Wie hält man einen dieser Tage aus?

Wenn ein Tag komisch anfängt, endet er meist auch wie ein komischer Tag.

Ich schlief bis 10.45 und als ich aufwachte, traute ich kaum meinen Augen. Schließlich habe ich weder mit 12 noch mit 19 jemals so lange geschlafen. Auch nicht mit 24, als ich erst im Morgengrauen aus einem Club nach hause kam. Damals stand ich kurz vor 11 – also an den Wochenenden, unter der Woche arbeitete ich natürlich brav – im Fitnessstudio und wartete mehr oder weniger leicht verkatert darauf, dass der Step Kurs anfängt.

10.45, also was ist denn jetzt los?

Nowshine-ue40-Kolumne
Ohrringe, Haarspangen, Kleid: alles alt

Nach dem Frühstück um 13.20 schmierte ich mir Lidschatten in der Farbe „Pure Teal“ auf die Lider, Öl in die nicht mehr so taufrischen Haarspitzen, sprühte Trockenshampoo in die Ansätze und putzte danach leicht auf hundertachtzig das Bad, welches unter einer feinen Schicht Trockenshampoo ebenfalls nicht mehr so taufrisch aussah. 

Also Doro, wenn Trockenshampoo auf den Fliesen dich auf hundertachtzig bringt…, hast du keine richtigen Probleme. Oder ich verdränge sie gerade.

Ich schimpfte mit Lian, der, wenn ich nicht aufpasse, nur noch den ganzen Tag und die halbe Nacht auf den Handybildschirm starrt und das – rate mal – bringt mich auch auf 180.

Am Nachmittag dieses komischen Tages fuhren wir zu meinen Schwiegereltern nach Köln, wo es frisch gebackene Plätzchen und Nussecken gab. Mit Nüssen, die meine Schwiegermutter auf Herz und Nieren geprüft hat (sie schneidet jede Nuss durch und untersucht sie genauestens). Schließlich war gleich 16 Uhr und eine gute Zeit für Kaffee und Gebäck. Mittlerweile schob ich richtig großen Hunger, aber es war schön, mal mit anderen Menschen zu reden. Außer dem hohen Zuckergehalt in den Plätzchen regte mich nichts auf, ich trank Tee, lauschte Geschichten auf Kölsch und lachte über das Wort des Abends für Mundschutz: „Schnöss-Lappen“. 

Um 18.30 servierte ich – wieder zu Hause – das Mittagessen in Form von Resten von Heiligabend und stellte traurig fest, dass der polnische Gemüsesalat meiner Mutter leider schlecht geworden war. Das auch noch, wenn es ums Essen geht, verstehe ich keinen Spaß. Aber wat wells de maache? Wat fott es, es fott. Würden meine Schwiegereltern sagen.

Jetzt liegt mein Mann mit Kopfschmerzen im Bett und ich versuche aus diesem Tag schlau zu werden. 

  • Jede Frau meines Alters, die ich näher kenne, wacht spätestens um 6 Uhr früh auf, manche schon um 4.30. Was stimmt nicht mit mir, ich schlafe nicht, ich falle ins Koma. Das regt mich auf, ich habe das Gefühl, nicht dazuzugehören. Wie früher, als ich immer das neue Kind in der Klasse war, weil wir so oft umgezogen sind… Oha Doro, da hast du mal ein altes Trauma wohl nicht so wirklich verarbeitet 
  • Wieso steht mir Lidschatten in Türkis so viel besser als z. B. einer in Hautton-Nude (besitze hellbraune Hautton-Lidschatten in ewig vielen Schattierungen, sicher ist sicher). Hautton benutzt gefühlt jeder bei YouTube und in IGTV Tutorials und alle sehen damit so natürlich und fabelhaft aus, sogar die Männer! Ich sehe damit… so komisch wie der heutige Tag aus. Aber Türkis steht mir? Ist Türkis mein Nude? Ho ho. Es regt mich auf, dass ich erst mit 46 herausfinde, was mir steht. Aber man kommt nicht so wirklich leicht auf die Idee, Türkis als Everyday-Lidschatten auszuprobieren.
  • Wie kommt’s, dass mein neues Trockenshampoo mein Badezimmer so einnebelt? Das Zeug ist überall, in jeder Ritze. Und nein, ich habe keinen Putzfimmel. Jetzt halte ich beim Sprühen vorsichtshalber meinen Kopf aus dem Fenster, bis diese Flasche leer ist. Den Salat habe ich weggeworfen und beiße jetzt die Zähne zusammen und brauche das Trockenshampoo auf jeden Fall auf. Hört sich das an, als wäre ich trotzig?
  • Bin ich anstrengend??? (Ich möchte ungern Lian dazu befragen).
  • Hat mein Mann die Kopfschmerzen etwa wegen mir bekommen? Weil ich trotzig und anstrengend bin?

