Zitroneneis, Croissants, Vertrauen und eine Orgie

Gestern habe ich wieder meinen „Wandern mit Doro“ Instagram Account bespielt! Das wurde nämlich durch „Life in the Pandemic“ aus meinen Mode- und Beauty Postings. 

Mode? Vielleicht demnächst.

Beauty? Sind wir nicht alle schon schön genug?

Aber!

Haben die Kölner unter euch auch schon die Frösche und Schafe im Stadtwald entdeckt? Und die kleinen Entenküken am Adenauerweiher? Die sind so flauschig, dass man sie automatisch streicheln will. Bevor es dazu kommt, stellt sich einem jedoch die Mutterente laut quakend und mit einem ziemlich irren Blick in den Weg und… nach ihrer Ansage traute ich mich noch nicht mal von weitem ein Foto von den Küken für meine Stories zu machen.

Gestern entschieden wir also, eine kleine Runde durch den Kölner Stadtwald zu drehen und daraus wurde natürlich, wie so oft bei uns, eine Überlebenstour. Mein Mann fragte noch, ob wir uns vor dem Spaziergang etwas in der netten französischen Boulangerie “Epi“ holen sollen, aber ich beschloss, dass wir doch alle gerade vor einer Stunde gefrühstückt hatten und dass es die Croissants erst nach unserem Spaziergang geben wird. Hey, dann können wir uns alle auf die Belohnung freuen!

Vorangegangene Überlebenstouren vergisst man so schnell wie Geburtswehen

Der Stadtwald ist groß. Und die Kilometer, die man in die eine Richtung geht, muss man auch wieder zurückgehen. Bei Kilometer 4 machte ich noch Bilder von einer Schafherde, die sich in der Sonne aalte und mein Mann machte welche von einem Mann, der sich unbedingt mit ihnen ablichten wollte. Der Mann drückte meinem Mann sein Handy in die Hand und platzierte sich auf allen vieren zwischen die Viecher, die ihm kauend und leicht gelangweilt zusahen. Dann schoss mein Mann genau 1 Foto und der Typ war damit total zufrieden. Nur 1 Foto! Es irritierte mich weniger, dass er sich zwischen Schafe hockte, als dass er mit nur einem Bild zufrieden war.

Bei Kilometer 6 filmte ich Frösche im Decksteiner Weiher, wie sie mit großen Augen unter Wasser saßen und die Luft anhielten. Manche feierten dabei eine Orgie, andere schwammen zum Ufer und starrten mich genauso neugierig an, wie ich sie anstarrte. 

Bei Kilometer 7,5 stand ich plötzlich kurz vor dem Hungertod und machte meinen Mann an, warum er nicht darauf bestanden hat, die Croissants VOR dem KURZEN SPAZIERGANG zu holen. 

Bei Kilometer 8 rettete er mir das Leben, indem er mit am Kiosk einer Minigolfanlage ein Cornetto Buttermilch Zitrone und eine Fassbrause, ebenfalls Zitrone, holte. Ich mag weder Cornetto noch Fassbrause und schon mal gar nichts mit Zitrone, aber ich habe noch nie in meinem Leben etwas Leckereres gegessen, geschweige denn getrunken.

Bei Kilometer 10 sank ich endlich gegen unser Auto, voller Vorfreude auf das Croissant, den französischen Milchkaffee, es war mittlerweile kurz nach vier und höchste Zeit für ein zweites Frühstück. Das bestand dann leider aus einem Stück Bananenkuchen und einem Hafermilchlatte von McDonalds, denn die Boulangerie schloss genau in dem Moment, als wir dort ankamen.

Désolée, madame

In diesem Moment kam mir der Gedanke, ob es nicht manchmal besser wäre, die Kontrolle, die ich gerne an den Tag lege, loszulassen. Sich auch mal auf andere verlassen, mir mal ihre Ideen bewusst anzuhören. Abzuwägen, ob sie meine Tage nicht vielleicht bereichern. So wäre ich in den Genuss des besten Milchkaffees der Stadt gekommen und hätte nicht mit einem Latte To Go vor dem McDonalds gehockt.

Hätte ich auf meinen Mann gehört, hätten wir französische Kohlenhydrate bei Sonnenschein am Weiher gegessen. Kontrolle, Entscheidungen, Bestimmungen… ich bin es gewohnt, das Gesetz zu sein. Es ist anstrengend und es fehlt die Magie. Und Leichtigkeit. Witziger weise wünsche ich mir mehr Magie und Leichtigkeit in meinem Leben. Und stehe wie Mutterente mir selber laut quakend im Weg. 

Werde ich mich beim nächsten Mal an diesen Post erinnern? Werde ich lernen, die Zügel abzugeben? Und endlich loslassen? 

Erinnern wir uns alle an die Szene im Wal bei „Findet Nemo“? „Es ist Zeit loszulassen. Wir sollen uns keine Sorgen machen!“ Was habe ich Merlin immer belächelt, weil er so viel Angst hatte. Tja, jetzt könnte ich auch dem Unbekannten vertrauen. Dann mach mal! Und überhaupt, wovor hast du Angst?

Aber ist es überhaupt Angst? 

Ist es nicht eher die feste Überzeugung, dass ich unheimlich klug und kreativ bin und dass meine Ideen einfach die wunderbarsten Ideen sind?

Wann und warum bin ich so ein vermeintlicher Menschenführer geworden? Aus Liebe zu meiner Familie? Das ist keine Liebe.

So liebe ich meine Liebsten höchstens platt, ich zerliebe ihre Ideen und Bedürfnisse zu Brei.

Ich wünschte, ich wäre öfter so wie der Typ, der sich zwischen die Schafe gehockt hat. Und mit nur einem Bild zufrieden war! Warum muss es erst schlimm werden, sodass ich zaghaft loslasse und einfach ein Zitroneneis und eine Zitronenlimo verdrücke und meinem Mann glaube, dass alles gut enden wird?

Selbst dieser hungrige Spaziergang löste sich von selbst und es ist nichts Schlimmes passiert. Mein Mann glaubt immer, dass alles sich zum Besten entwickeln und auflösen wird. Bei Kilometer 7,5 sagte er mir, dass alles gut sein wird. Anstatt ihm zu vertrauen, wollte ich lieber meckern.

Jetzt höre ich aber auf damit, zu hart zu mir zu sein und halte einfach öfter meine Klappe, denn niemand findet Mutterente sexy.

Wenn ihr jetzt an mich denkt, denkt lieber daran, wie ich am Adenauerweiher mit meinem Croissant und einer französischen Limo im Gras sitze, die Sonne auf mein Gesicht strahlen lasse und den Fröschen beim Sex zusehe.

Shine now und liebe wild,

Doro

4 Kommentare

  1. Anonym
    11. April 2021 / 8:17 pm

    Für mich einer deiner besten Beiträge. Vielleicht weil ich mich selbst wiedererkannt habe….Alles Liebe für dich.

  2. Berenike Binder
    11. April 2021 / 11:24 pm

    Liebe Doro,
    kenne ich alles, Erkenntnis ist der Weg zur Besserung…. oder hieß das anders, poetischer? Aber ich meine es so. Also, Bewusstwerdung und dann können wir es vielleicht Stück für Stück loslassen. Alles Liebe für uns Puppen! ♥️
    Grüße Nike

  3. Sabine
    11. April 2021 / 11:56 pm

    Was für toller Text. Ich neige auch zum Mutterenten-Dasein anstatt öfter mal einfach zu vertrauen. Danke für die tollen Gedankenanstöße. Und der französische Milchkaffee bei „Epi“ ist in der Tat der Knaller.

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