Verurteilst du mich, verurteile ich dich

Es ist das Jahr 2019, aber es gibt immer noch so viele Sachen die der Jahreszahl nicht würdig sind. Bei denen man denken könnte, wir leben kurz vor Christus. Es kann doch zum Beispiel nicht sein, dass wir über unsere Periode nicht offen reden können. Tampons werden unter Frauen immer noch manchmal wie Heroin herumgereicht. Hast du mal einen Tampon? Pssst. Dabei weiß jeder Bescheid, jeder weiß – auch jeder Mann – was das ist. Wir haben in unseren Büros Lippenstifte und Handcremes auf dem Schreibtisch liegen, aber der Tampon liegt meist in der Schublade.

Tell me something´girls. Are you happy in this modern world? Or do you need more?

Sarah Connor hat ein neues Lied, mit dem Namen „Vincent“. Ihr Song ist inspiriert von einem Gespräch mit der Mutter eines Teenagers, der sich als homosexuell outete. Sie sagt, es hätte sie sehr berührt, denn sie weiß, wie viel Mut und Selbstvertrauen es einen Jungen mitten in der Pubertät, auf der Suche nach Identität, kosten muss, so offen zu sich und seinen Gefühlen zu stehen.

Good Vibes Only - Verurteilt du mich, verurteile ich dich

Stimmt, da hat sie völlig recht, Hut ab vor diesem Jungen. Er hat bestimmt eine gute Basis und ein starkes Elternhaus, weil es heute immer noch ein Thema ist, homosexuell zu sein. Dabei ist es doch Nobody´s Business, welche sexuellen Neigungen Menschen haben. Jeder soll, wie er mag, wie oft und mit wem. Das ist für mich genauso uninteressant, wie die Unterhosen, die andere Menschen tragen. Oder Socken. Trägt die Frau String oder trägt sie Liebestöter? Ist doch auch total egal.

Wichtig ist, ob ein Mensch, ein guter Mensch ist. Aber welche sexuelle Neigung man hat, dürfte überhaupt nicht wichtig sein. Ich wünschte, dieses Thema würde langsam aber sicher keine Plattform mehr haben. Das Wort Toleranz oder Akzeptanz dürfte mit der sexuellen Neigung eines Menschen überhaupt nicht genannt werden. Schon eher mit Menschen, die Homosexuelle ablehnen. Karl-Heinz hat was gegen Lesben, ja so ist er, versuchen wir seine Meinung zu tolerieren.

Don´t swim in the shallow end

Ähnlich verwerflich ist es mit Frauen, die keine Kinder kriegen wollen. Oder mit Frauen, die Single und happy sind. Wenn eine Frau keine Familie gründen will  und sich für die Karriere entscheidet. Oder wenn sie nur Mutter und Hausfrau sein will. Wegen irgendwas muss sich jemand immer erklären. Ist doch total egal, ob ich studierte Innenarchitektin bin oder Hausfrau, die gerne Wäsche bügelt. Oder putzt. 

Viele Frauen sagen, dass sich Männer für nur ungefähr die Hälfte der Sachen rechtfertigen müssen, für die Frauen immer noch täglich Rede und Antwort stehen. Wenn ein Mann mit 45 keine Kinder hat und will, ist das kein Thema. Ein Mann kriegt dafür keinen frechen Kommentar oder Blick. Und ich wette, auch hinter dem Rücken dieses Mannes wird niemand ein Wort darüber verlieren. Vielleicht hat mal jemand etwas wie „Ja, schade“ gesagt, aber das glaube ich noch nicht mal. 

Judge nothing, love everything

Aber haben Männer es wirklich besser? Ich will darüber nicht urteilen, sie haben einfach nur andere Sachen, die auf ihren Schultern lasten. Versuch mal als Mann öffentlich zu weinen oder Hausmann zu sein. Oder Tänzer. Männer müssen höher, schneller, weiter. Ist bestimmt auch nicht immer schön. Und wenn du als älterer Mann einer jüngeren Frau hinterher guckst, bist du direkt ein Perversling, dabei ist es die Natur des Mannes, an Sex zu denken. 

