Für mich heute kein Home-Spa, ich bin ohne schon Gaga genug

Wellness. Wenn ich das Wort Home-Spa noch einmal höre, flippe ich höchstwahrscheinlich aus. Frauenzeitschriften, Instagram, von allen Seiten werde ich dazu aufgefordert, mir Zeit für mich zu nehmen, es mir gut gehen zu lassen. Am besten, taaadaaa, im Home-Spa, dort findet man den ultimativen Ruhemoment. Nur will ich mich nicht noch mehr ausruhen, ICH BIN GANZ AUSGERUHT. Seit einem Jahr bin ich das!

Baden, Peelen. Ölen. Gua Sha. Haare pflegen. Alles zu Musik mit dem Titel „Relaxing Within“. Nicht ausflippen, nicht ausflippen. Habe viele Kerzen um die Badewanne herum aufgestellt, um mich nicht auf die dunkle Seite der Macht zu verirren.

Geistesübungen. Ich meditiere lieber, als dass ich mich in meinem 5-Sterne Home-Spa im Bad ausruhe. Als ich vorhin fertig meditiert habe, blieb ich noch einen Moment auf meinem Kissen sitzen und schaute, ganz illuminated und voller Licht und Liebe Vibes aus dem Fenster. Und dachte, wie schön der Frühling doch ist. Ich sah die Narzissen blühen, wobei ich nicht weiß, wer sie eigentlich in unseren Garten gepflanzt hat (Gott, warst du es?!). Ein Eichhörnchen flitzte emsig umher, ich hörte ein wahres Vogelkonzert, beobachtete unsere Katze, wie sie … plötzlich blitzschnell quer über die Wiese lief, im Gebüsch verschwand und Sekunden später mit einer Maus im Maul herauskam.

Organic Meat. Die Maus selbst gejagt, selbst erlegt und sogar verspeist. Ich sitze also voll ausgeruht und in meiner meditativen Wolke Räucherstäbchenqualm, bin dankbar und eins mit der Welt, der Natur… und sehe diese flauschige Katze, die gleich auf meinem weißen Sofa Milchtritt machen wird, wobei wir sie immer gern filmen, in der Killercat-Hauptrolle. Sie hat die Maus angeknabbert, gut gekaut und Reste auf der Wiese liegen gelassen. Ich muss das zum Glück nicht wegräumen, mein Nachbar hat so einen jungen Hund, der alles frisst, auch Katzenfutter aus unserer Küche. Der räumt das Mäuschen bestimmt gleich auf.

Duale Welt, wo Licht ist, ist auch Dunkelheit. Ach fuck, immer diese klugen Sprüche.

Natur. Meditieren ist wirklich toll, am liebsten tue ich das im Wald morgens um 7.15 Uhr, wenn die Dunkelheit gerade gegangen ist und der helle Tag anbricht. Im Wald guckt mich niemand schief an, wenn mir zum Beispiel die Nase läuft. Und auch nicht, wenn ich mir das rechte Nasenloch mit dem rechten Zeigefinger zuhalte, um aus dem linken Nasenloch auf den Boden zu rotzen. Ich war noch nie die Frau, die Taschentücher in der Tasche hat, aber ich weiß mir zu helfen.

Be a Lighthouse. Habe auf dem Speicher eine Stehlampe gefunden, die ich mal vor Jahren in Holland gekauft habe. Die macht sich super in meinem neuen Schreibzimmer/ Atelier/ Meditationsraum/ RUHERAUM (aaaaahgh). Leider scheint sie kaputt zu sein, denn sie leuchtet nicht. Habe sie trotzdem aufgestellt und beschlossen, selbst zu leuchten, wenn es bei mir mal dunkel wird.

