Leserfrage 4 von 5: wie hast du deine Ehe retten können

Ich verrate euch heute ein internes Geheimnis. Wisst ihr, welche Posts auf diesem Blog die meisten Klickzahlen haben?

Die über meine Ehe. Ich meine klar, Beziehungen waren doch schon immer ein interessantes Thema, man denke nur an unsere Teeniezeit. Meine Freundinnen und ich haben immer gerne über Jungs geredet, uns getröstet, wenn wir Liebeskummer hatten und uns später in vielen Folgen von Sex and the City wiedergefunden. Mein Blog wird von allen möglichen Frauen gelesen. Selbstbewussten, intelligenten und modernen Frauen von heute. Aber wenn es um Jungs geht, hoffen wir manchmal, dass uns eine andere Schwester mal zu etwas mehr Weisheit verhilft.

Nowshine Ehemann - Eheprobleme - Ehe retten

Ach meine Ehe. Ein Meer der Gefühle. Voller Veränderungen und Wachstum. Zum Glück merke ich, dass ich viel weniger negative Selbstgespräche führe als früher. Das ist eine gute Entwicklung. Es wurde aber auch Zeit! Es wurde so sehr Zeit, dass mir das Leben vor einigen Jahren mit dem Hammer auf den Kopf haute und mich schüttelte: „Willst du so leben?! Willst du so denken? Du schnallst es nicht!“ Und bäms hatten mein Mann und ich die schönste Ehekrise aller Zeiten. Es war Zeit zu lernen.

Ehekrisen sind wertvoll.

Wir stritten. Hauten uns Vorwürfe um die Ohren. Wir hörten dem anderen nicht zu. Dann beschuldigten wir uns gegenseitig und wälzten uns anschließend in Selbstmitleid. Ich knallte Türen und schimpfte auf Polnisch (wer mich kennt weiß, DANN ist ZAPPENDUSTER). Irgendwann machte es richtig PENG und wir trennten uns. Nach den ersten Tagen ohne Appetit, dafür mit vielen Tränen, stand ich eines Morgens auf und dachte „Eigentlich ist es ganz geil, so allein zu sein“. Endlich fühlte ich nur meine eigenen Vibes. Ich konnte tun und lassen, was ich wollte.

Klar vermisste ich ihn, aber nicht allzu sehr. Denn ich hatte wieder MICH. Die alte Doro, die vor der Ehe, nur älter und besser. Und so fing ich an, mein Leben zu ordnen.

Achte auf die Vibes. Deine und die der anderen.

Ich sorgte gut für mich. Traf mich mit Freundinnen. Und suchte nach einem „soliden“ Job und einer kleineren Wohnung. Manchmal heulte ich noch heimlich im Wald und das war auch gut so. Einige Menschen bemitleideten mich und stellten Fragen, die mir kurz Angst machten wie: „Wie stecken es die Kinder weg, dass ihr euch getrennt habt?“, „Was wirst du jetzt nur tun?“ „Wovon wirst du leben?“, „Wo wirst du wohnen?“ oder am allerschlimmsten „Wiiiiiiieeee geht es dir?“.

Wenn ich nämlich antwortete, dass es mir sehr gut ging und alles sich einrenken wird, kamen Einwände. Du musst einen Anwalt haben, du musst schnell aus dem Haus ausziehen, was ist wenn?! WAS IST WENN?!

Der „Was ist wenn…?!“ Mindfuck.

Regel Nr. 1 : wenn du in einer Krise bist, verabschiede dich von Menschen, die den Teufel an die Wand malen. Die dir Gedanken einpflanzen, auf die du selber nie kommen würdest. Geh stattdessen in den Wald und heule dich aus. Danach wirst du wissen, dass wirklich alles gut wird ist.

Einige von euch fragten mich, ob ich um meine Ehe und meinen Mann gekämpft habe. Definitiv NEIN. Ich würde nie kämpfen. Wenn mich jemand nicht in seiner Nähe haben will, um was sollte ich dann kämpfen? Aber es gibt ein ABER.