„Heute habe ich deinen Post über die selbstbewussten Göttinnen gelesen. Finde es herrlich, dass so hübsche Frauen endlich wieder anders mit dem Thema Weiblichkeit umgehen. Ich selbst bin Jahrgang 54 und damit leider auch schon in einem Alter, in dem es schwierig geworden ist, adäquat mit dem Thema umzugehen. Denn inzwischen kommt dieses ebenso stereotype „geiler alter Bock“, wenn man mal irgendwo mit den Augen zu lange verweilt.“

Mit den Worten aus einer E-Mail eines Mannes, verabschiede ich mich für heute von euch. Toleranz und Akzeptanz bekommen alle Menschen, die andere verurteilen. Wobei ich selber hier aufpassen muss, nicht die zu verurteilen, die andere verurteilen. Womöglich finde ich mich noch toll dabei, weil ich ja so ein guter Mensch bin und mein Grund ja auch so ein guter Grund zum Verurteilen ist! Denn ich verurteile zum Beispiel Donald Trump! Und die, die mich verurteilen, klar. Die sind ja auch alle doof.

Aber am Ende, verurteile ich genau so wie die, die Homosexuelle, Unverheiratete, Kinderlose oder Frauen mit Tampons auf dem Schreibtisch verurteilen. Egal wie man es dreht, die Erde ist nun mal eine Kugel und alles am anderen Ende miteinander verbunden. Aus welchem Grund man verurteilt, der Knackpunkt ist, dass man verurteilt. Lassen wir es bald sein? Bitte!

Euch allen, ob homosexuell oder nicht, Mann oder Frau,  black, yellow, red or white, wünsche ich eine schöne Woche, voller guten Vibes!

Photo by MARK ADRIANE on Unsplash

4 Kommentare

  1. 8. April 2019 / 8:19 pm

    Also langsam wird mir das fast ein bisschen unheimlich, wie oft Du über Dinge schreibst, die mich auch beschäftigen ;-). Heute morgen habe ich mich nämlich gefragt, warum uns Frauen unsere Periode immer so peinlich ist. Dieselbige hat mich nämlich in den frühen Morgenstunden schlimm heimgesucht und während ich mein Survivalkit für den Tag zusammenstellte, kam mir der Gedanke. Das ist genau so, wie die meisten Kerle offen über Prostataprobleme reden „Boah, muss ich nachts oft raus, voll nervig“, aber wenn eine Frau eine klitzekleine Zyste an der Gebärmutter entfernt bekommt muss, flüstert sie das Wort „Gebärmutter“ so, als würde sie „Bombe“ in einem Flugzeug sagen. Verrückte Welt.
    Kisses Kathrin
    https://addictedtofashionbykathrin.de

    • Dorota
      Autor
      8. April 2019 / 8:26 pm

      Haha das mit der Bombe im Flugzeug finde ich gut 😂 Liebste Grüße!

  2. Ela
    9. April 2019 / 1:32 pm

    Liebe Doro,
    stimmt… Über das Thema „Verurteilen“ oder „Vor-urteilen“ (geiles Wortspiel ;-)) habe ich auch am Wochenende viel nachgedacht. Ich war auf einem Seminar, das emotionale Kompetenz und solche Sachen behandelte. Und am Anfang sollten wir zwei uns unbekannte Teilnehmer nach dem ersten Eindruck, den sie bei uns hinterlassen haben, einschätzen. Am Ende haben wir dann über diese Eindrücke gesprochen. Über das Schubladen-Denken und ob man den Leuten die Chance gibt, den ersten Eindruck zu revidieren. Eine Teilnehmerin hielt mich am Anfang für eine „arrogante Bitch“… Mann, war ich erschrocken… Zwar hat sie ihre Meinung über mich geändert, aber wie oft sind wir nicht gerade auf einem Seminar, das uns für solche Themen sensibel macht. Und sehen und ver- /vorurteilen viel zu schnell!
    Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr so schnell in eine Schublade zu stecken. Und wenn: macht sie wieder auf und denkt nochmal drüber nach!!! UnsereMitmenschen können wir eh nicht ändern. Unsere Einstellung ihnen gegenüber aber schon…
    Macht es uns im Leben auch manchmal leichter!
    Ganz liebe Grüße Ela

    • Dorota
      Autor
      9. April 2019 / 1:37 pm

      So schön geschrieben liebe Ela! Und was für ein geiles Seminar, warum hast du mich nicht mitgenommen? 😘😘😘♥️

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