Detox. Habe kurz die News und anschließend zum Ausgleich die neuesten Verschwörungstheorien gelesen und mich über Leute empört, die sich über andere Leute empören. Ich bin ja so originell. Habe außerdem alle schlechten Nachrichten fein in mein Nervensystem aufgenommen. Da hilft nur: Home-Spa Atmen. Am liebsten bei der „Fists of Anger“ Meditation aus dem Kundaliniyoga, bei der man die Fäuste um die Daumen ballt und die Arme über den Kopf schwingt. Das habe ich übrigens in dem Schreibworkshop „The Soul Disco“ von und mit Susanne Kaloff gelernt!

Living the dream. Vorhin gemacht. Dabei kam mein Sohn in den (hier:) Meditationsraum, sah mich, wie ich mit den Armen wedelte und laut atmete und ging ohne ein Wort wieder raus. Jetzt frage ich mich, was er sich gedacht hat, als er mich sah. Bin ich für ihn die coole Mom mit einem wachen Geist oder die geistesgestörte Mom?

Rückblickend war es ein guter Tag! Ich habe im Wald auf den Boden gerotzt und mich dabei superfrei gefühlt. Ich habe gesehen, wie eine Maus gegessen wird und war froh, bisher überlebt zu haben. Danach habe ich ein Licht gesucht und in mir selbst gefunden. Habe viel Frustration gedetoxed und wieder frei geatmet. Und ich wurde von meinem Sohn akzeptiert als das, was ich bin. Die spirituelle, leicht geistesgestörte Mom.

Für mich bitte heute kein Home-Spa, ich bin ohne schon Gaga genug.

Find your light and nowshine,

Doro

8 Kommentare

  1. Berenike
    24. März 2021 / 1:50 pm

    Herrlich herrlich! Ich hab auch nie Taschentücher und bin meine eigene Lampe. Knips!
    Liebste Grüße Nike ♥️

    • Dorota
      Autor
      24. März 2021 / 2:36 pm

      Dankeschön Nike, sehr lieb 💝
      Mein Mann brachte mir gestern noch eine andere Lampe vom Speicher und ich dachte nur, was soll ich denn damit?
      Wie du schon sagst: Knips!

  2. Simone
    24. März 2021 / 2:04 pm

    Liebste Doro,
    dein Artikel hat mir gut getan (du bist jetzt mein HomeSpa…) Danke dafür – du hast eine unbeschreibliche, tolle Entwicklung beim Schreiben vollzogen. Es macht so viel Freude (alles) von dir zu lesen.
    Drück dich
    Simone

    • Dorota
      Autor
      24. März 2021 / 2:33 pm

      Liebe Simone, danke sehr für deine schönen Worte! Ich freue mich, dass du es gemerkt hast, dass ich etwas anders schreibe. Sending Love!

  3. Anja
    25. März 2021 / 10:09 am

    Für mich sind deine Worte auch immer wie ein kleiner Ausflug in ein „Home-Spa“.
    Während deiner Zeit bei Patreon war es mein „Morgen“-Ritual Samstag früh mit einem Kaffee deine Posts zu lesen. Und wenn ich jetzt sehe das etwas neues kommt, plane ich die Zeit meistens ein in Ruhe zu lesen ^^.

    Leider bin ich davon abgesehen Nullkommanichts Zen oder im Moment oder ähnliches… vielleicht sollte ich es auch mal mit einer Medi App probieren.

    • Dorota
      Autor
      25. März 2021 / 7:07 pm

      Ich danke dir liebe Anja, ich kann die Samstage ja wieder einführen.

      Wenn du nicht Zen bist, dann brenne. Brenne so richtig 💛 Manchmal ist die Zeit dafür da und dann müssen wir es tun und das ist auch gut so. With Love, Doro

  4. Simona Loesch
    28. März 2021 / 8:56 am

    Liebe Doro, ich habe wieder nur lachen müssen😂Du hast wirklich einen tollen Stil entwickelt und es tut einfach gut, sich in Deinen Kolumnen ein bisschen wegtragen zu lassen🤗Ganz herzliche Grüße, Simona

    • Dorota
      Autor
      28. März 2021 / 9:47 am

      Vielen Dank liebe Simona, ich freue mich sehr!

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