Wochentagebuch #quarantinediaries und die Magie des Journalings

Könnt ihr eigentlich noch nachvollziehen, wie lange wir schon in Quarantäne sind? Ich habe nämlich irgendwann aufgehört, die Tage zu zählen und es interessiert mich auch nicht mehr. Ich kann es nicht ändern, also ergebe ich mich. Meistens weiß ich gar nicht, welchen Wochentag wir haben, weil sich jeder Tag ähnelt. Niemand meckert über den Montag und es gibt kein TGIF. Sogar das Wetter ist fast jeden Tag gleich: Sonne, Sonne, Sonne… und darüber will ich mich absolut nicht beschweren.

Es fühlt sich wie ein endloser Frühling an, wobei der Gang zum Glascontainer das Highlight des Tages ist und nicht der Wein, den man das erste Mal im Außenbereich eines Lokals sitzend, in eine Decke gekuschelt, genießt.

Journaling-quarantinediaries-Nowshine

Erst die guten Nachrichten: Ich gehe jeden zweiten Tag joggen. Wo ich früher gerne mal faul war, ist gerade ein Wille da. Seit ich gehört habe, dass Intervallfasten nicht nur für die Figur, sondern auch für das Immunsystem gut ist, lasse ich mindestens 15 Stunden zwischen meinem Abendessen (in Form von Disney Chanel/ Haus des Geldes Staffel 4, 15 M&M´s (nur die dicken, großen M&M´s) und 2 Daim/ man muss das Fitte und Gesunde immer ausbalancieren) und Frühstück (das esse ich dann so ziemlich nach 12 Uhr mittags und bin, was mein Essverhalten angeht, gerade wieder in meiner Teeniezeit gelandet).

Plant a garden full of self love

Ich pflege nicht nur meinen Body und das Immunsystem, sondern auch meinen Garten. Den mache ich noch schöner, als er schon ist. Ok, er ist nicht irgendwie besonders schön, aber hey. Ich kann nichts dafür, dass ich bei der Unkrauternte nicht so hinreißend aussehe, wie Demi Moore bei der Ernte von Tomaten in „Ein unmoralisches Angebot“.

Außerdem miste ich aus. Ich habe mir geschworen alle Klamotten, die ich nur auf einem Bügel und nicht an mir schön finde, zu verkaufen. Und so veranstalte ich hin und wieder einen Instagramsale. Ich mache diese Ausverkäufe preiswert, der Geldfluss ist symbolisch und sorgt für ein ausgeglichenes Karma. Ein Tauschgeschäft.

Ansonsten habe ich Möbel über eBay Kleinanzeigen verschenkt und bevor ich zur Heiligen Dorothea mutiere, erzähle ich euch vielleicht, wie ich fast einen halben Apfelkuchen (der nur FAST kalorienfrei war) innerhalb von 7,5 Minuten allein verspeist habe. Ich werde demnächst das Rezept mit euch teilen und will wissen, wie lange ihr braucht, um den Kuchen aufzuessen.

Und dann gibt es Sachen, die gerade so gar nicht fluppen. Nachdem ich in den ersten Wochen fast täglich mindestens eine Stunde Yoga geübt habe, finde ich – ebenfalls täglich – eine Ausrede, um kein Yoga zu machen. Der Garten ist gerade wichtiger und ein Schrank/ Heim nur mit Sachen, die mir Freude bereiten, auch total.

Wenn ich dann doch mal wenigstens meditiere, stelle ich dabei in Gedanken Gartenmöbel um und überlege, ob ich mit Robert Redford für eine Million schlafen würde und ob ich lieber Tomaten oder Kräuter pflanzen sollte. Ja, ich weiß, man soll beim Meditieren keine Gartensitzgruppe umstellen, jeden Gedanken an Robert Redford einfach ziehen lassen und keinen Hunger auf Tomatensalat mit Basilikum bekommen. Tja.

Ich halte mich auch ganz prima vom Bloggen ab und rede mir ein, dass ich nicht weiß, worüber ich schreiben soll. Ich meine, bei uns allen kommen gerade unschöne Themen hoch, wen interessiert es, was „Doro loves“ oder dass ich auch mit dem Journaling aufgehört habe?

