Gesucht: Social Media Projektmanager/ In

Am 02. Mai wachte ich um 6.26 Uhr auf, ich stand auf, kochte Haferflocken und einen Birne-Karamell Tee für Luke, der zur nullten Stunde in der Schule sein musste und legte mich dann wieder hin. Es war 6.45 und ich hatte noch 15 Minuten, bevor ich eine Banane schneiden, Lian wecken und Milch für sein Müsli erwärmen wollte. Um 7.12 lag ich wieder im Bett, ich fühlte mich so unsagbar müde.

Um 7.37 schickte ich aus dem Bett eine WhatsApp-Nachricht an Lian, in der ich ihm die Uhrzeit mitteilte und ihn bat, sich die Zähne zu putzen. Er kam zu mir ins Schlafzimmer, sprang mit Anlauf zu mir ins Bett und leider auf meinen Mann, der mit einem lauten, schmerzhaften Schrei wach wurde. Kurz zur Info: Mein Mann ist erkältet und nachdem er letzte Woche hustend und schniefend arbeiten ging, bleibt er nun zu Hause und hustet ins Ehebett.

Letzte Woche. Ich: Du bist viel zu krank, um arbeiten zu gehen, bleib zu Hause! Er: Hör auf, mir Druck zu machen! Ich gehe!

Diese Woche. Ich: Gehst du nicht arbeiten? Er: Nein, es hat mich voll erwischt. Ich: Könntest du einen Mundschutz tragen? Weil wehe du steckst mich an.

Ehefrauen sind so anstrengend.

Lian sprang also auf meinen Mann, der schrie und Lian die Lust auf Kuscheln mit Mama (Mama kuschelt, er wehrt sich) nahm und sich freiwillig die Zähne putzte. Um 7.48 verließ Lian das Haus während meine Müdigkeit blieb. Wurde ich etwa auch krank? Ich checkte Hals, Nasen und Ohren auf Ungereimtheiten. Nein. Die Symptome: Ich war schlapp und mir war alles zu viel.

Was ich vergessen zu erwähnen habe ist, dass ich um 6.30 Uhr mein Instagram aufgemacht habe, um als erstes einen Kommentar zu lesen, den eine fremde, liebe Frau unter meinem letzten Post hinterlassen hat. Es war ein längerer Kommentar und so schaute ich mir ihr Profil an, ich las einige der Kommentare, die sie bekommen hat und ich klickte sogar auf ihren Blog. Geliked habe ich nichts, mir hat nämlich noch nichts gefallen, um 6.31 Uhr am Morgen bin ich noch nicht in der Verfassung für Likes, das Instagram-Niveau und Sätze wie „Du siehst super aus, Liebes, hab einen schönen Tag, du Schöne.“

Mein Hirn fühlte sich wie in Watte gepackt an und irgendwo sagte eine Stimme immer wieder „Nein, nein, nein“ und ich wusste, es ist wieder soweit, denn es war eine Stimme in meinem eigenen Kopf, die das von sich gab. Also bereitete ich schlapp meinen Kindern ihr Frühstück zu, während ich mir eigentlich die ganze Zeit mental die Decke über den Kopf gezogen habe.

Für den Fall, dass ihr denkt, dass ich jetzt völlig duschgeknallt bin, weil ihr kein Wort versteht: Es ist wieder soweit, Instagram macht mich schlapp. Nicht so schön ausgepowert schlapp, wie man sich nach einer guten Yogastunde oder Sex fühlt (wobei ich das vielleicht bald vergesse, wie man sich nach Sex fühlt, weil mein Lover auch schlapp macht ins Ehebett hustet), sondern 4 Buchstaben lang schlapp: leer.

Für den Fall, dass jemand kein Instagram hat und nicht weiß, wie die App funktioniert, hier die Erklärung. Möchtest du bei Instagram erfolgreich sein, musst du Klinken putzen. Wobei das vielen sogar großen Spaß macht (man denke an Menschen, die im Außendienst arbeiten), aber ich habe noch nie gerne geputzt (oder im Außendienst gearbeitet), auch nicht, wenn das Putzmittel nach Veilchen roch. Der Erfolg bei Instagram hängt heute (Anmerkung: Früher war es einfacher) davon ab, wie viele Likes und Kommentare du verteilst und wie viele Stunden lang du das täglich tust. Ich kenne Männer und Frauen, die mindestens 8 Stunden lang am Tag die App bedienen und fremden Menschen einen lieben Kommentar wie „Das hört sich ja so interessant an“ hinterlassen, wenn diese in der Badewanne liegend für Bifi Werbung machen.

Alles in mir wehrt sich dagegen, zu viele Kommentare und zu viele Likes zu hinterlassen. Nehme ich mich zu wichtig, halte ich mich für was Besseres? Ich wünschte, ich könnte es wie einen Teil meines Jobs sehen, ich meine, niemand hat früher im Büro gern die Ablage gemacht, aber es musste eben getan werden. Wobei dieser Vergleich selbst in meinem in Watte gepackten Hirn hinkt, denn Ablage hatte nichts mit Klinken putzen zu tun. Und ich musste auch nicht faken, dass ich Ablage interessant fand.

Instagram ist eine schöne Social Media App, nur das, was Menschen – wie zum Beispiel ich – gerade daraus machen, ist nervig. Wenn du heute keine Klinken putzt, fällst du nicht auf und wirst keine 10-50 neuen Follower am Tag bekommen. Eigentlich wird dein Account nur im langsamsten Schneckentempo wachsen, was eigentlich völlig egal ist. Doof nur, wenn Instagram Teil deines Jobs ist. Traffic und die Engagement Rate sind das ultimative Ziel. Auf sachlicher Ebene erklärt bedeutet das, dass dein Account ohne Eigenwerbung auf Instagram nicht lange überleben wird.

