Wie Yoga mich davor rettet, nicht ganz durchzudrehen

Sonntag, 15. Januar 2017



Meistens rolle ich meine Yoga-Matte zu Hause aus und übe für mich alleine. Im Grunde ist es egal, wo man Yoga übt, denn die Reise geht ja nach Innen. Wer schon länger Yoga macht, der kann alle Stunden besuchen, Anfänger wie Fortgeschrittene. Denn du bestimmst selber, wie anstrengend dein Yoga wird.

Als Yogi bist du geerdet, regst dich nicht über deine Mitmenschen auf und siehst das Licht in Jedermann. Du atmest und lächelst und selbst nervige Autofahrer können dir nichts anhaben.

Aha.
Ich glaube, ich bin so kurz davor, ein Yogi zu werden.
Im nächsten Leben.


Als ich letztes Wochenende in Berlin war, habe ich eine Stunde bei Spirit Yoga gebucht, einem Yoga-Studio welches ich schon immer ausprobieren wollte. Dort Stil dort ist vom Vinyasa-Flow geprägt und liegt mir sehr. Ihr wisst ja, dass ich seit -puh, wie viele Jahre sind es denn schon? 4?- (schon immer?) gerne bei Yogaeasy online übe und so in den Genuss komme, die besten Lehrer Deutschlands auszuprobieren. Meine Lieblingsclips bei Yogaeasy kommen meist von Spirit Yoga und so war es keine Frage, dass ich auch mal eine echte Stunde dort üben wollte.

Spirit Yoga ganz un-spirituell 


Das Studio ist wirklich schön und gar nicht esoterisch, dafür modern und sehr cool. Hell und stylish.

Ich war früh dran, rollte meine Matte aus und wartete auf weitere Teilnehmer. Ganz bewusst hatte ich eine Stunde Mitten am Tag ausgewählt, einen Power-Lunch Kurs. Ich meine, wie viele Menschen können Mittags einfach so einen Yoga-Kurs besuchen?
Genau. Niemand. Ich spekulierte fast auf eine Einzelstunde.
Diesen Gedanken gab ich jedoch recht schnell auf, denn der Raum füllte sich immer mehr. Von wegen Einzelstunde. Wenn es Mittags schon so voll ist, wie sieht es dann erst Abends aus! Egal. Ich lag in erster Reihe und bekam nicht mit, was hinter mir passierte.

Fast. 1 x drehte mich um und sah, wie sich eine Frau locker in den Kopfstand schwang und so auf den Beginn der Stunde wartete.
Eingeschüchtert drehte ich mich schnell wieder nach vorne. Kopfstand? Dein Vater sein Ernst?


Der Yogi und die Competition



So ein Miststück. Huch. Yogis sehen das Licht in Jedermann. Yogis beurteilen nicht. Yogis kennen keine Competition.

Ich versuchte loszulassen und beachtete sie nicht. Im ersten "Hund" guckte ich aber kurz nach, ob sie mit ihren Fersen auf den Boden kommt. Nein. Ha!
Und schon konnte ich ihr Licht und den ganzen Klimbim sehen, denn ich komme ganz easy mit den Fersen auf den Boden. Der Hund ist so herrlich energetisch ausgleichend, meint ihr nicht auch?

Loslassen ist fast kinderleicht



Die Stunde fing an und war traumhaft. Am besten fand ich, dass es zu Anfang kein "Om" gab (am Ende übrigens auch nicht). Also, es gab zwar eins, aber es durfte nur ein stilles "Om" sein. Ohne Laute. Gut. Ich hasse nichts mehr als wenn mir jemand von hinten sein "Om" in den Nacken brüllt.

Yogis verurteilen nicht Doro.
Sie lassen zu und sie lassen los.
Es gibt kein "Om" und du lässt jetzt los. Oooooooommmmm.

Und wie war es?


Die Stunde war hart. Soviel dazu, dass man die Intensität selber bestimmt. Ich dachte immer, dass ich zu Hause ein hartes Yoga übe. Ich fand mich toll. Wieder zwei Sachen, die Yogis nicht machen, sie achten nicht darauf ob die Stunde hart ist (ist ja kein Aerobic hier) und sie finden sich auch nicht toll.

Das vernebelt den Geist. Innerer Frieden ist doch dein Ziel.

Aber wie war es wirklich?


Nach der Stunde gab es Ayurvedischen Tee zu trinken und wer wollte, konnte einen Schuss Kuh- oder Sojamilch dazugeben.
Ich war beeindruckt.
Zu Essen gab es kleine Orangenschlitze. Nice!

Niemand außer meinem Mann und mir hat den Tee getrunken. Wir outeten uns vielleicht so als Touris, aber ich stand diesmal drüber.
Ich habe sogar Frau "Kopfstand zum Aufwärmen" zugelächelt. Am liebsten hätte ich ihr gesagt, wie beeindruckt ich war. Ich finde sie toll.
Beim Umziehen machte sich eine Frau auf der ganzen Bank mit ihren Klamotten breit. Normalerweise würde ich sie vielleicht anseufzen.
Ich habe ihr noch mehr Platz gemacht, indem ich meine Sachen weggeschoben habe. Lächelnd. Hat mir nichts ausgemacht.

Himmel, was geht hier ab?


Nun meine Blume, das ist Yoga. Du hast Yoga geübt. Du solltest es öfter tun.
Es rettet dich davor, durchzudrehen.

2 Kommentare

  1. Ich bin dann mal meine Matte holen und Rolle sie aus Ommmmmmmm .....😊🙈

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  2. "So ein Miststück!" ... endlich sagt es mal jemand, dass unser fieses, kleines Mindset, in dem die Affen unaufhörlich plappern, genau das sagen, wenn die Lady neben uns mit Leichtigkeit das erledigt, was wir so gerne könnten.

    Das, liebe Doro, macht deine Artikel so wertvoll. Denn genauso ticken wir. Und ja, die Gutmenschen können jetzt aufhören zu lesen. Aber tatsächlich ist das die Herausforderung des Lebens: In den Spiegel zu schauen, zu akzeptieren, was man sieht und an dem, was man nicht mag, zu arbeiten. Aber dennoch nicht zu verzweifeln. Sondern Spaß zu haben und okay damit zu sein. Und das meine Liebe, kannst du und teilst du.

    Liebe Grüße

    Claudia

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