Der Schnee ist zu weiß: wenn hohe Erwartungen auf ein Snowboard gestellt werden

Mittwoch, 22. März 2017


Fitness über 40 Blog

Snowboarden.
Hmmm… ist das überhaupt was für mich? Durch meinen Mann habe ich damit angefangen, aber es fiel mir nie besonders leicht. Ich meine, du hast die Beine auf einem Brett festgeschnallt und drehst den Körper so komisch ein, während du den Berg mit hoher Geschwindigkeit runterrutschst. Keine Stöcke zum Festhalten und die Beine mehr oder weniger zusammengebunden. Wenn du Glück hast sind die Pisten breit, aber wie oft sind sie einfach nur schmal, rechts von dir ein Wald voller Bäume, links von dir ein Abgrund.

Lieber Gott, wie oft habe ich geschrien, Angst gehabt, mir den Hintern geprellt oder mich überschlagen. 

Wie oft habe ich das Brett hin gepfeffert und mich vor Wut und geprelltem Hintern fast heulend auf eine Hütte gesetzt.
Das ist mir zu steil!
Das ist mir zu voll!
Das ist mir zu schnell!
Der Schnee ist zu kalt!
Der Schnee ist zu nass!
Der Schnee ist zu weiß!
Ich hasse Buckelpisten!
Ich hasse Anfänger! (der wahrscheinlich originellste Satz überhaupt, ich als Anfänger konnte nicht gut fahren wenn noch andere Anfänger neben mir gefahren sind… sie machten mir eine Heidenangst!)

Das letzte Mal bin ich vor 3 Jahren im Skiurlaub gewesen und habe danach endgültig damit abgeschlossen. Zu den steilen, engen Pisten kam in dem besagten Urlaub eisige Kälte von -25 Grad dazu, Schneefall und Nebel. Ich sprach es aus:

sei mir nicht böse Schatz, aber Snowboarden ist nicht mein Sport. 

Und so habe ich 3 Jahre lang pausiert. Bis dieses Jahr, denn irgendwas zog mich doch wieder in die Berge. Vielleicht tat ich es ein bisschen meinem Mann zuliebe, denn ich weiß wie gerne er mit mir fährt (völliges Unverständnis, so oft wie ich herumgezickt habe).

Wir buchten Obertauern und ich nahm mir eins vor: nämlich nichts. Bei gutem Wetter wollte ich vielleicht fahren, enge und steile Pisten langsam rutschen und bei schlechtem Wetter wollte ich mich in die Sauna legen. Ich ließ meinen Mann die Unterkunft buchen (mein einziger Wunsch war W-LAN) und sah mich einfach nur als Begleitperson.
Ich schraubte meine Erwartungen völlig runter und wünschte uns ein Paar nette Tage. Und Sex, der nicht von lautem Klopfen an die abgeschlossene Schlafzimmertür unterbrochen wird:

„Mama haben wir noch was zu Essen da?“.

In diesem Urlaub habe ich gelernt, wie schön es ist keine Erwartungen zu haben. Nicht versuchen zu optimieren und zu kontrollieren, stattdessen mehr zuzulassen und mich fallen zu lassen und das Positive zu sehen. Und nicht schon vorher zu denken: „Was ist wenn…?“.

Meine verwöhnte innere Prinzessin/ Diva/ Drama Queen (die drei Gesichter meines Snowboard-Egos) fing in diesem erwartungsfreien Urlaub an, richtig viel Spaß zu haben.
Sie hatte keine Erwartungen und so konnte sie nicht enttäuscht werden.
Sie schickte keinen Druck ins Universum und machte so keinen Ärger.
Und so reiste die Prinzessin ins Skigebiet und alles war standesgemäß für sie vorbereitet worden: die Pisten waren auch mal steil, dafür aber menschenleer. Der Schnee war Nachmittags schon fast zu nass, dafür tat es nicht so weh, wenn sie gefallen ist. Es war warm und es war sonnig. Breite, weiße Pisten und ein strahlend blauer Himmel. Sie übte viel und zum ersten Mal machte ihr das Fahren Spaß. Und auch wenn sie sich vielleicht niemals trauen wird, so schnell wie ihr Prinz (Ehemann) zu fahren (ihr zweiter Vorname ist LANGSAM und das gilt nicht nur fürs Snowboarden) (sie sollte sich eh a) nicht mit anderen vergleichen und b) schon gar nicht mit Prinzen) und bei schlechten Bedingungen bestimmt auch wieder die Eiskönigin raushängen lassen wird: wenn sie nicht nach Hause müsste, wäre sie auch heute nochmal sehr gern auf der erwartungsfreien Piste!

2 Kommentare

  1. Ich lese ... und merke ein kleines bisschen Entspannung. Vielleicht kann ich es ja doch mal wieder ausprobieren?

    Sweety, ein wunderschöner Post von der Macht, die entstehen kann, wenn man die Erwartungen einfach loslässt.

    Eine wunderschöne Inspiration

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