Also nehme ich mir immer wieder vor, andere Accounts zu besuchen um meinen zu pushen nicht so engstirnig zu sein, mich zusammenzureißen, Instagram nicht so wichtig zu nehmen und einfach jedem etwas Positives unter sein Bild zu schreiben. Was ja eigentlich schrecklich schön ist! Du löst für einige Sekunden in anderen Menschen das warme Gefühl aus, gemocht und gesehen zu werden.

Was mich daran stört, ist der Hintergedanke, den ich habe, denn Liebe mit Hintergedanken zu verteilen ist mies. Und fies. Da mache ich schnell schlapp. Und dann habe ich wieder Stimmen im Kopf, die Nein, Nein, Nein sagen.

Ich mag nicht behaupten, dass alle, die viel kommentieren und liken, Hintergedanken haben, das ist nicht so. Das ist nur mein eigenes, beschissenes, mieses, gespiegeltes Weltbild, denn ich habe diese Hintergedanken dabei. Ich möchte nur Liebe ohne Hintergedanken verteilen, wenn ich meine Lieblingsaccounts und Garance Doré besuche.

Aber schauen wir uns den Kommentar der Frau von heute morgen genauer an. Es war ein langer Kommentar (mein Hirn der Hintergedanken sagt: Klar, ein langer Text fällt eher auf, als ein Herz-Emoji), er war persönlich (noch mehr Aufmerksamkeit) und er wird sicherlich auch meinen Followern auffallen und einige davon werden das Profil der Frau besuchen (Bingo, läuft). Sicherlich werden ihr einige Mädels folgen und schon hat es sich gelohnt, diesen persönlichen Kommentar bei mir zu hinerlassen. Und dass es sich lohnt, habe ich für euch getestet.

Bevor ich mich für heute verabschiede, eine kurze Anmerkung. Wenn du mir gerade am liebsten einen Kommentar ohne Liebe dalassen würdest, weil dich mein Post so aufregt, dass es gongt und du nicht weißt, woher das kommt: Das kann ich dir nicht beantworten „Liebes“, das musst du selber herausfinden.

Wenn du gar nicht weißt, was ich mit diesem Post sagen will, denn Instagram macht einfach nur unglaublich viel Spaß: Schreib mir eine Mail und ich werde dich als meine Social Media Projektmanagerin engagieren. Während du mein Instagram voller Freude und ohne Hintergedanken bedienst, putze ich freiwillig das Haus, räume den Speicher auf und mache meine Ablage Buchhaltung. Full of love and affection.

Das meine ich wirklich erst.

Shine now,

Doro

Mein Top: H&M (Affiliatelink)

3 Kommentare

  1. 3. Mai 2019 / 6:21 pm

    Oh meine Liebe, Du sprichst mir so sehr aus der Seele! Ich will bzw. muss mein Insta seit immer wieder pushen, aber eben auf diese lästige Klinkenputzerei habe ich auch keine Lust. Und ich habe nur 1.270 Follower! Das geht eigentlich gar nicht für einen Blogger … aber auch ich finde immer wieder wichtigere Dinge, als mind. 1 Stunde am Tag nur Insta zu bedienen. Aber ich versuche mich immer wieder zu movtivieren, es HEUTE endlich mal richtig anzugehen und ab HEUTE endlich mal richtig viel zu liken und zu kommentieren. Ich hoffe doch sehr, dass wenn HEUTE dann endlich mal kommt, ich auch mit mehr Follower belohnt werde :-P.
    Kiss und danke für Deine Ehrlichkeit uns als Deinen Lesern ggü.! You are real, Babe.
    Kathrin
    https://addictedtofashionbykathrin.de
    P.S.: Gute Besserung an Deinen Mann. Meiner wollte eben im Ernst ohne Jacke losziehen. Ich habe mich zwar wie meine Schwiegermutter gefühlt, als ich sie ihm hingehalten habe, aber ich habe keine Lust auf Ehegatten-Husten. Fühle mit Dir 😉

  2. 4. Mai 2019 / 7:22 pm

    Hi Doro!

    Ich bin ganz bei Dir. Fast jeden Tag hinterfrage ich die oberflächliche Social-Media-Welt. Will alles hinschmeißen und mich nur noch den schönen Dingen im Leben widmen. Mein Insta stagniert seit langer, langer Zeit…und irgendwie fühle ich mich von all dem, was auf dieser App passiert schlapp und ausgepowert….aber dann denke ich an meine Philosophie: „Jammern ist nicht sexy“ und mache weiter, obwohl es mich nervt, dieses gibst Du mir ein Like, dann bekommst Du ein Like zurück. Aber auch ich habe, genau wie Du, noch nicht wirklich eine Lösung gefunden. Mit einer Social-Media-Projektmanagerin habe ich es bereits versucht aber das verschlingt enorm viel Geld und im Prinzip bringt es auch nicht wirklich viel. Schau Dir meine Stagnation an! Ich habe also keinen Rat, weder für mich, noch für Dich. Und nu??? Wollen wir einen virtuellen Stammtisch gründen???

    Herzallerliebst Deine Heppi

    • Dorota
      Autor
      4. Mai 2019 / 7:29 pm

      Nichts gebracht?! Oha, ich sichte gerade meine Bewerbungen. Bin bei dem Stammtisch sofort dabei. Am liebsten live, warum wohnst du so weit weg!

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