Fehlkäufe vermeiden: Kaufen oder nicht kaufen? – Stilfragen

Wenn ich Fehlkäufe vermeiden will, erinnere ich mich an die Geschichte über eine Jacke von Lanvin, die ich 2011 gekauft habe.

Welche Frau möchte nicht gerne etwas von Lanvin in ihrem Schrank hängen haben? Bevor du „Ich nicht!“ denkst, möchte ich es dir erklären. Denn oh Lanvin! Der Name steht für Eleganz, edelste Stoffe, für Haute Couture. Es ist das älteste französische Schneiderhaus, es ist Savoir-faire und Exzellenz. Mir fehlen fast die Worte.

Alles Lieblingsteile: Jacke*, Jeans*, Boots, Tasche, Mütze*

Als vor einigen Jahren H&M eine Kollaboration mit Lanvin einging, wusste ich, dass ich etwas aus der Kollektion haben muss. Es gab die tollsten Kleider, Abendkleider, natürlich aus Seide, es gab Schuhe, Schmuck und es gab diese eine Jacke aus Faux-Fur.

Meine Freundin und ich standen um kurz vor 7 Uhr morgens dick eingepackt vor dem H&M in Köln. Die ersten waren wir trotzdem nicht. Man teilte uns mit, dass wir in der zweiten Gruppe wären, die die Kollektion zu sehen bekommt und so warteten wir geduldig auf unseren Einsatz.

Dann waren wir endlich drin. Meine Freundin probierte gefühlt jedes Kleid an. Ich saß auf einem Stühlchen vor ihrer Umkleidekabine und schaute zu, für mich kam nur eine Handtasche infrage, ich war sozusagen fertig mit Shoppen. Wo sollte ich denn auch diese Kleider mit weiten Petticoats anziehen? Aber war es nicht egal, ob ich dieses Kleid nur zu Hause trug oder tatsächlich auf der Straße? Ein Stück von Lanvin zu besitzen, war das nicht wichtiger? Genau, denn dann zog meine Freundin das Jäckchen aus Faux-Fur über ein rotes Abendkleid an.

Fehlkäufe vermeiden: achte auf die roten Flaggen im Nebel deines Gehirns

Und mit einem Mal saß ich nicht mehr in Köln bei H&M in der Umkleidekabine, ich war in Paris. Es war später Abend, ich kam aus einer Bar in St. Germain und ich trug diesen Traum von einem schmalen, kurzen Abendkleid in hellem Rot. Ich stöckelte über das Kopfsteinpflaster, legte mir das besagte Felljäckchen um die Schultern, suchte in meiner Handtasche das Handy, um mir ein Taxi zu rufen. Das Glas Rotwein, welches ich in der Bar getrunken habe, machte, dass ich mich nicht um morgen scherte, ich war in Paris, ich hatte Spaß und vielleicht wollte ich sogar eine Zigarette rauchen. Dieses elegante Kleid zu der Jacke, die Haare offen, der Gedanke an die Zigarette, ich fühlte ich mich wie eine französische Kate Moss.

Gedanklich wieder zurück in der Umkleidekabine vom Kölner H&M wusste ich, dass ich die Jacke wollte. Zumindest anprobieren wollte ich sie. So ein Kleid von Lanvin würde ich vielleicht nicht oft tragen, aber die Jacke, die Jacke könnte ich selbst in Köln-Ehrenfeld beim School-Run anziehen. Stimmt’s?

Hör auf, dir das Kleidungsstück selber einzureden

Ich zog sie an und oooooh sie war… Moment mal, ich fühlte sie nicht. Also ich fühlte sie zwar an mir, aber in meiner Seele. Wie hinter einem Nebelschleier sah ich rote Flaggen. Ich dachte Sachen, die ich nicht weiter beachten wollte wie: Die Jacke – eindeutig eine Winterjacke – war leider total kurz. Außerdem machte sie breite Schultern. Die Knöpfe waren Fummelei. Ich sah komisch darin aus. Die nächste rote Flagge: Ich würde immer an den Beinen frieren. Und am Hintern. Vielleicht sogar in der Taille.

Ich wusste nicht, was ich tun sollte, ich starrte mich im großen Spiegel an und dachte nach. Das Ding war schließlich von Lanvin. Würde ich mich nicht schrecklich ärgern, wenn ich sie nicht kaufte? Meine Freundin Elke war verliebt in die Jacke, sie drehte vor dem Spiegel fast Pirouetten. Guck mal Doro, wie hübsch die Jacke ist, so ein toller Schnitt und Farbverlauf. Und die Knöpfe erst! Ein Meisterwerk!

Welche Frau möchte nicht gerne etwas von Lanvin in ihrem Schrank hängen haben? Womit wir wieder beim ersten Satz dieses Artikels wären. Jede Frau will Lanvin! Ich nicht mehr.**

Ich ließ mich einlullen, ich wollte es so. Und ich übersah alle roten Flaggen. Ich wollte die Jacke haben, schließlich war sie lässig und schön und kaum jemand hat so eine Jacke und schließlich war sie von Lanvin! Ich schob 200 € über die Ladentheke. FÜR LANVIN! Geschenkt! Ich meine… gekauft.

Seitdem könnte ich Bücher darüber schreiben, wie man Fehlkäufe vermeiden kann. Muss ich erwähnen, dass ich die Jacke genau 2 Mal trug? Denn ich fühlte sie auch später nicht in meiner Seele. Und sie war wirklich zu kurz. Außerdem machte sie mir breite Schultern, aber nicht die schönen, breiten Schultern einer Gabriella Sabatini, ich sah aus, wie ein Hobbit ohne Hals. Die Jacke war kastig und sah eigentlich nur gut aus, wenn ich sie in der Hand hielt.

