Das Leben in einem Haus mit 53 Fenstern und meinem eigenen Weckdienst (sucks)

Freitag, 31. März 2017



Freunde. I´m so fucked up.
Ich muss mich dieser einen Sache endlich stellen.
Ich kann nicht mehr davor weglaufen.
Die Schmerzgrenze ist sowas von erreicht.

Ich mag das Haus nicht, in dem wir leben.

Oh, es ist wunderschön und zentral gelegen! Super hell (dank der 53 Fenster #@%!&) und groß. Aber ich muss hier raus, sehr lange werde ich es hier nicht mehr aushalten.

Vor fast drei Jahren sind wir hier eingezogen, weil wir uns auf den ersten Blick in das Haus verliebt haben. Wie gesagt: groß, hell, perfekt. Leider ist es so, dass man manche Sachen erst merkt, wenn man drin wohnt.
Das erste was ich gemerkt habe, waren die (53 #%&!@) Fenster. Um es kurz zu machen: es zieht. Nicht gerade angenehm im Winter, aber es war verhandelbar.
Was nun nicht verhandelbar ist, ist die helle Jahreszeit. Es gibt keine Rollladen und so wachen wir bei dem ersten Sonnenstrahl auf. Momentan ist es noch nicht so schlimm, aber das wird es im Sommer. Gegen 5 Uhr ist Schluss. Momentan ist um 6.00 Uhr Schluss, denn wir wohnen direkt an einer Kirche, die um Sechs loslegt. DING DONG DING. Jede 15 Min. Um 7 macht sie ein längeres Konzert, sie gongt 5 Min lang.

Ich schlafe mit Ohropax und einer Schlafbrille, aber das ist not the real deal. 

Ich bin ständig müde und habe es auf mein Alter geschoben: ab 40 schläft manche Frau halt nicht mehr so gut. Das wird es sein.

Anfang der Woche war ich in Hamburg und habe aber so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr. Das Zimmer war dunkel und es war keine Kirche weit und breit. Ich hatte so viel Power!
Ich habe versucht, die Vorteile des Hauses zu sehen (es ist groß/ dafür ist die Küche zu klein/ ok ist kein Vorteil/ Mist). Es schön zu reden (die Lage ist perfekt/ na geht doch). Bis mir der Gedanke kam, dass ich doch nur ein Leben habe und das will ich so angenehm leben, wie es nur geht.

Also schönes Haus hin oder her: ich will umziehen. Und nun stellt sich die große Frage: wohin?!
Ich habe auf diese Frage keine Antwort. Mein Mann ebenfalls nicht.
Wuppertal ist toll, es ist wie Urlaub hier zu leben. Es ist Grün. Überall Wald. Luft und Freiheit! Es hat tolle Restaurants. Vor denen man in der Regel direkt einen Parkplatz bekommt. Stress mit Parken hat man hier nicht. Kulturell ist es auch toll, ich sage nur: Pina Bausch!

Auf der anderen Seite ist es ein Kaff. Aber es stört mich nicht besonders. Wir haben zwar keinen Zara, kein vernünftiges Yoga-Studio, kein Spray-Tan und müssen für eine Smoothie-Bowl bis nach Düsseldorf fahren. Das alles ist aber nicht wirklich schlimm. Anmerkung: es wird hier gerade ein neues EKZ gebaut. Inkl. Designer Outlet. Vielleicht wird es dieses Problem nächstes Jahr sowieso nicht mehr geben. Vielleicht werden die Düsseldorfer Samstags nach Wuppertal fahren statt umgekehrt! Wegen dem PRADA Outlet, ha!
Also was machen wir? Bleiben wir hier? Wenn ich mir eine Stadt in Deutschland aussuchen sollte, in der ich wohnen will, dann wäre das Wuppertal (KEIN Wuppertaler versteht mich, I know/ ich habe selber keine Ahnung was das soll).
Aber will ich überhaupt in Deutschland bleiben? Nein, wenn ich ehrlich bin.

Ich würde gerne wissen wie es ist, in Frankreich zu wohnen. Oder Spanien. Oder New York. 

Wahrscheinlich würde ich nach 3 Monaten in NYC schreiend nach Europa schwimmen, aber ich würde gerne wissen wie es ist, in einem anderen Land zu leben (mir ist bewusst, dass NY kein Land ist, auch wenn die New Yorker das vielleicht glauben/ ihr wisst was ich meine).
Ich fühle eine Sehnsucht in mir, die ich gut kenne. Die Sehnsucht nach Veränderung und nach... Verbesserung.
Vielleicht muss ich einfach nur wieder richtig ausschlafen. Ohne Kirchenglocke. Ich meine: wozu ist die überhaupt gut? Ja früher, als niemand ein Smartphone eine Uhr hatte, hat man so die Uhrzeit erfahren. Aber 2017?

OOOOOH IST JA GUT, ich weiß es! Es ist SECHS Uhr morgens! 