Keine Lust auf Yoga, Meditation und Journaling

Da ich kein Zeitgefühl habe, weiß ich nicht mehr, wie lange ich nicht mehr in mein Journal geschrieben habe. Aber heute schleppte ich mich in meiner neuen Sport-Culotte, die ich mir aufgrund des erhöhten Sportpensums sicherheitshalber mal gekauft habe auf die Matte, saß im Schneidersitz auf einem Kissen, meditierte auf Demi Moore und die Gartenmöbel mein drittes Auge und schrieb danach endlich wieder in mein Journal.

Manchmal fragt ihr mich, was ich denn da immer so schreibe und wie man überhaupt Journaling macht. Ich würde sagen, schreibt einfach drauf los:

  • Es ist egal, was du schreibst, außer du schreibst Tagebuch. Schreibe keine Sachen wie: „Ich habe meinen Schwarm heute 3 x angerufen, nichts gesagt und wieder aufgelegt“. Als ich angefangen habe zu schreiben, schrieb ich als Übung einfach 3 Seiten voll. Ich schrieb über positive Sachen, Gefühle, über meine Träume, Ziele und meine Wünsche. Nur so zum Aufwärmen und um mich daran zu gewöhnen, mit einem Stift in ein Notizbuch zu schreiben.
  • Wenn mich ein Thema beschäftigt, schreibe ich darüber und reflektiere. Das mag ein Streit sein, etwas, was mich getriggert hat, etwas, das mich erfüllt hat. Ich unterhalte mich beim Schreiben mit mir selber. Stell dir vor, dass du mit einer wacheren Ebene deines Bewusstseins kommunizierst. Das geht so: Sei einfach ehrlich und weise, wenn du dir antwortest.
  • Wenn ich mal fies drauf bin, schreibe ich Briefe an Personen, mit denen ich ein Thema habe und haue alles an Gefühlen rein und raus, die ich nicht so gerne laut aussprechen würde. Stell dir vor, du streitest dich mit deinem Partner und sagst ihm auf dem Papier alles, was du schon immer mal sagen wolltest. Du kannst ihn auch richtig beleidigen und Schimpfwörter benutzen und Rechtschreibfehler machen. Niemand wird es je lesen. Es gibt bestimmt Menschen, die sagen würden, dass das kein Journaling mehr ist. Für mich ist es eine Verbindung zu deiner Seele durch das Fühlen deiner Gefühle und so richtig gut. Danach fühle ich mich befreit und klar und ruhig.
  • Sehr oft stelle ich mir eine Frage, auf die ich mir selber ganz pragmatische Antworten gebe. Die Frage könnte lauten: “ Was kann ich heute tun, um meinem Ziel näher zu kommen?/ Wie möchte ich in einem Jahr leben?/ Warum habe ich den halben Scheiß Kuchen aufgegessen?
  • Wenn ich keine akuten Fragen oder Themen habe, schreibe ich einfach auf, wofür ich dankbar bin. Ernsthaft ihr Süßen, noch nie habt ihr eure Vibes so schnell angehoben. Das ist BIG MAGIC.
  • Wenn mein Bewusstsein so richtig offen und gut drauf ist, schreibe ich Affirmationen, also neue Glaubenssätze. Sachen wie “ ich bin ein Magnet für neue Follower bei Instagram“, ho ho ho. Ok ernsthaft, ich denke mir Affirmationen aus wie: „Alles ist gut in meiner Welt, ich bin immer in Sicherheit, alle meine Beziehungen sind harmonisch, ich bin wertvoll, liebenswert und einzigartig“.
  • Wenn ich abends schreibe, reflektiere ich, was ich an dem Tag gut gemacht habe und wo ich hätte anders reagieren können, mit mehr Freude und Liebe. Gerne konzentriere ich mich auch auf die Frage „Was war heute mein größtes Erfolgserlebnis?“

Heute schrieb ich also das erste Mal seit Tagen wieder in mein Journal. Ich schrieb über geheime und richtig coole Sachen. Es kamen keine Gartenmöbel oder Tomaten darin vor.

