3 Geburtstage, ein Joint, Schokoladenkuchen und warme Füße

Letzte Woche hatte ich kurz das Gefühl von Frühling. Die Sonne schien, es waren warme 5 Grad und ich mal wieder alleine im Wald unterwegs. Wohin ich fast täglich verschwinde. Na eben, um mal alleine zu sein. Und das in dieser Zeit, wo die meisten eher Nähe suchen und nicht das Alleinsein.

Aber ich liebe es, allein zu sein, so ticke ich, seit ich denken kann. Die einen fühlen sich gerade schlimm einsam und wir die anderen gehen sich seit dem ersten Tag des Homeoffice (im März) und drei Monaten Schule via Teams langsam an die Gurgel.

Nowshine-Micaraa-Toning-Body-Oil-SATC-Kolumne

Eins meiner Kinder sagte letztens, dass mein Mann und ich uns gerade ständig angiften würden. Das fällt mir schon gar nicht mehr auf. Aber es wird schon stimmen. Auch die größte Liebe wird auf die Probe gestellt, wenn man fast 24 Stunden am Tag in der gleichen Wohnung hockt. Die unter euch, die gerade etwas einsam sind und sich nach Gesellschaft und Berührung sehen, denen kann ich versichern, dass das Gras bei mir auch nicht grüner ist.

Sex and the City 20 Jahre später

Aber ist es nicht interessant, dass wir fast alle an die eine oder andere persönliche Grenze kommen? Klar, wir sind alt genug, dass wir damit umgehen können. Wir lassen uns nicht hängen, wir haben es wirklich gut. Wir haben zu essen. Und natürlich trinken wir unsere Hafermilch-Lattes und Matcha Tee´s, wir machen Workouts mit Pamela. Danach meditieren wir. Anschließend wissen wir langsam nicht mehr, welchen Film wir bei Netflix gucken sollen, also holen wir die alten SATC DVD`s raus. Und sind entsetzt, wie jung Carrie und ihre Freundinnen aussehen. Und merken, dass wir älter geworden sind und dass wir heute sogar älter als Samantha sind und die war ja bekanntlich schon 145. Das sind alles keine echten Probleme, das merkt ihr doch auch. Der Lockdown ist kein Krieg, auch wenn das viele behaupten.

Wobei es Dinge gibt, über die ich noch nicht öffentlich geschrieben habe und die sind schon hart. Damit meine ich die Todesfälle. Was machst du, wenn z. B. der Mann deiner Schwester, die in Polen lebt, an den Folgen von Corona stirbt und sie mit 3 kleinen Kindern alleine bleibt. Trauer ist immer gleich, im Krieg oder während einer Pandemie. Also verurteilt mich nicht, wenn ich es nicht aushalte und mich die Tage ins Auto setze und nach Polen fahre, um drei kleinen Menschen und einem Großen zu zeigen, dass ich für sie da bin. Wenn wir uns als Jugendliche unsere Zukunft ausmalen, sagt niemand „Ich werde mit 39 Witwe sein, meinen geliebten Ehemann an diese seltsame Krankheit verloren haben und nicht wissen, was ich den Kindern sagen soll“.

Aber genug davon. Wie schon in diesem Post erwähnt, üben wir uns alle momentan in Demut. Wir nehmen hin und halten aus. Surrender. Mit Mut und Zuversicht, mal mehr, mal weniger.

Apropos Netflix: Steht ihr auch so auf Fußbäder? So verbringe ich mindestens einen Abend in der Woche, schaue Lupin, Ziemlich beste Freunde oder Plötzlich Papa, die Hände voll mit M&M´s, die Füße in einer Bütt mir perfekt temperiertem Wasser. Herrlich. Danach gebe ich mir selber eine ölige Fußmassage mit dem Bodyoil von Micaraa, welches ich mir momentan eigentlich überallhin schmiere und erfreue mich an wohlig warmen Babyfüssen. Auch wenn sie 47 Jahre alt sind – yes meine Lieben, ich Glückspilz hatte dieses Jahr schon Geburtstag – sind sie dann so weich und rosig, als hätte ich noch nie im Leben unbequeme High Heels getragen.

Mein Geburtstag Anfang Januar war übrigens einer der schönsten, wenn nicht überhaupt DER Schönste. Denn ich hatte einfach nichts vor. Es ist nicht alles Corona und doof.

Ich neige sonst dazu, diesen Tag so richtig feiern zu wollen und feiere mich mit diversen Reisen. So war ich an diesem Tag in den letzten Jahren schon mehrmals in Paris, London oder Amsterdam. Den Geburtstag im letzten Jahr verbrachte ich in Haarlem, weil es dort dieses Fischrestaurant mit der nettesten und coolsten Besitzerin gibt. Und ich so gerne im Dunkeln durch die Straßen spaziere und den Holländern in ihre Wohnzimmer schaue. Weil, na die verstehen mal was von Inneneinrichtung!

Außerdem wollte ich unbedingt einen Joint rauchen und das tat ich dann auch. Ich hätte mir mal lieber statt dem Joint einen dieser magischen Kekse gekauft. Denn wenn ich etwas nicht mag, dann ist es Zigarettenqualm in meinem Hals. Kurz vor Mitternacht zog ich an meinem Joint, trank dazu Champagner und aß Pralinen. Denn man sagte mir im Coffeeshop, dass ich etwas Süßes essen soll, wenn die Wirkung zu stark wird. Und davor hatte ich schon etwas Bammel, ich will ja nicht wie Rihanna in der Ecke abhängen. Und das auch noch an meinem Geburtstag.

