Meine Food Trends und Superfoods

Freitag, 20. Oktober 2017

Lifestyle Blog über 40


Ab und zu gönne ich mir gerne einen Earl Grey Tee. Es ist ein schwarzer Tee und Schwarztee hat jetzt nicht gerade den besten Ruf. Wobei... als ich ein kleines Mädchen war, lebte ich in Polen. Dort war es normal, auch Kindern schwarzen Tee zu trinken zu geben. Ich bin sozusagen mit schwarzem Tee aufgewachsen. Meine Mutter presste etwas Zitrone rein und süßte mit Zucker. Weißem Kristallzucker. 

OMG! Wie habe ich Schwarztee mit Zucker überhaupt überlebt?!


OMG!
Ich weiß es nicht! Und es geht noch weiter!

Achtung: ich aß als Kind auch so einige Kohlehydrate wie Kartoffeln und Brot. Hmmmmm, Brot herzhaft (also mit Butter und Salz) oder Brot süß (mit Butter und Zucker) gab mir meine Oma, wenn ich Hunger hatte, es aber noch nicht Zeit fürs Abendessen war.
Unsere Gerichte bestanden meist aus Kartoffeln oder anderem Gemüse. Große Fleisch Esser waren wir alle nicht und außerdem war Polen damals ein chaotisches (noch chaotischer als heute) und armes Land und Fleisch gab es meistens nur, wenn ein der Familie bekannter Bauer geschlachtet hatte. Und nur, wenn wir da Lust drauf hatten.

Also verarbeiteten wir Gemüse wie Kartoffeln zu allen möglichen Gerichten.

Im Sommer hatte ich ständig eine blaue Zunge von all den Heidelbeeren, die ich aß.
Wenn Herbst war, sammelten wir Pilze in den umliegenden Wäldern und machten Rührei mit Pfifferlingen, wir kochten Apfelkompott, es gab Krauteintopf (Bigos) oder rote Beete. Es wurde immer regional und saisonal gekocht und keiner wusste, was Avocados oder Süßkartoffeln sind. Und überhaupt hätten wir mit Avocados nichts anzufangen gewusst, wie soll man das komische Ding denn überhaupt zubereiten? Erdbeeren im Winter, pffff, Teufelszeug, im Dezember wachsen keine Erdbeeren. Hätte Gott gewollt... ihr wisst schon, Polen ist streng katholisch.

Ich wage zu behaupten, dass wir recht gesund lebten denn ich bekam viel Gemüse auf meinen Teller. Ich freute mich sogar über Bohnen und mein Leibgericht war Kartoffelpüree oder Bigos (Eintopf aus Sauerkraut/ hört sich eklig an, ist aber super lecker, wenn richtig gemacht/ und regional und saisonal).

Grundnahrungsmittel wie Zucker waren Mangelware (in meiner Kindheit herrschte das Kriegsrecht in Polen/ man musste in langen Schlangen für Lebensmittel anstehen/ auch ich stand stundenlang an und kurz bevor ich dran war, gab es nichts mehr/ haha mega Kindheitserinnerung, oder?), das hat uns aber nicht geschadet. Wir aßen einfach lokal und regional.

Heute esse ich Avocados statt Sauerkraut. Açai Beeren statt unserem heimischen Superfood den Heidelbeeren. Goji Beeren, wo doch die Nährwerte von schwarze Johannisbeeren mit denen der Goji Beeren fast identisch sind. 

Als ich vor einigen Tagen eine Avocado für 2,99€ kaufte, die gar nicht lecker war packte ich mir "an den Kopf". Stop mal, Doro.
Bin ich modern und offen für Neues, oder lasse ich mich zu sehr von Trends beeinflussen? Ohne es richtig zu merken.
Bei neuen It-Girls auf Instagram rolle ich gelangweilt mit den Augen, springe aber irgendwann doch auf den It-Food Zug auf?

