Wie man alten Scheiß los wird: eine Lektion im Loslassen

Dienstag, 11. Juli 2017




Habt ihr am Sonntag auch "Life of Pi" geguckt?
Am Ende fällt der Satz "Das Leben ist eine Lektion im Loslassen" und dieser Satz traf mich wie eine Kugel. Peng. Es kling irgendwie esoterisch und sehr nach Buddha, aber es saß.

Denn: oh Mann, halte ich fest!

Dabei dachte ich noch vor einigen Tagen, ich wäre so bereit für Veränderungen!
Aber... ich halte zum Beispiel alte Wut fest. Und alten Verrat. Alte Schuld, alte Ungerechtigkeiten, meine Traurigkeit. Ich halte mit aller Kraft daran fest. Was ich im Alltag natürlich nicht merke, denn ich bin gut im "nicht daran denken". Aber wenn ich intensiv daran denke, spüre ich alte Wunden. Manchmal kommen immer noch Tränen oder Mitleid für die Doro, die ich damals war, die sich schlecht gefühlt hat (und so vergoss ich ein Tränchen heute Morgen nach meiner Yoga Praxis/ ist Savasana ein neues Wort für "lass endlich den alten Kram los du Psycho"?).

Ich halte sogar den verdammten Kaffee fest, anstatt loszulassen und neues auszuprobieren (also trinke ich gerade frischen Pfefferminztee). Irgendetwas in mir will nicht loslassen, es gefällt sich in dem Kampf gegen den Wandel. Jo, ich kämpfe. Natürlich unbewusst. Es fällt niemandem auf. Selbst mir nicht!
Bis dieser kurze Satz in einem Hollywood Film fällt und ich mich fühle, als hätte mich jemand angeschossen (den Satz habe ich aus SATC geklaut).

Ich weiß auch, wie loslassen geht, ich traue mich nur nicht immer, denn es ist hart. Unbequem. Dann lieber Netflix, einen Latte Macchiato Wein und meinen Instagram Feed liken. Da haben alle sooo schöne Klamotten und wohnen soooo schön und machen soooo schöne Sachen und kochen besser als Jamie Oliver und sehen soooo hübsch aus, wie echte Engel! Das ist so viel schöner als "hart und unbequem"!

Aber zurück zu... hart und unbequem. Ich will es hart und unbequem.

Loslassen geht durch fühlen. 


Durch fühlen all der negativen Gefühle, die ich nicht fühlen will. Wer will schon nochmal Wut fühlen, Neid oder Verrat. Es ist widerlich. Ich will keine Einsamkeit fühlen und auch keine Angst. Manche sagen, negative Gefühle sind übel, echtes Teufelszeug. Sie sagen, das soll man nicht fühlen. Es ist eine Charakterschwäche und wir wollen doch alle einen tollen Charakter haben.

Ich glaube jedoch, wir sind auf dieser Welt, um alle Gefühle zu fühlen. Die Guten, die Schönen und auch die Schlechten, angeblich Bösen. Sie alle machen uns aus.

Wir sind kein schlechter, kleingeistiger Widerling, wenn wir uns minderwertig fühlen, Angst haben oder neidisch sind. 


Ich glaube auch, dass unterdrückte Gefühle wie ein brodelnder Vulkan sind. Sie müssen irgendwie, irgendwo, irgendwann raus. Es ist so als würde man einen Furz Pups (Ha! Damit habt ihr jetzt nicht gerechnet ;)/ sorry, ekelig, ich weiß ;) unterdrücken und irgendwann bekommt man Bauchschmerzen. Man hält fest an diesem Pups und will ihn nicht gehen lassen. Er will gehen, aber man wendet viel Kraft auf, um ihn festzuhalten. Ist das nicht irre?! Und wenn wir diesen Pups nicht mehr halten wollen und doch gehen lassen und jemand kriegt es mit, dann entschuldigen wir uns auch noch dafür! Denn: DAS MACHT MAN NICHT! Man pupst nicht und man ist auch nie voller Selbstmitleid, einsam, neidisch und man hat auch nie Angst.
Irre, was wir für stille aber feste und negativ behaftete Regeln haben.

Ich weiß, wenn ich Gefühle unterdrücke, halte ich sie fest. Und ich halte noch so einige alte Gefühle fest.
Ich will sie nicht loswerden, ich will sie einfach sein lassen.
Ich will nicht nur vertrauen, sondern wissen, dass alles gut ist, wie es ist.
Denn dann kann Liebe sein. Und Frieden. Einfach so, in dir.

Picture Credit: Stocksnap.io (leider nicht ich ;))

9 Kommentare

  1. Oh Gott Doro...du sprichst mir so aus der Seele!
    Ich würd gerne meine negativen Gefühle loslassen aber irgendwie kann ich es nicht (mehr), ich bin so gewöhnt es in mir zu lassen und nach außen nur Positives zu lassen dass ich es üben muss aber wie?
    LG Lena

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    1. Fühlen. Sei wütend, traurig, schrei ins Kissen, heul dich aus. Fühle bis es gut ist. Oder schreib. Aber so richtig. Wenn du auf eine andere Person neidisch bist, schreib dir den ganzen Neid von der Seele. Aber nicht so oh ich bin neidisch, sondern mit allen Kraftausdrücken, die dir einfallen ;)
      Es ist guuuut!

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  2. ja, du hast so recht... fällt mir auch grade schwer :-(

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    1. Ja, es ist unfein. Aber du erinnerst dich: "Mut zum Neid!"

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  3. Wieviele Jahre haben wir für das Loslassen?

    Während es an einem Tag so leicht fällt, holt es einen am anderen Tag ein. Tja, das Leben ist eben alles in einem: Der größte Spaß und manchmal ein mieser Verräter.

    Du hast so wunderschön die widerstreitenden Gefühle in Worte gefasst 💕 Danke

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    1. Ich habe tatsächlich noch nie gedacht, dass das Leben ein mieser Verräter ist.
      Es ist halt alles und wenn es mal gerade nicht so gut läuft, gibt es einen Grund dafür. Vielleicht sollen wir genauer hinschauen. Wenn wir es nicht tun, haut dir das Leben einen rein ;) damit du ENDLICH hinschaust.
      Und ich glaube nicht, dass die Lektionen im Leben vom Leben kommen, es ist unsere Seele oder nenn es wie du willst, was heil werden will, lernen will und sich entwickeln will. Wie klingt das für dich?

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    2. Und ich habe tatsächlich gedacht, dass du das auf dem Foto bist. ;)

      Danke dir für diesen Post. Zeigt mir mal wieder, warum dieses Blog zu den sehr wenigen gehört, die ich überhaupt noch lese- und zwar jeden Post. Man weiß nie, welches Thema du als nächstes beackerst, aber du schreibst mir so oft aus der Seele. Echt ein Highlight in meinem Feedreader. ;)

      Liebe Grüße u. ein schönes WE für dich.

      P.S: Unterschreibe das, was du im Kommentar an Claudia schreibst. Wenn wir nicht genauer hinschauen, wenn es irgendwo hakt, haut uns das Leben eine rein. Und zwar so lange, bis wir es kapiert haben. Ich hasse das. Ich verdränge doch so gerne... ;D

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  4. Anna, ich haben deinem Kommentar nichts mehr hinzuzufügen :)
    Doro, danke für deinen Blick ins Innere- ganz wunderbar und selten dein Blog.

    Lieben Gruss Kalu

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  5. Anna, ich haben deinem Kommentar nichts mehr hinzuzufügen :)
    Doro, danke für deinen Blick ins Innere- ganz wunderbar und selten dein Blog.

    Lieben Gruss Kalu

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