So und bevor ich mal wieder kein Ende finde, hier die Message der Lanvin-Geschichte. Ein Tipp, wie du Fehlkäufe vermeiden kannst, ist:

Kaufe nichts, was du nicht fühlst. Auch keine Tasche von Chanel, keine Boots von Balenciaga und schon mal gar keine Jacke von Lanvin. Und erst recht nicht das Kleid von Zara, das ganz Instagram trägt und bei dem du das Gefühl hast, dass du etwas verpassen könntest, wenn du es nicht auch kaufst.

Wenn du ein Teil magst, wirst du es sofort fühlen. Und tragen wollen. Wie meine alte Jacke von WENZ hier.

Shine now and always trust your gut,

Doro

**Elke fühlte die Jacke auch nicht wirklich besonders. Ich glaube, ich habe sie nie an ihr gesehen.

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9 Kommentare

  1. 14. Februar 2020 / 8:31 pm

    Das Gefühl kenne ich zu gut. Das Problem hatte ich mit dem Fake Fur Kurzmantel in der Farbe smaragdgrün von Balmain. Balmain by H&M. Ist schließlich Balmain. Bis, das es meine Tochter auf einen Karnevalsumzug stibitzt hat um als Rabe zu gehen hat es glaube ich meine 4 Wände nie verlassen.

  2. 15. Februar 2020 / 10:18 pm

    Du siehst ejetz jünger aus als vor 7-8 Jahren (alter Blog). Gerade die „Fältchen“ links und rechts von Mund runter, wozu ich auch neige.

    • Dorota
      Autor
      16. Februar 2020 / 9:40 am

      Findest du! Ich habe eine Zeitlang Filler bekommen, danach sieht man nie wieder so wie aus wie vorher. Zumindest ich nicht mit meiner zarten Haut. Vielleicht deswegen. Das Thema mit den Fältchen am Mund hat sich bei mir jetzt verlagert, auf mein Kinn, welches nicht mehr so straff ist. Aber dafür sehe ich auch nicht mehr so gut, hat alles seine Vorteile. Liebe Grüße!

      • 16. Februar 2020 / 2:43 pm

        Das wird es sein :-). Denn die Studien aus 2019 haben erstes Mal überhaupt bewiesen – mit MRT – das sich Filler NIE gänzlich abbauen. Du hattest 2011 – dazu neige ich auch – kleine „Falte“ mit etwas überschüssiger Haut in nasolabial Bereich. Die ist jetzt nicht da. 🙂 Und genau da liegt meine Angst vor Filler, leider. Denn, dass was meine Hautärztin seit Jahren behauptet ist jetzt auch bewiesen. Etwas 20-30% von der Fillersubstanz wird nie abgebaut. Gute und schlechte Nachricht zugleich…

        • Dorota
          Autor
          16. Februar 2020 / 3:36 pm

          Ja kann ich bestätigen! Nasolabial hatte ich aber nie was, die Mundwinkel waren es immer nur. Seit ich so viele Fotos für den Blog von mir gesehen habe, habe ich nebenbei in all den Jahren gelernt, ein anderes Gesicht zu machen. Ich ziehe jetzt die Mundwinkel immer hoch, das ist ein instant Filler und macht jünger da das Gesicht voller wirkt. Ich habe mich daran gewöhnt und gucke jetzt viel freundlicher … denn ich habe eigentlich ein chronisches Bitch Face ha ha

          • 16. Februar 2020 / 11:48 pm

            Oh, das muss ich testen und vermutlich üben 🙂

  3. Ela
    17. Februar 2020 / 9:39 am

    Liebe Doro, das mit den Fehlkäufen ist tatsächlich so eine Sache… Ich neige im Urlaub dazu… In meiner Lieblings-Boutique hängen Sachen, die förmlich meinen Namen schreien, wenn ich sie betrete. DIE dürfen dann auch fast immer mit, und darunter sind einige meiner schönsten und liebsten Sachen! Aber wie oft hat mir die Inhaberin des Ladens Klamotten angepriesen, die ich nicht in meiner Seele fühlte (ein sehr schöner Ausdruck dafür!) und mir kein warm and fuzzy Feeling gegeben haben. In den letzten Urlauben konnte ich da schon Nein sagen und habe die Klamotten dort gelassen, damit sie jemand anderen glücklich machen! 😉
    Mit der Zeit lernt man ja auch, zu unterscheiden, was einem steht und was nicht. Ein weiterer Vorteil des Älterwerdens… wie das „nicht mehr so gut sehen können“ Witzig, wie man von Fehlkäufen-Beiträgen zu Filler-Beiträgen kommen kann!
    GLG, Ela

    • Dorota
      Autor
      17. Februar 2020 / 9:47 am

      Oh ich fühle so nach, was du in dieser Boutique erlebt hast. Gerade so kleine Geschäfte stressen mich, wenn die Verkaufsberatung engagiert ist. Ich muss nachdenken können und ich weiß ganz genau, was ich will! Und meist ist es eben keine Beratung.
      Und joa, Filler sind so ziemlich am Thema vorbei hahaha!
      Liebste Grüße!

  4. @i_got_influenced
    17. Februar 2020 / 5:35 pm

    Ein toll geschriebener Artikel. Musste zwischendurch sehr lachen 😉 Ich habe übrigens die passende Lanvin-Weste 😉

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