Gut, solche Trends haben auch positive Seiten. Mein Zucker Detox, den ich letztes Jahr gemacht habe, hat meinen Horizont erweitert und ich koche jetzt über ein Jahr meist zuckerfrei und stattdessen mit sehr, sehr, sehr viel Gemüse. Einfach bewusster. So ein Detox macht sensibel für alles, was wir so essen.
Für mich gibt es seitdem wenig Zucker, Obst nur am Vormittag und Kohlenhydrate wie Nudeln oder Reis (Kohlenhydrate bestehen auf molekularer Basis aus Zuckerketten) gibt es vielleicht 5 x im Jahr. Ich fühle mich nach Nudeln oder Pizza nicht gut, sondern müde und schwerfällig.

Brot oder Kartoffeln hingegen, also Kohlenhydrate, mit denen ich aufgewachsen bin, tun mir gut. Eis ich eine Scheibe Brot, bin ich herrlich zufrieden. Brot und Kartoffeln geben mir ein gutes Gefühl, also können sie - für mich persönlich - nicht schlecht sein. Sie machen mich auch nicht dick, aber vielleicht liegt das daran, dass ich mich schon immer viel bewegt habe.

Ich glaube schon länger, dass Ernährung sehr viel damit zu tun hat, was in unseren Breitengraden angebaut und seit Jahrzehnten gegessen wird. Das ist eher gut für uns als... italienische Pasta oder Bananen.
Oder vielleicht hat auch jeder seine "persönlichen" Lebensmittel, die ihm gut tun. Auch wenn kluge Leute sagen, dass Sauerteigbrot mit Butter nicht so gesund wie eine Smoothie Bowl ist. Aber was ist, wenn mein Körper nach Brot ruft? Was passiert, wenn ich ihm etwas anderes als Ersatz vorsetze, wird er dann nicht unzufrieden? Und werde ich das Brot dann doch essen, schlimmstenfalls im Anschluss an den Smoothie, auf den ich gar keinen Hunger hatte? Hätte ich direkt das Brot gegessen, hätte ich sogar Kalorien gespart ;). Und wäre sicherlich zufriedener.

Es ist für mich Zeit, sich zu reflektieren und sich von Food-Trends nicht einlullen zu lassen. 


Die 3€ Avocado hat mich aufgeweckt. Ich sehe Avocados auf Instagram, in Zeitschriften, modernen Kochbüchern und zack greife ich beim Gemüsemann irgendwann selber zur Avocado. Avocados machen mich aber nicht so glücklich, wie z.B. Ofenkartoffeln mit Aioli. Die Avocado dient hier als Beispiel (wobei ich sie wirklich nicht besonders mag).

Food Trends wird es immer geben und manche Lebensmittel werden immer wieder mal out sein (außer im Ayurveda, Ayurveda ist klug und bleibt sich einfach seit Jahrtausenden treu), wir dürfen nur kein schlechtes Gewissen entwickeln, wenn wir Lust auf eine Stulle mit Käse haben.
Wahrscheinlich werden wir viel entspannter, wenn wir das essen, was uns glücklich macht und uns gut tut. McDonalds oder Tofu macht mich nicht happy, aber Bigos (mein persönliches, polnisches Nationalgericht ;)) ist für mich reinstes Soulfood.

P.S. Hihi, und dabei habe ich noch letzte Woche Rezepte mit dem Superfood Quinoa gepostet... demnächst gibts hier nur noch Bigos und Kartoffeln, ist klar!


2 Kommentare

  1. Danke Doro super geschrieben. Du hast so recht.
    Ich bin auch in Polen aufgewachsen und ich freu mich immer total, wenn es bigos, pierogi oder kluski gibt. Wir hatten ja nicht die Vielfalt an Lebensmitteln wie heute, aber was konnte die Oma alles draus zaubern. Und wir haben nix vermisst. Wir mussten lange anstehen, um unsere Ration Fleisch (na kartki) oder Dosenmilch zu bekommen, Ich erinnere mich daran, wie ich mit anstehen musste, damit wir mehr bekommen. Und dadurch haben wir das Essen viel mehr geschätzt. Nix wurde weggescgmissen. Heute steht man höchstens an, wenn es besondere Turnschuhe gibt oder das neue IPhone. Verrücke Welt. LG, Pati

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    1. Genau so: na kartki!
      Es gab nix, aber uns hat nix gefehlt. Liebste Grüße!

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