Personal Talk: ein Vogelküken, das vom Fliegen träumte

Donnerstag, 21. September 2017

Nowshine Lifestyleblog ueber 40



Flashback: es ist Sommer und ich liege am Strand. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Die Kinder toben in den Wellen, ich höre sie lachen, ich höre Meeresrauschen und fühle... tiefe Traurigkeit.

Was läuft hier falsch..? 


Ich befinde mich an diesem wunderbaren Ort, mit meinen Lieblingsmenschen. Das ganze Jahr habe ich mich auf diesen Urlaub gefreut. Und jetzt bin ich hier und möchte weinen. Oder schreien.

Stattdessen stehe ich auf und gehe spazieren. Ich gehe einfach, sage nichts zu meinem Mann, denn meine Stimme könnte versagen.
Alles ist so wunderbar und mich quält irgendwas.

Ich gehe am Wasser entlang und weine. Die Tränen laufen nur so über mein Gesicht. Ich kenne mich so nicht, ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Ich schaue zum Horizont und ich spreche ein Gebet. So kann es nicht weitergehen. Ich brauche wieder Freude in meinem Leben. Oder werde ich langsam verrückt?

Nein, verrückt fühlt sich das nicht an.
Ich verändere mich, aber diese innerliche Veränderung ist mit so vielen Tränen, Ängsten, Traurigkeit und Einsamkeit verbunden.
Alle paar Jahre passiert es, aber jedes Mal trifft es mich anders, so dass ich es nicht als bekannte Entwicklung erkenne.
Ha, sonst wäre es wohl zu einfach, um wirklich gut zu werden.

Letztes Mal war es eine Ehekrise. Wer bin ich, wer bist du (mein Mann) und was ist das für ein Leben, das wir leben (ist es das, was wir uns erträumt haben?).
Es wurde gut, aber ich weiß nicht wie. Wir haben einfach ein höheres Level in diesem Spiel erreicht. Nur fragt nicht wie, denn ich wüsste keine Antwort. Oder doch?
Ist auch egal. Denn...

... dieses Mal geht es nur um mich.
Was tue ich hier? Wo ist meine kreative Seite? Kann es sein, dass ich jemand anderes bin und nicht die Doro, die ich kenne? Kann es sein, dass ich viel mehr bin?

Ich komme mir gefangen vor, wie ein Vogelküken in der Schale. Ich bekomme keine Luft, ich habe keinen Raum. Enge ich mich hier selber ein? Ich habe das Gefühl, dass diese Schale irgendwann platzen wird, aber noch ist es nicht soweit. Noch muss ich reifen. Traurig sein. Nachdenken. Mich gegen die einengende Schale stemmen.

Ich spreche dieses Gebet in den Wind, während ich zum Horizont schaue. Der Atlantik ist wie immer wild und macht mir Angst. Gleichzeitig ist in mir diese Sehnsucht, denn ich will auch... was auch immer... mehr "Ich" sein, wild sein?!

Nur... was mache ich mit der Angst, die mich hemmt? Angst ist das Gegenteil vom Leben.

Ich bin bereit, diese gewohnte Angst loszulassen.
Ich bin bereit, diese gewohnte Angst loszulassen.
Ich bin bereit, diese gewohnte Angst loszulassen.
Ich wiederhole den Satz, wie eine Affirmation.

Ich will fliegen und nicht mehr in dieser Schale feststecken.
Ich spreche das Gebet und ich frage den Horizont, was ich tun soll. Was soll ich tun? Wie kann ich wieder Freude empfinden? Wie kann ich mich wieder lieben? Woher soll ich wissen, was das Richtige für mich ist?

Ich frage und frage und frage und weine. Ich stehe da, innerlich entblößt und suche Heilung. Oder Gott. Uiiii, Gott? Lieber nicht, denn mein Gott ist ein katholischer Gott. Er bestraft. Er sieht alles. Und er ist auch grausam.
Er macht mir noch mehr Angst, als der Ozean und seine Wellen.

Also wende ich mich lieber wieder dem Wasser und Horizont zu.
Ich stelle Fragen und bekomme nur das Rauschen der Wellen als Antwort. Sie sind hoch. Und sie machen mir immer noch Angst. Ich bekomme keine Antwort auf meine Frage. Ich wische meine Tränen weg und gehe wieder. Du Dummerchen, hast du wirklich geglaubt, dass dir der Ozean eine Antwort gibt ...?! Dumme, dumme Doro.

Wann die Antwort kam, kann ich nicht sagen. Ich kann beim besten Willen den Moment nicht benennen. Irgendwann wusste ich mehr und irgendwann wurde mir klar, dass es die Antwort auf meine Fragen ist.
Die Antwort ist leise und wirklich kaum hörbar. Kein Hollywood Blockbuster und nicht in Dolby Surround.
Sowas hat der Ozean und der Horizont nicht nötig.

Die Antwort lautet:
"Hab Vertrauen. Denn es wird alles gut. Glaube und vertraue. Und lass das Gute zu dir kommen. Es wird kommen."

Und meine Schale wird platzen?!

Es dauert. Es tut weh. Aber ich habe gefragt und ich habe Antworten bekommen. Ich weiß, was zu tun ist.

Wenn ich auf diesen Sommerurlaub zurückblicke, sehe ich diese Zeit mit gemischten Gefühlen. Klar, ich hätte diese drei Wochen gerne sorglos verbracht und nicht heulend am Strand gestanden.

Aber eine Stimme, in mir weiß, dass es so genau richtig war. Auch wenn manche Menschen meine Tränen nicht verstehen (wieso weinst du? Du hast doch ALLES!), sie sind nötig.

Ohne diese Tränen- im nach Außen perfektem Urlaub- wäre ich nicht die, die ich jetzt bin. Ich habe Vertrauen, dass ich mich aus meiner Schale befreien kann, denn ich sehe erste Risse. Licht kommt herein, ich sehe das Licht ganz klar. Es zu sehen löst so viel Glück und Freude in mir aus, dass es fast schon reicht. Aber ich kenne mich, I want it all.
Noch ein kleines bisschen und ich werde fliegen. Ich vertraue darauf, ich bin voll da, ich fühle mich gut und ich habe einen Plan.

Und wenn du mal weinen muss, dann weine und stelle deine Fragen. That´s it.

Shine now, Doro

4 Kommentare

  1. Doro, Liebes! Ich freue mich so sehr, dass du schon das Licht durch ersten Sprünge in der Eierschale siehst.

    Und weißt du was? Ich stehe vor dem Ei und ich sehe die zarten Risse und ich sehe ein wundervolles Leuchten und Strahlen, das aus dem Ei nach außen dringt 💕

    Du hast so wunderbar den Prozess der Transformation beschrieben - Love u

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  2. Hallo Doro,

    ganz lange verfolge ich dich schon und finde Deine Texte und niedergeschriebenen Gedanken immer sehr treffend, wundervoll formuliert und berührend mich und regen zum nachdenken an. Ach wie ich Dich darum bewundere, dass Du Dich so schön "erfühlen" kannst (mach dies Sinn?!?!) ... auch wenn die Antworten manchmal dauern ... Manch' einer, sitzt in der Schale fest ...
    Ganz Liebe Grüße, Marie

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