Essen – einfach runterfahren.

Ich war mir vollkommen fremd

Es war der schlimmste Urlaub meines Lebens. Ich war noch nie so nah am Wasser gebaut, jede Kleinigkeit hat mich aus der Bahn geworfen. Habe ständig geweint, war super empfindlich, mein Magen hat rebelliert, mein ganzer Körper hat rebelliert. Ich konnte teilweise nicht aufstehen, habe mich nur vom Bett auf die Liege bewegt. Alles vollkommen untypisch, da ich die Zeit in der Regel immer aktiv für mich nutze. Ich stand also weiter neben mir, mit der Gewissheit – DAS bin ich nicht. Ich habe schon so manche Krisen bewältigt. Habe immer alles rational betrachtet, so leicht hat mich nichts aus der Ruhe gebrach. Warum war ich so weinerlich, so dünnhäutig, so schlaflos, so ängstlich, ich war mir vollkommen fremd.

Wieder zu Hause, habe ich alle Hebel in Bewegung gesetzt. Habe mir einen Therapeuten gesucht, habe mir neue gastroenterologische Ärzte gesucht. Da in mir  alles gegen die Diagnose psychosomatischer Reizmagen /Reizdarm rebelliert hat. Aber auf den Gyn wäre ich nicht gekommen – Wechseljahre können es ja nicht sein. 

Ich hatte mir, warum auch immer (wahrscheinlich innere Intuition), im Juni –  über die Arztsuche der Webseite Wexxeljahre, einen Gyn in meiner Nähe gesucht. Es gab EINEN, EINEN einzigen im Umkreis von 100 km. Egal. Online einen Termin gemacht. Der sollte im Februar 2024 sein. Warteliste aktiviert  und innerlich gehofft, dass es schneller geht.

Ich bin nachts schweißgebadet aufgewacht und dachte, ich würde einen Herzinfarkt bekommen

Dann habe ich mir therapeutischer Hilfe gesucht. Habe kurzfristig einen Therapeuten gefunden – wofür ich dankbar bin und werde die Therapie auch weiterhin nutzen. Ich kann davon nur profitieren, aber dennoch hatte ich immer noch die ganze Zeit das Gefühl „neben“ mir zu stehen. Mich zu beobachten und zu denken: DAS bin ich NICHT.

Es gipfelte darin, dass ich nachts schweißgebadet aufgewacht bin, mit gefühltem Herzrasen und dem Gefühl ich würde einen Herzinfarkt bekommen. Mein Partner ist  zum Glück die Ruhe in Person, der mich in keiner der Situationen aus den Augen gelassen hat. Der aufgrund seiner Rettungssanitäter Ausbildung immer auf mich aufgepasst hat. Mich immer wieder beruhigt hat, dass wir keinen Rettungswagen rufen müssen.

Ich konnte nicht mehr einkaufen gehen, weil mich alles gestresst hat. Je höher das Stresslevel – desto schlimmer die Schweißausbrüche. 

Meine Kinder haben mir dann CBD Tropfen besorgt, in der Hoffnung, dass in mir Ruhe einkehren würde. Von arbeiten gehen wollen wir mal gar nicht reden.

Ich konnte nicht mehr einkaufen gehen, weil mich alles gestresst hat

Nach weiteren zwei Wochen hatte ich dann ein Gespräch mit meiner Cousine, die mir ganz klar gesagt hat, dass das eben NICHT normal ist und  dass ich mich doch noch mal mit meinen Hormonen beschäftigen soll. Ich sollte mir bewusst machen, dass z.B. Progesteron das Stresshormon sei und ob ich darüber schon mal drüber nachgedacht hätte, dass da vielleicht ein Ungleichgewicht sein könnte.

Ich habe dann, nach einer kurzen Recherche auf den o.g. Seiten sofort bei meiner Gyn angerufen und habe um ein Gespräch gebeten. Als ich ihr dann alle meine Symptome geschildert habe:

  • Schweißausbrüche gefühlt mit Herzrasen / hohem Puls
  • Angstzustände
  • schlaflose Nächte
  • Verdauungsprobleme
  • ab und an schwarz vor Augen

meinte Sie, ich wäre jetzt mit 150 km/h ungebremst in die Wechseljahre gerast.

Ich solle mir ein Rezept für bioidentisches Progesteron abholen, nach ein paar Tagen Einnahme würde es mir schon besser gehen. Die Dosis 100mg abends sei variabel, das müsste man ausprobieren. Auch von einer zwingend erforderlichen Pause, sollte ich eine Blutung haben, wurde nur beiläufig gesprochen. Eher nach dem Motto „sie können, sie müssen aber nicht“.

