Fake-Welt auf Instagram: reich, schön und fame

Nervt euch die Fake-Welt auf Instagram? Dann erinnert euch, wer für euer Glück zuständig ist.

Fake Love. Eine Bekannte bat mich letztens, ihr zu erklären, wie Instagram funktioniert, sie hatte sich die App ganz neu auf ihr Handy geladen, bis dahin hatte sie Facebook als Social Media Kanal genutzt. Sie sagte, sie wurde dazu genötigt, alle hätten ihr gesagt, dass Facebook out ist und sie will ja nicht auch out sein, ne. Verstehe ich. Aber: du kennst Instagram noch nicht? Du Glückliche.

Fake-Welt auf Instagram - die Wahrheit über die Scheinwelt

Am liebsten hätte ich ihr gesagt, dass sie es lassen soll, aber was soll ich mich einmischen. Ich habe ihr gezeigt, wo die Einstellungen sind und wie sie liken kann. Ich habe weder den Algorhytmus, noch irgendwelche Bots, noch Follower-Kauf erwähnt. Und auch nichts davon gesagt, dass Instagram sich zu einer Dopamin-Schleuder entwickeln kann, wenn man nicht aufpasst. Oder dass man FOMO entwickeln könnte, aber wie gesagt, ich wollte sie nicht kirre machen.

Meine Meinung zu Instagram? Es ist das Tor zur Welt. Ich kann immer nachsehen, wer sich so auf dem Abbott Kinney Blvd rumtreibt, ich entdecke Food-Trends oder Taschen-Trends. Und zwar Monate, bevor sie in der InStyle als Must-Have angepriesen werden. Ich kann mich mit anderen Menschen vernetzen und sogar Freundschaften sind schon über Instagram entstanden. Irre, oder?

Fake-Welt auf Instagram: 50 Bilder für einen sogenannten Schnappschuss

Eine Frage. Nur mal so: Will und muss ich überhaupt wissen, wer gerade in Los Angeles einen koffeinfreien Latte mit Mandelmilch trinkt? Was interessiert es mich, wie andere Menschen wohnen? Wieso drehe ich eigentlich eine Story, wenn ich morgens im Wald laufe? Und was habe ich davon, wenn mir 500 – meist völlig fremde – Menschen einen Like oder einen Kommentar hinterlassen? Ich meine, was habe ich persönlich davon?

Kommentargruppen, Bildbearbeitung und Fake-Follower 

Rückblende Sommer 2017. Da beschloss ich, mehr Follower zu wollen. Wie das geht? Wenn du keine Follower kaufen willst, musst du dich “herumtreiben”. So nenne ich es, man muss virtuell Klinken putzen. Und ich meine, selbst Madonna hat in den 80er Jahren überall ihre Demo-Tapes verteilt und Spuren hinterlassen, also ist nichts dabei. Also treibe ich mich herum, ein guter Freund – mit 30 K – hat mir erklärt, was zu tun ist (ihm haben es übrigens seine Kinder erklärt). Fremde Accounts – die zu deinem passen – besuchen, einen netten, langen Kommentar hinterlassen, liken. Und so ganz leise und fein auf dich aufmerksam machen. Aka Bot spielen. Für mehr Likes und Kommentare gibt es übrigens (schon lange, aber nur für Eingeweihte) Kommentargruppen (auch Supporter Gruppen genannt), in denen man aktiv sein kann, so kommt man noch schneller an 200 Kommentare und 2000 Likes unter einem Post.

Die Wahrheit hinter neuen Followern auf Instagram

Ich legte los, mindestens eine Stunde am Tag trieb ich mich in der Fake-Welt auf Instagram herum. Ich schoss zu viele Bilder, ich bearbeitete sie. Makellos, hell und schön mussten sei sein. Warum ich es tat, weiß ich selber nicht. Vielleicht, weil ich es als Diskriminierung empfand, keine “Swipe up” Funktion zu haben. Vielleicht, weil ich sehen wollte, ob es klappt. Und es klappte. Bei  knapp über 10 K hörte ich auf, mich rumzutreiben, ich war erschöpft. War ich glücklicher? Als ob. Bilanz: Innerhalb von einem halben Jahr, bekam ich über 5.000 neue Follower (für meine ersten 5.000 Follower – ohne Herumtreiben – habe ich mehrere Jahre gebraucht). Und die “Swipe up” Funktion gab es als Cherry on … obendrauf.

