3 Plus 1 Gleich 4

Mittwoch, 12. April 2017



Erst kam mein Mann in mein Leben und wir zogen zusammen. Dann wurde ich mit Luke schwanger und wir waren zu dritt. 6 Jahre später wurde ich mit Lian schwanger und aus 3 wurde 4. Oder 3 + 1. 
Drei Männer und ich. 

In dieser Zeit hatte ich das Gefühl mich als Frau behaupten zu müssen, um nicht zu vergessen, dass ich eine war. Alles drehte sich um Sachen die Jungs machen, es gab Jungs Klamotten und Sportarten. Selbst Autofahren war männlich, schnell und irgendwie hektisch. Jeder, der zu langsam war, wurde überholt. 
Mir fehlte eine zweite weibliche Seele, aber dann war es wiederum doch ganz gut so wie es war, denn ich war die "Königin" im Haus. Und seien wir mal ehrlich, Jungs haben ein sehr inniges Verhältnis zu ihren Mamas. Als Ausgleich umgab ich mich mit Freundinnen, wir telefonierten viel, wir trafen uns oft und verbrachten ganze Samstage gemeinsam in der City. 

Ich blieb also Frau, auch wenn ich wirklich oft das Gefühl hatte, gegen die männliche Kraft ankämpfen zu müssen. Manchmal hatte ich das Gefühl, nicht normal zu sein, weil ich morgens länger im Bad gebraucht habe, weil ich mir die Haare sorgfältig föhnte und Lippenstift trug. Während sie auf mich warteten. 
Mama braucht noch etwas Zeit, bis sie fertig ist. 
Ich merkte es gar nicht richtig, es war mir nicht bewusst, aber ich kämpfte für die Weiblichkeit in mir. So vergingen viele Jahre. Und ich bekam ein Paar graue Haare, weil ich so viel Druck spürte mir so viel Druck machte (ich habe irgendwo gelesen, dass graue Haare von Druck kommen, bei mir trifft das völlig zu/ wie blöd, dass ich es erst gelesen habe, als ich schon welche hatte).
Nun haben sich die Zeiten langsam verändert. Luke ist 15 und ein Teenager. Jeder mit einem Teenager im Haus, weiß was es heißt. Sie wohnen im gleichen Haus, aber man sieht sie kaum. Höchstens, wenn das W-Lan ausfällt.
Lian beschäftigt sich auch immer mehr mit sich selbst und mein Mann ist durch seinen Job sehr viel unterwegs und oftmals mehrere Tage nicht zu Hause. 

Und da bin also ich, Doro. Endlich habe ich Zeit für mich. Manchmal verschwinde ich für Stunden in meinem Ankleidezimmer, manchmal mache ich mir die Nägel während ich Serien auf Netflix schaue und manchmal mache ich gar nichts. Starre Löcher in die Luft. 

Niemand ruft 
„Maaaaaamaaaaaa!!!!! Wo ist mein Power Ranger????!!!!!“, 
ich muss niemanden vom Kindergarten oder von der Schule abholen, keine Windeln wechseln, niemanden baden und keine Gute-Nacht-Geschichten vorlesen. Ich kann mich in ein Café setzen und die Menschen beobachten und an einem Blogpost schreiben. Ohne Druck. Aber wenn ich will, kann ich Luke nach Düsseldorf zum Fußball fahren, mit Lian zusammen lesen oder mit beiden ein Eis essen gehen (wobei ich Luke dazu zwingen irgendwie überlisten müsste, denn man geht mit 15 nicht mehr Eis essen mit seiner Mutter).

Ich genieße diese neue Zeit sehr, freue mich aber ganz schrecklich, wenn ich uns alle 4 für ein paar Tage zusammen trommeln kann. So wie jetzt. Wir sind gerade in meiner Heimatstadt in Polen und ich freue mich riesig, mit den Jungs gemeinsam alle Mahlzeiten einzunehmen, mit Luke gemeinsam zu Joggen (Luke hat einen Trainingsplan vom Fußball bekommen, den er durchziehen muss), wir waren zusammen Bowlen,, vielleicht gehen wir ins Kino oder Karaoke singen (Borderline, feels like I´m going to lose my mind…!!!!! Jaaaaaa, ich bin Madonna/ oder eher Mickey Mouse auf Helium). Hauptsache ist, wir sind wieder alle zusammen. 
Manchmal höre ich ein Lied von früher, aus der Zeit als ich noch Single war und denke „WOW. Wo kommen diese Männer in meinem Leben plötzlich alle her?! Wer sind die überhaupt?!“ Und kann es immer noch nicht glauben, dass ich 1+3 bin. Und auch wenn ich einige graue Haare habe und manchmal viel zu energisch Auto fahre weil ich immer wieder zu einem Mann mutiere: wie cool ist denn bitte 3+1 gleich 4  zu sein?


P.S. Drückt mir bitte die Daumen, dass Luke und Lian sich in unserem Kurzurlaub nicht umbringen, wir als Eltern nicht nerven und dass es bitte niemandem langweilig wird! Und dass es genug zu essen gibt. Ein hungriger Teenager gleicht in etwa einem Werwolf. 

1 Kommentar

  1. Doro, das ist genial!
    Genau darum geht es: Der Wandel ist vollkommen okay und sollte mit offenen Armen begrüßt werden.
    3+1 = 4 = Liebende
    Danke für das daran Erinnern, dass nicht um Mann oder Frau geht, sondern um Liebe und Zusammensein .

    Love it

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