Bin ich gut genug? - I `m (not) sorry for being me

Dienstag, 7. Februar 2017

Ein Post über Selbstzweifel

Vor ein paar Wochen war ich mit meiner Freundin Kiki und meiner Online-Freundin und Blogger-Kollegin Claudia Münster  zum Essen verabredet. Claudia habe ich über das Bloggen kennengelernt, ich las ein Interview mit ihr  bei Texterella und wusste, das ist eine Frau nach meinen Geschmack. Seitdem unterhalten wir uns über das Internet.

Ich freute mich riesig auf unser Treffen! Wir hatten bei einem guten Italiener reserviert und unsere Männer begleiteten uns ebenfalls. Der Abend war perfekt: wir hatten endlose Gesprächsthemen, viele Gemeinsamkeiten und viel zu Lachen. Gegen Ende des Abends hielt ich inne, beobachtete uns alle 6 und fühlte mich ganz schrecklich wohl. Als wir uns verabschiedeten war klar, dass das erst der Anfang war. Wir drückten uns alle fest und ich fühlte Glück.

Letzte Woche schrieb mir Claudia, dass sie einen Post über unser Treffen verfasst hatte und ich schrieb, dass ich das ebenfalls vorhatte. Sie schickte mir ihren Entwurf und als ich ihn las, wurde ich sehr nachdenklich. Sie schrieb dort, dass sie vor unserem Treffen ein fieses, kleines Gefühl verspürt hatte. Sie dachte darüber nach, ob die Online Claudia mit der Offline Claudia mithalten könne. Sie hatte Angst, nicht zu genügen.

Alle Menschen, die auf irgendeine Art und Weise in der Öffentlichkeit stehen- auch wir Blogger-, zeigen uns von unserer besten Seite. Können wir im richtigen Leben mit uns selber mithalten? Sind wir ohne Filter und die Rechtschreibprüfung gut genug?



Diese Angst habe ich nicht.
Ich nicht.

Echt nicht? Ich dachte lange über Claudias Post nach. Es war wie eine Seelenreinigung. denn mir wurde bewusst, dass ich ebenfalls meine Zweifel hatte.
Nicht vor unserem Treffen, aber danach. Auf der Fahrt nach Hause und später im Bett, gingen mir Gedanken durch den Kopf wie:

"Fanden sie mich nett? Hatte ich das Richtige an?"
"Habe ich etwas Blödes gesagt?"
"Fanden sie den Abend auch so schön wie ich, oder haben sie sich vielleicht gelangweilt?"


Ich war etwas entsetzt über meine Gedanken. Ich hege Selbstzweifel! Ich meine, wir sind hier doch nicht beim Bachelor und ich kriege auch keine Rose!
Schöne, unbewusste Selbstzweifel.
Manchmal ist uns nämlich gar nicht so klar, was es da so in uns denkt.

Haben Männer mehr Eier in der Hose?


Ich befragte meinen Mann dazu. Er sagte, das wäre eher ein kollektives Frauending. Kein Mann würde sich jemals fragen "Hoffentlich fand der Manfred mich jetzt gestern nett." oder "Bin ich gut genug?".
Frauen wollen alle glücklich machen, erst die Kinder, den Ehemann, die Freundin und dann irgendwann vielleicht auch sich selber. Sie wollen die beste Mutter, die tollste Ehefrau und Freundin sein. Und ganz nebenbei wuppen sie noch einen Job.
Könnte was dran sein.

Die intelligente Frau von heute.


Ich befragte meine Freundin Kiki dazu. Sie sagte, das hätte etwas mit Intelligenz zu tun, intelligente Menschen würden sich oft in Frage stellen.

Also wenn Selbstreflexion ein Zeichen von Cleverness ist, dann bin ich super clever. Ich denke ständig zu viel, ich unterschätze mich oft und ich nehme meine Grenzen wahr. Die Antwort meiner Freundin finde ich super, ab jetzt akzeptiere ich mich einfach als super intelligente Frau von heute! Ich hätte als Kind Japanisch lernen sollen, wahrscheinlich bin ich HOCHBEGABGT!

Meine Freundin sagte aber auch, dass es etwas mit Perfektion zu tun hat. Oh. Ja, diesen Druck alles richtig zu machen kenne ich. Immer Danke sagen, immer gute Noten, der richtige Job, der richtige Mann und die richtigen Kinder. Wir sind es so gewohnt den Erwartungen anderer zu entsprechen, dass wir manchmal gar nicht mehr wissen, wer wir sind.

Menschen mit einem Chronic-Bitch-Face mag man nicht. Also lächelte ich.


Und dann befragte ich mich dazu.

Doro, warum stellst du dich in Frage? 
Schulterzucken. Wie ein Kind.
Im Kopf: ebenfalls die Gedanken eines Kindes: Es wurde mir so beigebracht.
Damals, in der Grundschule. Immer wieder der Satz: lächle mal, sonst werden dich die anderen Kinder nicht mögen!