Später haute ich mich mit meinem Laptop auf die besagte Gartensitzgruppe und fing an, diesen Blogpost zu schreiben. Mein Mann telefonierte laut mit Menschen in den USA, meine schon etwas älteren Nachbarn ein Haus weiter empfingen (wie jeden Tag während der Quarantäne) Besuch im Garten, mit sicheren 4 Metern Abstand. Da sie nicht mehr so gut hören, brüllten sie dem Besuch an den Kopf, dass der Kaffee fertig und die Erdbeeren beim Gemüsemann noch viel zu teuer wären, woll.

Ich schrieb weiter. Als mir Luke ein Desperados in die Hand drückte und mich damit aus meiner was kosten wohl die Erdbeeren beim Gemüsemann gerade/ Blogger-Blase weckte, bemerkte ich, dass ich über 1000 Wörter geschrieben habe. Ich fragte mich, wer oder was mich eigentlich fast eine Woche vom Bloggen/ Yoga/ Persönlichkeitsentwicklung abgehalten hat. Oder muss man einfach manchmal alles sein lassen, einen Garten neu bepflanzen und sich von ungeliebten Sachen trennen, um sich wieder frisch seinem Innenleben widmen zu können? Das meine Lieben, ist eine sehr gute Frage für meine nächste Journaling Session.

Shine now and watch out for one another,

Doro

Photo by My Life Journal on Unsplash

3 Kommentare

  1. 9. April 2020 / 12:42 pm

    Liebe Doro,
    Diese Zeit ist verrückt. Ich frage mich oft, wie oder was denkt man in einem,zwei, fünf Jahren darüber?
    Nehmen wir, außer Robert Redford, umgestellten Möbeln und einem geleerten Kleiderschrank etwas mit? Nehmen wir Klopapier und Mehl als hohe Güter wahr?
    Im Ernst: Du machst es doch richtig so! Du behältst die schönen Dinge, änderst die weniger schönen, kaufst dir elegante Sporthosen und machst es euch fein. Und isst m&ms. Eine sehr essenzielle Nahrungsquelle, das sind schließlich Nüsse. Und in Apfelkuchen sind Äpfel. Und meine Englischlehrerin sagte schon: one apple a day keeps the doctor away.
    Bleib gesund, positiv und im Flow. Egal wie.
    Liebe Grüße
    Nicole

  2. Karen
    10. April 2020 / 9:23 am

    Liebe Doro,
    Vielleicht musstest Du ja erst das Äußere aufräumen, um wieder einen guten Weg zu Deinem Innren zu haben 😉. Nein, Du machst es richtig! Lass das Leben in der jetzigen Zeit fließen – und keine Gedanken an richtig oder falsch. Warum nicht von Robert Redford träumen! Was habe wir denn sonst an Highlights?

    Übrigens berichten mir derzeitig so viele Patienten, dass das Zuhause, der Garten noch nie so aufgeräumt war 😉. Sperrmüll, Altkleider und ebay dürften sich freuen 😉.

    Obwohl ich „normal“ arbeite war mein Garten noch nie so weit aufgeräumt, wie in diesem Jahr.

    Wer schreibt denn vor, was wir wie, wann zu erledigen haben?

    Liebe Sonnengrüße und frohe Festtage
    Karen

  3. Ela
    14. April 2020 / 9:42 am

    Liebe Doro, wieder mal ein wunderbarer Post… Diese Zeit ist in der Tat verrückt, auch ich vergesse, welchen Wochentag wir gerade haben… Home Office ist so eine Sache, auch dass man den ganzen Tag aufeinander hockt.
    Letztens habe ich irgendwo gehört, dass der April 2020 in die Geschichte eingehen wird, da so viele Männer gemerkt haben, dass sie Frau und Kinder haben!!!!
    Ich glaube, journaling ist wirklich eine tolle Sache, die ich mal ausprobieren werde. In einem Seminar, das ich noch vor Corona besuchen durfte, (damals….) haben wir einen Brief an unsere Kinder schreiben sollen. Die Kleinen fanden es okay, als sie das hörten und freuten sich sehr. Der Große war erst mehr als skeptisch (was vielleicht auch an der Scheiß-Mathenote lag, die er an dem Tag heim brachte), aber als er ihn gelesen hat, war er echt gerührt.
    Also, Journaling ist dann für mich wie „ich schreibe einen Brief an mich selber“, und das ist doch ein toller Ausblick für den heutigen Montag! Ach nee, Dienstag! Egal, Quarantänetag…
    GLG, Ela

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