Vor der Trennung waren wir wie zwei 3-jährige, die nicht miteinander auskamen. Die räumliche Trennung war das Beste, was uns passieren konnte. In einem Haus lebend stritten wir miteinander. Manchmal gab es gute Tage und Wochen, aber dann triggerte uns ein Satz und schon ging es wieder los. Deshalb:

Tipp Nr. 2 : eine räumliche Trennung ist sehr wichtig und nötig! Auch wenn dein Verstand dir 100 Gründe dagegen liefert: Er lügt. Ein Paar, welches sich nicht mehr guttut, muss sich räumlich trennen. Nur so konnte ich mich wieder auf mich besinnen und mein Mann tat das Gleiche. Wir unternahmen wieder Dinge ohne den anderen. Wir trafen alte Freunde und ich schaute mit den Kindern Filme wie Matrix. Im Bett mit Popcorn und der Frage, welche Pille ich schlucken wollte. Die Blaue? Wollte ich im Hamsterrad der Matrix leben oder die Wahrheit kennen? Wollte ich Verantwortung für mein Leben übernehmen? Wolle ich wirklich glauben, dass äußere Umstände (zum Beispiel mein Mann) an dem Ende meiner Ehe Schuld waren oder wollte ich die ERKENNTNIS?

Ratet mal.

Ein offenes Herz

Wenn mein Mann und ich uns – wegen der Kinder – trafen, war es anfangs kein Freudenfest. Aber nach vielen Wochen, als wir uns beide wieder gefangen haben, fingen wir an, ruhig zu reden. Das ging. Es war uns beiden klar, dass die Ehe vorbei war und niemand wollte mehr dem anderen Vorwürfe machen. Wir hatten beide genug. In dieser Zeit merkte ich, dass egal was war und gesagt wurde, ich diesen Mann immer noch liebte. Ich merkte auch, dass sein Herz auch immer noch offen war. Wir haben uns schlimm verletzt, aber da war immer noch eine Verbindung. Versteht man das? Zeit war vergangen und wir haben erkannt, dass wir lieber zusammensein wollten.

Keine Krisen, kein Wachstum

Ich habe schon einige Männer verlassen und wurde auch von so einigen Männern verlassen. Man spürt, wenn es zu Ende ist. Man weiß, wann der andere zu gemacht hat. Manche meinen, dass man um eine gute Beziehung kämpfen sollte. Wenn ein Partner bereits ausgestiegen ist, ist da nichts mehr zu machen. Du wirst in so einer Beziehung nie glücklich sein können. Denn dieser Partner wird dich nie wertschätzen, bestärken, dich respektvoll behandeln und dir keine uneingeschränkte Liebe schenken. Wenn ein Herz zu ist, wirst du es fühlen und dann gehst du. In deinem Tempo, nicht alle können einen anderen Menschen, Träume und Liebe schnell loslassen. Aber Stück für Stück. 

Wir haben nach unserer räumlichen Trennung geredet. Wir saßen uns gegenüber und erst durfte er so lange reden, wie er wollte und dann ich. Oder umgekehrt. Wir sahen uns an, einer redete und der andere hörte zu. Wir haben alles Gesagte ausgehalten und einfach nur mal zugehört. Ich habe gelernt, nicht alles auf mich zu beziehen. So haben wir unser Verhalten reflektiert.

Warum triggern mich manche Sachen, die er sagt und tut?

Heute sehe ich vieles klarer. Ich weiß, dass wenn ich mich selber liebe, es auch mit meinem Partner klappen wird. Früher sah ich mich mehr in der Opferstellung. Ich habe verstanden, dass es immer um die Liebe zu mir selbst geht, dass das Fehlen davon der Ursprung aller Krisen war. Und allem voran: Ich habe meinen Mann aus meinen Erwartungen befreit.

Heute haben wir gemeinsame Visionen. Wir lachen über uns, wenn wir wieder so tun, als ob wir 3 Jahre alt wären und wir vergeben uns. Ich habe meinem Mann heute nichts vorzuwerfen. Wir wollen, dass der andere blüht.

Eine glückliche Beziehung ist unser Geburtsrecht. Kannst du deinen Partner so annehmen, wie er ist, oder hoffst du, dass er sich bessert ändert? Kannst du akzeptieren, dass ihr verschieden seid? Und dass niemand besser, niemand schlechter ist?

Ich weiß, dass ich das Thema hier nur sehr kurz anreißen kann und dass es viele Schattierungen gibt. So viele wahrscheinlich, wie es Menschen auf dieser Welt gibt.

