Journaling ist nicht Tagebuchschreiben – Doro loves

Habe ich eigentlich schon erzählt, dass ich schreibe? Also sowas wie ein Tagebuch, nur dass es kein Tagebuch ist. Es nennt sich Journaling und nein, das ist nicht Englisch für Tagebuch, immer noch nicht. Das heißt ja auch Diary. Dear diary, liebes Tagebuch, heute habe ich IHN wieder in der großen Pause auf dem Schulhof gesehen und er guckte mir leider nicht sehr lange in die Augen. So nicht, so ein Text wäre so in etwa von 1985.

Was für eine Art Journaling ich mache und ob es so richtig ist, weiß ich nicht. Aber gibt es beim Schreiben überhaupt ein „Falsch“? Ich schreibe mal dies, mal jenes. Soll ich sagen, wie ich das mache? Warte, ich schreibe es genau auf. Ich schreibe das Dies und Jenes mal genau auf.

Journaling ist nicht Tagebuchschreiben

Jeden Tag stehe ich gegen 7 Uhr auf, wecke schlaftrunken die Kinder, verabschiede sie in die Schule, setze meine Lesebrille auf und hole meine beiden Notizbücher aus der Nachttischschublade. Ich habe ein kleines und ein großes Notizbuch. In das Kleine schreibe ich meine Listen. Meine Top 3 Liste und meine Oh Wow Liste (diese Namen habe ich aus dem Ease Coaching, welches ich mal gemacht habe). Mein Top 3 sind die Sachen, die ich an dem Tag erledigen möchte, die Oh Wow Liste ist alles andere, nicht so wichtige, was mir noch so einfällt. Und dann geht es los.

Ich schlage mein großes Notizbuch auf und frage mich als aller Erstes, was ich da überhaupt mache. Warum ich es mache. Weil … bringt es denn was? Und ob es was bringt.

Dann beantworte ich mir eigene Fragen. Nirgendwo steht was darüber, was ich mit meinen Mädels unternommen habe oder ob mein Schwarm mich wohl zum Tanzen auffordern wird auf der Fete kommenden Samstag. Ich stelle mir vielmehr Fragen zu meiner Persönlichkeit. Manchmal zu den Sachen, die mich total triggern. Und ganz manchmal frage ich mich, warum ich alles Mögliche beurteile. Oder verurteile. Meistens beides nacheinander.

Die Fragen, die ich mir stelle, lauten ungefähr so:

  • Was sind meine Ziele?
  • Wo will ich in einem Jahr stehen?
  • Wofür bin ich heute dankbar?
  • Was kann ich tun, damit mich diese eine Freundin einer Freundin/ Nachbarin/ Lehrerin/ … – es sind nicht immer Frauen – nicht mehr aufregt?
  • Was kann ich tun, damit mir die Steuererklärung/ wichtige Mail/ unangenehme Sache kein Kopfzerbrechen mehr bereitet?

An manchen Tagen schreibe ich Briefe an Personen, die mir so richtig auf den Sack gehen. Ich lege los und haue alles an Gefühlen da rein, was da ist. Was übrig bleibt, ist ein gutes Gefühl. Und der Verdacht, mit meiner Seele kommuniziert zu haben.

Und dann gibt es Tage, an denen ich einfach drauf los schreibe. Das ist dann manchmal richtig big Magic. Denn ich habe eigentlich (!) nichts zu sagen und dann sind nach 20 Minuten drei Seiten voll mit lauter klugen und unklugen Sachen, die vielleicht sogar das Zeug zu einem Blogpost haben. Du setzt dich hin und schreibst, dass du nicht weißt, worüber du schreiben sollst und dann beschwerst du dich beim Schreiben, dass du noch die Steuererklärung machen musst und du die Schränke im Büro aufräumen wolltest und dass du dafür gar keine Zeit hast, weil deine Tage so voll sind mit anderen Sachen.