War es schön? Nein, das war es ehrlich gesagt nicht. Ein leises Gefühl sagte, ich würde meine Lebenszeit verschwenden. Zu viel Handy, zu viel Dopamin. Hat sich etwas geändert? Du meinst, außer der “Swipe up” Funktion?

Mal sehen. Das Gefühl ist das gleiche, ob 5.000 oder 10.000 Follower (kann jemand bitte ein neues Wort für Follower erfinden?). Ansonsten packte ich mir irgendwann gedanklich an den Kopf und dachte: sag mal, was tust du da eigentlich Doro?

Trotzdem war es nicht ganz so schlecht. Oder umsonst. Momentan ist da ganz viel Dankbarkeit dafür, dass ich mich nicht mehr herumtreiben möchte. Dankbarkeit, dass ich morgens nicht als Erstes an mein Handy gehe. Und Dankbarkeit dafür, dass ich manchmal gar nicht weiß, wo das Handy liegt. Aus all der Dankbarkeit habe ich übrigens auch die Push-Benachrichtigungen von Instagram abgestellt.

Berühmt, reich und schön. 

Klarheit gab es auch. Dafür, dass ich Instagram als das sehe, was es ist. Eine Inszenierung, so wie ein Film im Kino. Ich meine, als Ethan Hunt in Mission Impossible die Welt rettet, wissen wir, dass es nicht realistisch ist. Merke: die Fake-Welt auf Instagram ist real. Also nicht wahr. Und wenn die App morgen verschwindet, sind wir alle keine Models mehr.

Ein Aufruf: Hören wir auf, unsere Lebenszeit dafür zu verschwenden, fremde Menschen beeindrucken zu wollen und lesen einfach wieder Bücher. Oder Blogs. 

Ernsthaft? Investieren wir wieder in uns selbst und nicht in eine #fake #welt. Selbstwert, Freiheit, Liebe und Authentizität werden wir niemals Online finden – sondern nur in uns selbst. Trotzdem mag ich Instagram. Es gibt da eine kleine Gruppe von Frauen, mit denen ich dort gerne in Verbindung bin. Die mir ähnlich sind, die mich inspirieren und ich sie, echter Austausch und echte Kommunikation. Die auf das heimliche “nur perfekt ist gut genug”- Fake-Welt auf Instagram Motto nichts geben.

Ich lasse mich auch selber gerne inspirieren. Oder inspiriere andere. Das ist schon toll. Nur nicht 6 Stunden lang am Tag.  

Wusstet ihr eigentlich, dass mir der Account von Veronica Ferres neuerdings folgt? Ja, da bin ich. Zwischen Julia Roberts und Andie MacDowell. Ich meine, das ist toll, ich mag sie und bin ihr ebenfalls gefolgt (seht ihr, so geht das) (mein drittes Auge fängt an zu zucken).

Meint ihr, die schöne Ferres treibt sich herum?

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8 Kommentare

  1. Nicole-Beatrice
    20. September 2018 / 1:04 pm

    Sehr wahre Worte! Ich lese deinen Blog “stumm” schon seit Jahren…und habe noch nie hier was kommentiert. Bei Insta bin ich seit einem Jahr (…und ich hatte nie einen Facebook-Account – konnte also nicht out sein…lach) und was habe ich da schon wildfremde Stories kommentiert und geliked – aber immer auch ehrlich, weil sie mich ansprachen. Man muss dieser teilweise befremdlichen Welt mit dem richtigen “Fake-Realismus”(cooles Wort, ne?) gegenübertreten. Ich denke jedoch, dass viele jüngere User das nicht einschätzen können….da verwischen Fake und Realität. Wie sonst konnte das eine Jenner-Kardashian-Mädel (ist es Kylie oder Kendall) mit 21 Milliardärin werden? Shine on liebe Doro.

    • Dorota
      Autor
      20. September 2018 / 1:18 pm

      Wie schön, dass du endlich kommentierst! Freue mich immer so sehr über die Stillen, die sich plötzlich zeigen ❤️ Liebste Grüße!