Dank Progesteron ging es mir wirklich besser

Nach einer Woche merkte ich eine Besserung aber spürte auch, dass das noch nicht „das Ende der Fahnenstange“ ist.

Daraufhin bekam ich die Info, erneut am Telefon, ich könne die Dosis auf 200 mg erhöhen. Auf meine Frage ob man die Werte mal im Blut prüfen sollte, ist sie nicht eingegangen.

Dank Progesteron ging es mir wirklich besser, so dass ich gerne wieder arbeiten konnte und auch  wollte. Ich habe das Thema mit meinem direkten Vorgesetzten und meinen Kolleg*innen offen kommuniziert. Ich habe anfänglich wieder im Homeoffice angefangen, was mir sehr gut getan hat, aktuell arbeite ich drei Tage im Office und zwei zu Hause.

Die Wechseljahre äußern sich bei jeder Frau anders

Im Austausch mit meinen Kolleginnen stellte ich fest, dass es so viele von uns betrifft, auf die unterschiedlichsten Weisen. Auf einmal bekomme ich Geschichten erzählt, von Ratlosigkeit und Unsicherheit und obwohl ich gefühlt gar nix weiß im Vergleich zu den Experten, fragen die Kolleginnen mich. Was mir geholfen hat und ob das oder das Symptom auch damit zusammenhängen kann, nur weil ich es „öffentlich“ gemacht habe.

Jeder kann und soll wissen, dass ich die 6 Wochen krank zu Hause war, weil mich die Hormone aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Ich verweise allerdings immer auf die mir vertrauten Seiten im Netz – weil die Wechseljahre wie ein Chamäleon sind und sich bei jeder Frau anders äußern.

Mit einer weiblichen Führungskraft zusammen haben wir beschlossen, das Thema anzugehen und zu prüfen, was wir bei uns umsetzten können, um es den Frauen im Job einfacher zu machen. Und auch um sie zu sensibilisieren, auf sich zu achten und zu hören und damit sie wissen, dass sie nicht alleine sind.

Lucky me, dass die Wartelistenfunktion gut funktioniert hat – ich hatte nun letzte Woche MEINEN Termin. Gut vorbereitet und nochmal gebrieft von @nowshine hatte ich einen unfassbaren Termin.

Ein Arzt, der sich auf mich als Patientin vorbereitet hat. Der zuhört, der sich Zeit nimmt, der hinterfragt und der individuell auf alles eingeht. Der mir ohne zu zögern Blut hat abnehmen lassen, der einen IST Status haben möchte.

Endlich ein Arzt der meine Symptome nicht runterspielt

Der ganzheitlich gucken will, weil die Hormone sehr wohl Einfluss auf den Magen-Darm Trakt haben, aber eben auch anders herum. Der alles in Betracht ziehen will. Und ich bin so unfassbar dankbar, dass da einer ist, der sucht, bis er findet, der mir glaubt, der meine Symptome nicht runterspielt, der sie ernst nimmt und ihnen nachgeht.

Danke an die Wexxeljahre, danke an die Patientin, die diesen Arzt in die Liste hat eintragen lassen und danke für deinen Support Doro!

Ich befinde mich, so wie es aussieht, in der Perimenopause. Gefühlt am Anfang von allem, was da noch kommt. Dank der Hormone geht es mir schon wesentlich besser, ich  fühle mich JETZT gut betreut, vertraue darauf, dass es nach den ausstehenden Laborergebnissen mit dem Feinschliff nur noch besser werden kann.

Und genau DAS sollte jede Frau haben, das Gefühl, gut betreut zu sein. Wenn ihr das Gefühl NICHT habt, sucht so lange, bis ihr euch gut betreut fühlt. Wenn ihr Euch nicht ernst genommen fühlt hört auf Euch, vertraut Euch, sucht Euch Hilfe, Unterstützung – egal wo – und vor allem REDET offen darüber. Nur so können wir alle davon profitieren und das Thema sichtbar machen – denn #wirsind9Millionen.

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Wenn auch du deine Geschichte mit anderen Frauen der Nowshine Community teilen möchtest, dann schicke sie an dorota@nowshine.de.

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Und HIER findest du alle Blogartikel zu den Wechseljahren

1 Kommentar

  1. Anja
    16. Dezember 2023 / 5:32 pm

    Danke für diesen ehrlichen Bericht. Es tut so gut zu denken: das könnte ich geschrieben haben.
    Danke an alle Frauen die auf Instagram so toll aufklären.
    Ich bekomme allmählich die Hoffnung dass es irgendwann wieder besser wird. Und bis dahin probiere ich mich mit den bioidentischen Hormonen am Leben zu halten.
    Lg Anja

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