Als ich Kind war, sind wir oft umgezogen und dementsprechend oft war ich die Neue. Ich habe es gehasst und durch mein Chronic-Bitch-Face zum Ausdruck gebracht. Den Erwachsenen schien es aber sehr wichtig zu sein, gemocht zu werden. Nett zu sein. Keinen zu enttäuschen. Also lächelte ich und sagte immer Danke. Ich war wie dressiert.

Bääääms.
Da hatte ich hatte meine Antwort. Es war Gewohnheit.
Und Blödsinn. Denn es geht mich überhaupt nichts an, was andere über mich denken. Ich bin nicht auf dieser Welt, damit mich alle nett finden. Ich muss nur mir genügen und wenn mich jemand nicht mag, dann ist das auch ok für mich. Ich werde diese Gedanken nicht von heute auf morgen abstellen können, aber der erste Schritt ist getan: sie sind mir bewusst.

Und wenn Claudia und ihr Mann mich doof und total un-nett fanden: alleine für diese Erkenntnis war unser Treffen Gold wert. Es hat mich in die richtige Richtung geschubst, es hat mich in diesem Punkt richtig aufgeweckt.
Gut, ich werde mich niemals in eine muffige Doro verwandeln, die nur noch blöd zu allen Menschen ist und es ihr egal ist, denn dafür bin ich zu gerne unter Menschen und mag sie zu sehr. Ich werde aber nach solchen Treffen nach Hause gehen und wissen, dass ich mein Bestes gegeben habe, besser bin ich nicht.
Mir genügt mein momentanes Bestes, aber ich werde mich immer noch reflektieren und wenn es mir irgendwann nicht mehr reicht, werde ich eben noch besser!
Ein guter Plan, findet ihr nicht auch?

Dieser Post ist meine Antwort auf diesen Artikel bei www.claudiamuenster.de, da beschreibt Claudia, was sie bei unserem Treffen gefühlt hat.

10 Kommentare

  1. Liebste Doro,

    einfach nur Doro: Klug, ehrlich, immer auch lieb zu sich selbst und den Menschen, das Ganze garniert mit einer guten Portion Humor.

    Ich bin dankbar dich gefunden habe. Eine Schwester im Geist.

    Let's rock

    Deine Claudia

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  2. Stimmt schon, man ist nicht auf dieser Welt, damit einen alle nett finden. Dennoch finde ich es vollkommen okay, "immer danke zu sagen und zu lächeln", denn das macht die Welt einfach ein bisschen freundlicher und ... - ehrlich? - es gibt leider viel zu viele Menschen, die sich in erster Linie selbst wichtig sind und diese kleinen netten Dinge darum vernachlässigen. Das finde ich sehr schade.

    Aber ein Frauending ist es wohl auch tatsächlich. Mir geht's zumindest auch dauernd so, aber von Männern habe ich Gedanken dieser Art tatsächlich noch nie gehört.

    Viele Grüße
    Gunda

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    1. Ja, lächeln usw. ist natürlich schön, aber es bringt mir nichts Everybody´s Darling zu sein. Eine gute Portion Selbstliebe/ Egoismus ist was Gutes. Wir werden das schon in Balance rocken ;)
      Liebe Grüße!

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  3. Wahre Worte liebe Doro und leider muss ich dir auch noch Recht geben: es ist ein RIESIGES Frauenproblem! Mein Mann kennt solche Gedanken ebenfalls nicht. Wir wollen immer gefallen...dem Partner der Arbeitskollegin, den Freunden des Mannes usw. Was ein Schwachsinn!
    Deshalb unterstütze ich deine Meinunng voll: wir reflektieren uns weiter, denn nur so entwickeln wir uns weiter ABER wir sollen zufrieden sein mit unserem Besten - denn wenn wir mal ehrlich sind: wir sind doch genau richtig so wie wir sind!
    Liebe Grüße
    Jenny
    www.fitandsparklinglife.com

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    1. So ist es Jenny! Liebe Grüße zurück!

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  4. Ach Doro, Du sprichst mir aus der Seele - und Dein Mann: Musste so lachen über "Manfred..." Habe es eben meinem Mann vorgelesen: Wir waren uns ebenfalls einig: Absolut "kollektives Frauen-Ding!" ;-) Tja, dann melde ich mich jetzt wohl auch gleich mal zum Japanisch-Kurs an...Weiter so, Du bist klasse!

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    1. Hihi, bist du also auch Hochbegabt ;)
      Liebe Grüße!

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  5. Du schreibst immer sehr schöne Artikel, die zum Nachdenken anregen. Ich finde Männer ticken vollkommen anders als Frauen, daher darf man sie zu solchen Themen nicht fragen. Sich selber zu mögen ist nicht immer einfach, aber sich selber ab und an auch zu hinterfragen ist auch nicht das schlechteste.
    LG Petra

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  6. So wahre Worte - hätte mein Mann auch so unterschrieben! :-DDD Liebste Grüße!

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