  2. Pet
    20. September 2018 / 10:05 pm

    Liebe Dorota, ich bin nur “Blog-Follower”. Und bin immer wieder froh über ehrliche und inspirierende Beiträge. Facebook, Instagram und Twitter sind mir zu offen und zu anstrengend. Ich habe einige Seiten von tollen Frauen in meinen Favoriten auf dem Handy. Da freue ich mich jedesmal in einer ruhigen Minute beim Kaffee die eine oder andere Seite zu besuchen. An deiner Seite schätze ich sehr die tollen Beiträge und deine wunderbare Art auch über nicht so schöne Dinge zu schreiben. Deine Seite bleibt in meinen Favoriten ☺. Mach weiter so. Ich freue mich auf neue Blogposts, die meinen Kopf und mein Herz ein bisschen bunter machen. Liebe Grüße Pet

    • Dorota
      Autor
      20. September 2018 / 10:08 pm

      Wie schön liebe Pet, genau das ist mein Vorsatz! Ich freue mich riesig über deinen Kommentar, liebe Grüße zurück!

  3. Kerstin
    21. September 2018 / 8:25 am

    Wunderbar geschrieben und kann ich genauso unterschreiben. Ich hatte vorher nie Facebook und hatte irgendwann mal mit Instagram angefangen. Und es wurde leider zur Sucht. Ich fing an, mich auch “rumzutrieben” um mehr Follower und Likes zu bekommen. Mein Mann ist bald durchgedreht. Irgendwann bin ich aufgewacht und dachte, was soll der ganze Scheiß? Was bringt es dir persönlich? Außer Zeitverschwendung? Muss von überall ein Foto gepostet werden? Ich habe es deutlich reduziert. Ich verliere dadurch Follower und bekomme nicht mehr so viel Likes. Am Anfang habe ich mich gefragt, was ich falsch mache. Aber mittlerweile ist es mir egal. Ich nutze meine Zeit mehr im realen Leben. Sehe mir die Momente im relaen Leben an und genieße und bin nicht darauf bedacht, ein gutes Foto zu schießen. Habe ich Lust, mache ich es und wenn nicht, dann eben nicht. Aber ganz aufgeben kann ich es noch nicht. Es sind wie bei dir auch sehr nette Kontakte entstanden und …ein wenig neugierig bin ich auch 🙂
    Dein Blog mag ich sehr, auch wenn ich seeehr selten kommentiere. ich liebe deine Art zu schreiben, die positiven und auch die negativen. Es gibt nicht immer nur die Sonnenseiten im Leben. Aber die positive Art, wie du es meistert, inspiriert mich.

    • Dorota
      Autor
      21. September 2018 / 8:30 am

      Danke liebe Kerstin, ich freue mich riesig, dass du endlich kommentiert hast, haha, manchmal ist so ein Blog ja recht einsam. Aber dann denke ich nach und liebe solche Kommentare einfach viel mehr, als manche schnell getippte Emoji-Kommentare von Instagram. Und warte gerne darauf! Liebste Grüße, hab ein schönes Wochenende!

  4. Ela
    24. September 2018 / 10:16 am

    Liebe Doro,
    so wahre Worte… 😉
    Klar sind wir mit den tollen Filtern auf Insta schöner denn je… Aber wenn wir genau hinsehen, sind wir das auch ohne “Valencia” und wie die Dinger heissen und strahlen doch von innen heraus – an manchen Tagen mehr und an anderen weniger.
    DAFÜR SIND WIR ABER REAL !!!
    Ich schreibe hier nur selten Kommentare, lese aber sehr gerne deinen Blog und schaue auch gerne Deine Bilder an.
    Und das vor allem, weil ich mich in so vielen Deiner Aussagen wiederfinde! So auch in diesem Beitrag!
    Wir strahlen doch auch ohne zig Follower, und das auch noch nach der “bösen” 40! An manchen Tagen ist sie auch gar nicht so böse, und an anderen könnten wir sie in die Tonne hauen…
    Mach weiter so! Einen wundervollen Start in die Woche wünsche ich Dir!
    Ela

    • Dorota
      Autor
      24. September 2018 / 10:19 am

      Danke liebe Ela, deine Worte sind auch soooo wahr! P.S. Ich freue mich immer sehr, wenn ich lese, warum ihr meinem Blog lest. Dann weiß ich, warum ich das tue, denn ich schreibe diesen Blog ja nicht für mich, sondern für euch! Danke so sehr! Liebste Grüße, Doro

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