Meanwhile, während du so schreibst, stellt sich heraus, dass du sehr wohl Zeit hast, aber du, statt das Büro oder die Steuererklärung zu machen, lieber die Runway Shows auf Vogue.com guckst und deswegen unproduktiv bist. Und dein Büro nur gut aussieht, bis man die Schränke aufmacht. Die voll sind mit Ordnern von 2001 und Räucherstäbchen und alten Büchern, die du nie wieder lesen wirst und alten Bildern von 1990 und Sachen, die dir deine Kinder im Kindergarten gebastelt haben und bei denen niemand weiß, was es eigentlich ist, außer einer bunt beklebten Klorolle. Und das gleich in mehreren Ausführungen, da zwei Kinder viele Jahre im Kindergarten verbringen.

Du schreibst und stellst dabei leicht peinlich berührt fest, dass du massig Zeit hast. Und eigentlich Löcher in die Luft guckst, statt produktiv zu sein und dass du dich selber verarschst und wer gibt das schon gerne zu. Dein Journaling holt all sowas aus dir heraus. Und dann journalst du darauf, wer du ab jetzt sein willst, nicht nur die Frau, mit einem aufgeräumten Büroschrank. Sondern auch einer gemachten Steuer und unverarscht.

Während du so schreibst, bist du die Frau, die einen knallharten Fokus hat. Und sehr wahrscheinlich bald voller Leichtigkeit lebt, weil sie sich nie über bunte Klorollen im Büro beklagen wird. So eine Frau verarschst sich nicht selber. Sie fragt nie nach dem „warum“ sondern immer nach dem „wie“, wenn andere noch jammern und so tun, als wären sie das Opfer des Finanzamts hat sie schon die Lösung auf das Papier gebracht. So eine Frau bist du jetzt. Dank deinem Journaling.

Zugegeben, diese Frau bin ich nicht so ganz. Aber da bleibt ernsthaft was von all dem Zeug aus meiner Seele, worüber ich so jeden Tag schreibe, in meinem Gehirn kleben. Das Zeug muss sich gut festhalten, damit es nicht wieder runterfällt, wenn es die neue Runway Show von Tibi bei Vogue.com zu sehen gibt. Aber so nach und nach fühle ich den subtilen Unterschied. Mein Schrank im Büro ist zwar noch nicht aufgeräumt – allerdings ist bald Vollmond und somit der perfekte Zeitpunkt für solche Vorhaben – aber ich weiß manchmal total genau, was bei mir und mit mir so los ist.

In ein Tagebuch würde ich jetzt schreiben, dass beim Journaling meine Seele mit mir spricht, aber das hier ist ein Blog und einige von euch werden das kitschig finden und mit den Augen rollen. Wobei ich letzte Woche beim Journaling (told ya) herausgefunden habe, dass ich es eh nicht jedem Recht machen will. Und auch nicht jedermanns Liebling sein möchte. Also lasse ich das mit der Seele jetzt hier so stehen. Weil es geil ist, mehr Achtsamkeit in sein Leben zu holen. Weniger Klorollen, mehr Seele Leute. Versucht es mal. Es kostet nicht die Bohne und es gibt auch keinen Swipe-up Link.

Shine now, sit, wait and let it come,

Doro

4 Kommentare

  1. Ela
    6. Februar 2020 / 1:35 pm

    Fantastisch!!!! Einfach nur ein richtiger cooler Text, den ich immer wieder lesen möchte!!! „die Frau, die einen knallharten Fokus hat“… einfach nur gut!!! Die wären wir ja alle gerne!

    GLG, Ela

  2. Barbara
    7. Februar 2020 / 2:58 pm

    Liebe Doro,
    es ist diese wunderbare Mischung aus Klugheit und Humor. Dein Schreibstil – einfach herrlich. Deshalb lese ich Deine Texte so gern. Es ist „von allem etwas“… und nicht zuletzt jede Menge kostbarer Inspiration! Häufig denke ich „ja genau“, oft ists ein Wiederfinden, erinnert werden.
    Vielen Dank!!!!
    Liebe Grüße, Barbara

    • Dorota
      Autor
      7. Februar 2020 / 4:40 pm

      Wow! Dankeschön, you made my day Barbara!

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