Träume, Kundalini Yoga, gute Feen und andere Hexen

Was für eine irre Zeit. Ich bin müde, weiß zeitweise nicht, wo links und wo rechts ist und vorhin hatte ich das Gefühl, in der Waschmaschine zu stecken, mitten im Schleudergang. Es ist wohl mal wieder Zeit, alte Glaubenssätze zu überprüfen, zum Beispiel den über meine Bedürfnisse und die der anderen. Welche sollten wohl an erster Stelle stehen? Na?

Gestern habe ich den klarsten Traum seit Langem gehabt und da Träume bekanntlich scheue Wesen sind, habe ich ihn, um alles fein säuberlich analysieren zu können, nach dem Aufwachen aufgeschrieben.

Nowshine Kolumne, Spiritualität, Kundalini Yoga, Träume, Feen und Hexen

Die Essenz meines Traums?


Hier kommt sie: Ich allein sitze am Steuer meines Lebens. Manchmal kenne ich meinen Weg nicht, aber ist das denn so schlimm? Trotzdem stresse ich mich manchmal, wenn ich kein Ziel im Navi habe. Und manchmal vermute ich, dass ich irgendwo falsch abgebogen bin. Aber ich kann mich immer dafür entscheiden anzuhalten und ein Ziel ins Navi einzugeben. Und bis dahin fahre ich in meinem eigenen Tempo und mit dem Flow.

Mein Traum hatte übrigens noch eine zweite Aussage: Du kannst andere, die keinen Finger für ihr Wohl rühren wollen, die stattdessen auf eine gute Fee mit einem Zauberstab warten, nicht aufs nächste Level heben. Du bist nicht diese Fee. Wenn du doch versuchst, ihnen die Arbeit abzunehmen, stellst du sie über dich. Du musst Menschen, denen es schlecht geht, nicht retten. Du kannst für sie da sein, musst aber trotzdem auf deine eigenen Bedürfnisse achten. Sich retten, das müssen sie wirklich schon selber tun.


Willst du wissen, wie diese Situation in meinem Traum aussah? Meine Freundin wollte sich unbedingt auf einen Regalboden, der ziemlich weit oben an der Wand hing, setzen. Und ich sollte ihr dabei helfen, da hochzukommen. Ich hob sie tatsächlich in die Höhe und mühte mich total ab, während sie die ganze Zeit „Ich komme da alleine nicht hin, heb mich höher!“ rief. Dabei bewegte sie sich keinen Zentimeter aus eigener Kraft, sie verließ sich darauf, dass ich ihren Arsch schon auf das Regal schieben werde.

Ein Arsch und ein Regal als Zeichen für ein neues Level, meine Träume sind ja so exzellent! Es hing übrigens noch ein zweites Regal an dieser Wand, aber so weit oben, dass wir da beide nicht dran kamen. Was das wohl bedeutet?

Kundalini Yoga und alle sind erleuchtet

Letzten Mittwoch habe ich meine erste Stunde Kundalini Yoga gemacht und nach einer anfänglichen Fassungslosigkeit und den ernsten Bedenken, ob ich es schaffe, für 15 Sekunden die Luft aus meinem Körper zu halten, sprich nicht zu atmen (jetzt weiß ich: Man stirbt gar nicht soooo leicht!), habe ich auf die Stimme in meinem Kopf gehört, die sagte: „Halt die Klappe, Doro!“.
Best advice ever. Gedanken aus, Probleme los, shine now!
Kidding.


Ich wusste nicht, was mich beim Kundalini Yoga erwartet, aber es zog mich wie magisch an. Ich trage dabei weder einen Turban noch etwas Weißes und doch passiert bei jeder neuen Stunde etwas mit mir, ich habe einen dieser bewussten Gedanken, der die Dinge verändert.

Nein, ich habe immer noch keine absolute Klarheit im Kopf und bin nach 4 x Kundalini auch überhaupt nicht illuminated. Für kurze Zeit schweigen aber die Stimmen in meinem Kopf. Ich habe nämlich eine ganze WG Stimmen dort wohnen und das sind die schlimmsten Untermieter, die man sich vorstellen kann. Feiern immer Parties, sind so laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht, natürlich bevorzugt nach 22 Uhr, benehmen sich wie eine Diva auf Koks, schauen zu viele Psychothriller, sie sind unkündbar und zahlen keine Miete.

Aber wenn ich auf meinem Schaffell sitze (Schaffell statt Yogamatte = Kundalini?), die Arme über meinem Kopf ausgestreckt, bis ich mich fühle, als ob ich bald keine Arme mehr hätte, weil sie mir sicherlich gleich abfallen würden, während unsichtbare Ameisen über meine Beine krabbeln und ich Sat Nam chante und mit geschlossenen Augen zu meinem dritten Auge schaue, habe ich das Gefühl, genau dieses einen halben Millimeter zu öffnen. Und die Stimmen in der WG halten endlich die Klappe. Vielleicht haben sie „Herr der Ringe“ gesehen und wissen, dass das AUGE ALLES SIEHT! Mein Schatz!

Äh, falsche Vibes.

Heute bin ich trotz so einiger Vorkommnisse & rückläufiger Planeten in Tune mit mir selbst, behüte meine klaren Gedanken wie meinen Schaaaaatz, treffe meine Entscheidungen selbstständig und übernehme die Verantwortung für mein Handeln.

Habe trotzdem mehrmals mit den Augen gerollt, laut „Fuck you“ gesagt und mich über andere geärgert. Werde wahrscheinlich niemals die zauberhafte, blumig weich sprechende, über dem Boden schwebende Fee mit dem Zauberstab sein. Ich bin die laute, fluchende, bad Vibes verbscheuende Hexe. Wie die meisten von uns. Whatever.

»Wir heilen erst uns, dann unsere Familien und dann die Welt. Auf der Matte üben wir Yoga ein. Dann rollen wir die Matte zusammen und machen im Alltag weiter – als Yoginis und Yogis«

sagt Gurmukh Kaur Kalsa, die wohl bekannteste Lehrerin des Kundalini Yoga.

Was lernen wir aus dieser Kolumne? Finde etwas, was die Stimmen in deinem Kopf zum Schweigen bringt, glaube nicht alles, was du denkst, stelle andere nicht über dich, denn du musst vor allem zuerst dich heilen. Dann die anderen #openthatthirdeye.

Shine now, the crazy in me recognizes the crazy in you,

Doro

2 Kommentare

  1. Müller, Simone
    8. Juni 2021 / 8:30 am

    So toll geschrieben liebe Doro. Dein Text macht sehr nachdenklich. Vielen Dank dafür. LG Simone

  2. Claudia
    8. Juni 2021 / 10:15 pm

    einfach nur Danke!!!! sehr schön geschrieben

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