In meinem Kopf schimpfte ich: Den halben Tag verpennt, die Schublade voll mit Schminksachen – z. B. braunem Lidschatten in Nude – die mir nicht stehen. Schon wieder Geld für ein mieses Beautyprodukt – Trockenshampoo – ausgegeben, mit Lian geschimpft und extra Hunger geschoben, weil ich mich so auf den Salat gefreut habe und der liegt nun im Müll.

Was ich scheinbar echt gut kann, ist, mich selbst auszuschimpfen. 

Ja, es war ein komischer Tag, mit komischer Laune. Bald ist es zum Glück Mitternacht, ich sitze mit frisch gewaschenen Haaren (ich verzichte auf das Trockenshampoo) auf dem Sofa und schreibe und werde gleich Lian ins Bett scheuchen (also mit ihm über seine Bildschirmzeit diskutieren). Da ich so lange gepennt habe, bin ich natürlich hellwach. Ich habe versucht, gegen die komische Laune zu meditieren, habe aber dabei innerlich nur mit den Augen gerollt. Heute bin ich einfach nicht ich selbst. Liegt es an den Raunächten? Oder am Jahresende? Schon wieder an den Hormonen?

Und wo ist die Liebe und Dankbarkeit hin? 

Ja genau, wo ist sie hin? 

Ok, hier kommt sie.

Es ist ok, lange zu schlafen, jahrelang den falschen Lidschatten zu benutzen und beim Trockenshampoo oder jedem anderen Produkt ins Klo zu greifen. Es ist ok, Dinge zu entsorgen, die nicht gut für einen sind und manchmal darf man sich auch erlauben, eine hungrige Diva zu sein. Und jetzt mach das Licht aus, Doro und geh ins Bett. Weniger denken, mehr handeln. Morgen ist ein neuer Tag, ein neuer Beginn, ein frischer Start, jeder – auch der komische – Tag hat 24 Stunden, sei einfach froh, dass du die meiste Zeit davon heute verschlafen hast. 

Shine now and be kind to yourself,

Doro

6 Kommentare

  1. Simona Loesch
    29. Dezember 2020 / 6:14 pm

    Ach Doro, ich liebe Deine Art zu schreiben, sich (und die anderen) nicht sooo ernst zu nehmen und zu schaffen, dass ich nun denke, ich probiere morgen türkis farbenen Lidschatten😂Sieht super aus🤗

    • Dorota
      Autor
      29. Dezember 2020 / 7:36 pm

      Haha, hast du türkisen Lidschatten inrgendwo in einer Schublade?

      Ich danke dir für das schöne Kompliment!

      • Nike
        29. Dezember 2020 / 9:04 pm

        Hahahahahahaha herrlich- also von mir aus kannst Du ruhig öfter solche komischen Tage haben. Ich habe mich köstlich amüsiert. – Ich stelle mir vor, wie Du den Kopf aus dem Fenster hängst, um Dir Trockenshampoo draufzusprühen. Außerdem finde ich SchnössLappen oberwitzig. Sorry, für Dich war der Tag wahrscheinlich nervig, aber wie Du ihn mit uns teilst, ist einfach wunderbar amüsant. Ach und mit den Farben ist das wirklich so eine Sache! Mir stehen auch Farben, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Aber diese Erkenntnis ist doch supergut! Danke für den Tag, den Du mit uns geteilt hast. Ich drück Dich♥️

        • Dorota
          Autor
          29. Dezember 2020 / 10:47 pm

          Jetzt bringst du mich zum Lachen haha 😂 Dankeschön!

  2. Michaela
    1. Januar 2021 / 2:33 pm

    Manchmal gibt es so Tage, da passt dann einfach überhaupt nichts 🙂 Aber bis 10:45 habe ich schon lange nicht mehr geschlafen … mit meinem 3-jährigen aber auch schwer möglich. Alles Liebe aus dem tief verschneiten Kärnten, Michaela

    • Dorota
      Autor
      1. Januar 2021 / 6:50 pm

      Der 3-jährige wird irgendwann länger schlafen als du, dann gibst du Gas 🤪

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