Von der Wirkung des Joints merkte ich nichts nicht viel. Dafür bekam ich ein schlimmes Kratzen im Hals und einen Tag später eine Angina, die so weh tat, dass ich 10 Tage lang fast nichts essen konnte und anschließend 2 kg leichter war. Aber na ja, das war letztes Jahr. Aufregend, oder?

Dieses Jahr blieb ich einfach zu Hause. Eine andere Wahl hatte ich nicht, weil alles Corona ist. Wobei, stimmt nicht, ich fuhr tatsächlich doch in die Stadt, um Burger und Salat bei Hans im Glück zu holen. Die verspeiste ich dann mit meinen Jungs und später stand ich in der Küche, um mir selber einen Kuchen zu backen. OHNE kosmisches Zeug darin und sogar ohne Mehl. Wobei Mehl bei mir die gleiche Wirkung hat wie ein Joint, keine nennenswerte. Im Kuchen ist nur 80 % Schokolade drin und Fett. Der Kuchen ist göttlich, das Rezept gibt es in meinem Food Highlight bei Instagram.

An diesem Geburtstag verspürte ich eine Ruhe wie vermutlich noch nie. Ich liebte alles daran. Ich schenkte mir selber ein Seidenkleid von Anne Bing und einen Blazer von Isabel Marant. Beides politisch korrekt und Vintage, gekauft bei Yesterday Domani.

Übrigens hatte auch Luke, mein Sohn, der mittlerweile 19 Jahre alt ist, auch vor einigen Tagen Geburtstag und Lian wurde an Silvester 13. Alle Geburtstage waren gut. Nein, sogar super. Vielleicht waren es sogar die besten Geburtstage bisher. Denn wir leben nicht im Krieg, wir leben nur. Das Leben passiert. Und manchmal passiert es eben ganz doll und alles ist Corona und manchmal ist es wie der Joint, der nicht gewirkt hat, weil man zu viel Süßes dazu gegessen hat. Was immer hilft, ist weniger Netflix, dafür mehr warme Füße, etwas Kuchen und Zuversicht mit einer Prise Dankbarkeit.

Ich glaube, dass jeder von uns gerade ein neues Leben bekommt, heißen wir es willkommen.

Shine now, es it doch nicht alles Corona,

Doro

9 Kommentare

  1. Müller, Simone
    28. Januar 2021 / 8:55 am

    Hallo liebe Doro, alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag nachträglich. Dein Post bringt es wieder auf den Punkt. Ich bin auch gern mit mir alleine und genieße die Stille. Lg Simone

  2. Diana
    28. Januar 2021 / 11:26 am

    sehr schön geschrieben. Danke 🙂

  3. Ela
    28. Januar 2021 / 12:24 pm

    Liebe Doro,
    weise Worte… Die mich echt zum Nachdenken brachten. Wir jammern immer so gerne, dass gerade irgendwie alles sch… ist. Ist es ja auch irgendwie. Aber deine Geschichte bzw. die Deiner Schwester, zeigt doch wieder mal, dass wir es fast schon perfektioniert haben, das JAMMERN AUF GANZ HOHEM NIVEAU. Geburtstage mitten in Corona sind doof, aber sie gar nicht mehr feiern zu können, ist noch viel doofer. Da fehlen mir vor Mitgefühl fast die Worte…
    Was Dein Beitrag mir aber auch zeigte: im Leben liegen die guten und die schlechten Dinge oft so nah beieinander. Und jetzt mit Corona vielleicht noch mehr…
    Daher am Ende noch: Willkommen im Club der 47jährigen Göttinnen!
    GLG Ela (die auch irgendwie gar nicht mehr alleine zu sein scheint daheim!!!)

  4. Sabrina Faltin
    28. Januar 2021 / 5:54 pm

    Liebe Doro- nachträglich alles erdenklich Gute zum Geburtstag 🎁 ( für deine Familie- vor alles jetzt für deine Schwester viel Kraft 💪🙏✊❤️)

  5. Michaela
    29. Januar 2021 / 4:07 pm

    Danke für die schönen Worte. Ich bin auch gerne alleine und liebe Waldspaziergänge.
    Liebe Grüße aus Kärnten, Michaela

  6. Beate Fetz
    29. Januar 2021 / 7:18 pm

    ❤️Alles Liebe für dich und deine Familie! Wieder einmal ein sehr schöner Text!❤️

  7. Simona Loesch
    29. Januar 2021 / 10:26 pm

    Liebe Doro, vielen Dank für den Einblick in Dein Leben…. so schlimm und traurig der Verlust für Euch ist, so nahbar macht es die ganze Gefahr des Virus. Auch wir haben im Dezember einen Freund verabschieden müssen und seitdem sehe ich dieses Virus aus anderen Augen und würde diese Erfahrung gerne mal an alle Kritiker weitergeben. Ich wünsche Dir und Deiner Familie, dass Ihr diesen Schicksalsschlag miteinander stemmt und verarbeiten könnt🙏🏻❤️💪🏻

  8. Daria
    2. Februar 2021 / 9:40 pm

    ❤️ Bleibt stark
    Alles gute nachträglich 😘❤️ Und vielen Dank für die Zeilen die zum nachdenken anregen ❤️

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