Und dann ist es 06.15 (ich drücke die Ohropax tiefer in meine Ohren) und dann 06.30 (ich lege mir ein Kissen auf den Kopf, denn es wird langsam hell) gefolgt von 06.45 (ich kriege keine Luft, durch die Ohren schon mal gar nicht) und 07.00 (4x Dong Dong Dong wegen der vollen Stunde und dann 7x Dong Dong Dong Dong Dong Dong Dong wegen 7 Uhr). Ok, ich wecke die Kinder. Moment mal. Warum macht die Glocke kein 5 Min. Konzert? Ist sie kaputt? Scheiße, es ist Samstag (Samstags kommt das Konzert erst um 9. Und kurz vor 10.).
Ich bin hellwach. Und doch so müde. Ich schlafe einfach weiter (als ob). Bis es 07.15 ist. Und so weiter.

Ich muss hier weg!
Ganz weit weg von der Kirchenglocke.

7 Kommentare

  1. Meine liebe Doro,

    herrlich geschrieben und eine Punktlandung hingelegt. Irgendwann entliebt man sich einfach von seinem Haus. Oder ist es einfach die Lust auf etwas Neues? Egal. Es ist da die Stimmen werden immer lauter. Also wird es wohl stimmen.

    Vielleicht sollten wir zusammen ans Meer in Frankreich ziehen, wo dann hinten raus Wuppertal ist ;) . Ich entliebe mich auch gerade von unserem Haus.

    U letztendlich ist es immer nur ein Haus.


    Liebste Grüße

    Claudia

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    1. Ja, ich halte in Frankreich bereits Ausschau!
      Und hier wird uns auch was Neues finden, ich fange an aktiv zu suchen.
      Drücke dich!

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  2. Ich war schon immer lärmempflindlich beim Schlafen und mit dem Alter (ab 40) wird es nicht leichter. Mein natürlicher Wecker sind die Nachbarskinder aus der Nebenwohnung. Früher, als ich noch in einem Haus gemeinsam mit meinen Eltern gewohnt habe, hat mich auch immer irgendwas aufgeweckt - sogar die zwitschwernden Vögel in der Früh! Bei mir muss es auch immer ganz dunkel sein, sonst kann ich überhaupt nicht gut schlafen. Dennoch würde ich meine Wohnung nicht wechseln wollen, ich habe sie mir liebevoll eingerichtet und hänge sehr daran. Irgendeine Lärmquelle gibt es doch immer -egal ob Wohnung oder Haus. Und im Wald sind es eben die zwitschernden Vögel... ;-)
    LG, Tina

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    1. Hier sind es einfach zu viele Sachen die zusammenkommen, klar hast du Recht, irgendwas ist immer!
      Vielleicht brauche ich ein eigenes Haus, wir mieten noch. Wenn das mein Haus wäre, würde ich direkt die Küche verlegen... und noch andere Änderungen vornehmen wollen. Vielleicht ist es das eben auch. Zu der Kirche und den Fenstern die man nicht abdunkeln kann.
      Liebe Grüße!

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  3. Liebe Doro, dann würde ich mir wirklich was anderes suchen...und wenn deine Jungs das mitmachen...warum nicht....Frau lebt nur einmal im Leben. Ich wohne hier in einem Luftkurkaff ( bei der Luft kannst du immer schlafen...hehe) im wilden aber oft kalten Süden ( Blackforest auf 800m) und oft denke ich...irgendwann ziehe ich da hin wo es wärmer ist. Aber ich habe hier die totale Ruhe....da schläft Frau auch Sonntags ohne Rolläden bis in die Puppen. Mein Haus ist etwas speziell, es wurde in den 50er von Missionaren aus Südamerika gebaut...daher vom Stil etwas anders...sehr großzügig und hell... und ich liebe es! Es war
    Liebe auf den ersten Blick, aber erst als ich drin war😎. Es hat so was beruhigendes .,. Ein " jetzt-bist-du-bei-mir-die Welt-kann-dir-nichts-antun" ... verrückt gell. Aber auch Freunde und Fremde sagen, dass das Haus so was an sich hat. Darum bleibe ich hier, obwohl es mir bald zu groß, zu teuer ist... und ärgere mich jeden Winter über die Schneemengen. Eigentlich wollte ich dir nur sagen, wie wichtig es ist sich daheim wohl zu fühlen ...ansonsten change it. LG

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  4. Oh Doro, das klingt schaurig! Ja, vielleicht kannst du wirklich das Weite suchen. Eine Bekannte wohnt seit ein paar Jahren in einem Loft: riesige Fenster, keine Verdunklung möglich. Über ihr ist ein Büro, wo um 5 Uhr früh der Putzdienst kommt und rumpelt. Ui, jetzt klinge ich wie eine Tante mit Schauermärchen, aber die Bekannte wurde tatsächlich krank (Gehörzsturz).

    #Selbstschutz schützt langfristig auch deine Lieben.

    Es muss doch eine Ecke geben wo in Wuppertal keine Kirche steht, die bimmelt und bammelt? #teamWuppertal #DesignerOutletmachtallesgut :-D
    Toi toi toi!

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