Und heute? Es ist ok, wenn ich meinen Mann so richtig scheiße finde. Oder er mich. Ich mag es zwar nicht, aber es ist ok, wenn seine Vibes mal mies sind. Oder meine. Ich höre zu, wenn er mir mal einen Vorwurf macht. Oder ich ihm. Wir müssen uns nicht immer gut finden, immer vorbehaltlos lieben, bestärken, feiern und wertschätzen. Würde ich das voraussetzen, würde ich einen Teil seiner Seele nicht akzeptieren, ihn nicht akzeptieren. Ich lebe mit einem lebendigen Menschen zusammen und Menschen haben Gefühle. Aber Wertschätzung, Respekt und Liebe ist trotzdem der Grundstein unserer Ehe. Auch wenn der Alltag manchmal ganz anders aussieht. Es ist ok.

Unsere Ehekrise war nur der Anfang. Seitdem haben wir viele Krisen gehabt. Wenn du meinst, dass du deinen Mann gut kennst, wenn du denkst, dass ihr gerade eine richtig gute Beziehung habt, kommt irgendwas anderes auf den Tisch. Und die Karten werden wieder neu gemischt. Darauf kannst du dich immer verlassen.

Shine now and love yourself first,

Doro

8 Kommentare

  1. Ilka Meyer
    26. September 2019 / 3:37 pm

    Liebe Doro,
    ich lese Ihren Blog schon länger und normalerweise kommentiere ich nicht.
    Heute sind mir die Tränen über‘s Gesicht gelaufen…Den Grund dafür kann man sich vielleicht vorstellen.
    Jedenfalls danke für die offenen Worte.
    Bleiben Sie glücklich,
    LG ilka

    • Dorota
      Autor
      26. September 2019 / 3:54 pm

      Liebe Ilka,
      der Kommentar trifft mich jetzt – peng – voll ins Herz.
      Danke dafür!
      Sending Love,
      Doro

  2. Anna
    26. September 2019 / 7:04 pm

    Uwielbiam czytac Twoje posty. Potrafisz pieknie wyrazac mysli i uczucia. Twoje dylematy malzenskie czytam z duzym zainteresowaniem. Dobrze, ze dzielisz sie tymi przemysleniami z innymi. W tym instagramowym swiecie mozna miec wrazenie, ze wszystkie zwiazki to bajki i tylko wyjatki przechodza kryzysy, bo wiele o nich nie mowi. Szkoda, bo z tych opowiesci tez moznaby sie od siebie nawzajem nauczyc! Duzo milosci dla Was razem i kazdego z osobna.

  3. Jutta Metzler
    29. September 2019 / 8:02 pm

    Liebe Doro,
    ich sag einfach mal „du“, denn ich lese deinen Blog schon lange sehr gerne. Und ich lese kaum Blogs. Aber deinen. Du bist cool, du schreibst einfach klasse, du scheinst mir authentisch, offen, und das, was du hier schreibst, ist so unfassbar viel Wahrheit. Du schreibst mir aus dem Herzen. Ich habe mich nach einer langen Beziehung anders entschieden. Macht mich aufs Neue nachdenklich, was du schreibst. Das Leben ist Lernen. Und hoffentlich immer auch ein gutes Stück Leichtigkeit. Einfach mal danke. Für das, was du schreibst. Und für deinen Blog.

    • Dorota
      Autor
      2. Oktober 2019 / 2:01 pm

      Danke liebe Jutta!
      Und ja, wir sind auf dieser Welt, um unsere Lektionen zu lernen, das sehe ich genauso. Und wenn wir immer die gleichen Fehler machen, müssen wir die Lektion wiederholen 😉
      Liebste Grüße!
      Doro

  4. 2. Oktober 2019 / 1:12 pm

    Hallo Doro,
    jedes Wort kann ich nur mit einem Nicken und einer kurzen Einwirksamkeit zustimmen. Es ist harte Arbeit, und man muss sich auf die harte Arbeit einlassen. Insbesondere wenn in der Partnerschaft beide stur sind, und auf das Recht beharrt. Danke für deine ehrlichen Worte und das Du uns die Möglichkeit gibts, dich besser zu verstehen!
    Ganz liebe Grüße, Karoline 🙂

    • Dorota
      Autor
      2. Oktober 2019 / 2:00 pm

      Liebe Karoline,
      Dankeschön für deine lieben Worte!
      Eins möchte ich aber noch sagen: Ich finde nicht, dass eine Partnerschaft „harte Arbeit“ ist. Es ist eine Entwicklung, aber das macht doch Spaß. Man darf sich nur nicht zu ernst nehmen! Partnerschaft ist Liebe. Sobald eine Beziehung sich wie harte Arbeit anfühlt, würde ich gehen. Dann lieber alleine sein.
      Liebste Grüße,
      Doro

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