Leidenschaft nach 16 Jahren Ehe: wir sind hier nicht bei Californication

Mittwoch, 22. Februar 2017

Leidenschaft-nach-16-Jahren-Ehe

Es ist später Abend. Ich mache das Licht aus und kuschele mich in meine weiche Bettdecke. Er liegt neben mir, wie fast jede Nacht in den letzten 16 Jahren. Jeden Abend schlafen wir aneinander gekuschelt ein. Nachts entfernen wir uns, aber am morgen finden wir doch wieder zusammen.

Ich liege da und schalte immer mehr ab. Und habe plötzlich diese Frage im Kopf. Die Frage, was aus unserem Sex geworden ist. Wie er sich mit den Jahren entwickelt hat. 

Wo geht die ungezügelte Leidenschaft nach 16 Jahren Ehe hin?


Zu Anfang konnten wir nicht die Finger voneinander lassen. Wir aßen nicht und wir gingen auch nicht viel raus. Es gab nur uns auf dieser Welt. Wir haben nach ca. 4 Monaten geheiratet und ich kann sagen, dass ich völlig aus Liebe geheiratet habe. Es war keine Märchenhochzeit, wie es so in Mode ist. Es gab keine Band und keinen Candy Table und auch keine Gastgeschenke. Es gab auch keinen Verlobungsring. Ich habe mein Brautkleid innerhalb von einer halben Stunde gekauft. Ich habe "Ja" gesagt, weil ich diesen Mann aus tiefster Seele geliebt habe und immer noch liebe. 
WIR liebten uns. Auch körperlich. Sehr oft. 

Nun sind 16 Jahre vergangen. Und wir können nebeneinander einschlafen, als ob nichts wäre. Wo ist die Leidenschaft hin? Wo geht sie hin, nach 16 Jahren Ehe? Ich glaube, dass wir für eine so lange Ehe ein super erfülltes Sexleben haben, aber ist das genug? Will ich diesen Thrill der alten Tage wieder zurück? Es nicht erwarten zu können, dass er von der Arbeit nach Hause kommt? 

Er sieht heute noch anziehender in seinem gut sitzendem Anzug aus, er hat eine sexy Reife an sich und diesen Drei-Tage-Bart, der mich schon an Stellen gekitzelt hat, über die man nicht spricht. Ich will -wie damals- morgens fertig zurechtgemacht, mit meinem Kaffee in der Hand, vor ihm stehen. Er schaut mich an und sagt: "Du kommst heute zu spät zur Arbeit". Und ich verspäte mich, aber es ist mir total egal.  
Der Stress der Elternzeit legt sich immer mehr. Genauso wie der berufliche Stress, damit können wir heute sehr gut umgehen. Also was hindert uns daran, die Leidenschaft von früher zu leben? 
Vielleicht fehlt der Reiz des Neuen? 
Vielleicht wiegen wir uns zu sehr in Sicherheit?
Wir müssen uns nicht um den anderen bemühen, wir sind angekommen. 
Ist das nicht paradox?
Aber vielleicht ist es nur das nächste Level, welches es zu erreichen gilt. 

Was passiert, wenn man Liebe, Sicherheit und Vertrauen mit einer Cherry on top von mehr als 1-2 Mal Sex in der Woche garniert? 

Wird die Ehe dann noch besser? Oder bilde ich es mir nur ein? Wir sind zufrieden und wir sind glücklich, kann man -und muss man- das überhaupt noch steigern? 
Vielleicht wird es dann nur anstrengend?
Vielleicht bin ich schon da? Da, wo ich meine, dass ich hin will.

Leidenschaft wandelt sich. In Vertrauen, in Sicherheit. Wir sind hier nicht bei Califonication. Ich zeige mich ihm, wie ich bin. Ich darf meckern. Ich darf zickig sein, ich muss nicht alles an ihm toll finden und ich darf auch mal die Fernbedienung vor Wut an die Wand knallen. Er wird bei mir bleiben. Ich weiß das. 
Ist das die Antwort? Leidenschaft und der viele Sex gehen nicht weg, sie verwandeln sich in etwas, das größer ist? Ein guter Gedanke.
Und für alles andere gibt es Datenights.


4 Kommentare

  1. Antworten
    1. Irgendwie schon, auch ohne Schmetterlinge im Bauch ;)

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  2. Das hast Du sehr schön geschrieben. Mir geht das nach 20 Jahren Ehe genauso und ich hatte erst kürzlich fast die gleichen Gedanken. Ich bin einfach nur glücklich und dankbar bei ihm so sein zu dürfen wie ich bin. Ich muss mich nicht verstellen und auch nicht immer die perfekte Erwachsene sein. Wenn es mir danach ist kann ich mich auch wie die verrückte kleine von damals benehmen.

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    1. Gestern schrieb mir ein Mädel auf Instagram, dass sie froh ist, nicht mehr den Bauch einziehen zu müssen vor ihrem Mann ;) Das ist das schöne, sich nicht verstellen zu wollen/ meinen zu müssen!

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