Yoga Girl und Life Junkie

Mittwoch, 24. August 2016

Yoga for Life, oder was ich aus den verschiedenen Übungen (Asanas) über das Leben gelernt habe. Aus dem Baum in den Krieger oder aus der Komfortzone ins Leben.


In unserem Urlaub habe ich wieder öfter Yoga gemacht. Ich bekam richtig Lust, mich zu kräftigen und in alle Richtungen auszudehnen.
Es war aber auch einfach zu schön, im Garten am Pool die Matte auszurollen.

Schon bei meiner ersten Stunde, hatte ich sowas wie eine Eingebung, einen Vergleich.
Ich sah völlig klar, warum das Leben nicht immer Einhörner und Regenbögen liefert.

Es kam so: die Lehrerin sagte den "Baum" an. Ich freute mich und dachte so bei mir "Oh super. Den kann ich soooooo gut mittlerweile. In dieser Asana fühle ich mich total wohl".

Ich stehe also im "Baum" und sehe super aus. Ommmm schaut mich an, das kann ich! Sogar mit Augen zu und ohne zu wackeln!
Klingt slightly von sich eingenommen, ist es auch. Hallo Oberwasser.
Deshalb kommt es wie es kommen muss.
Denn die Lehrerin erzählt plötzlich etwas von "jetzt das Bein nach Hinten strecken und Oberkörper nach vorne beugen".
Mist. Wir bleiben nicht im "Baum".

Krieger III.


Ein stolzer, starker und schöner Krieger. Ich mag ihn nicht. So einer muss doch ein Arschloch sein.

Auf jeden Fall ist er super anstrengend. Viel Gleichgewicht ist gefragt. Alle Muskeln sind angespannt. Und unbequem ist er auch noch. Ich mache ihn, fühle mich aber nicht besonders gut dabei. Er fordert mir viel ab, der "Baum" wäre so viel angenehmer gewesen.



Und da kommt mir der Gedanke "Komfortzone". Und ich sehe mich den Baum und den Krieger III im Alltag üben.

Der Baum.


Der Baum ist kein Einhorn-Pups und fiel mir auch nicht easy in den Schoss. Auch hier musste ich mich anstrengen und üben, z.B. mein Gleichgewicht zu halten. Und nun, da ich ihn kann, würde ich mich gerne auf meinen Lorbeeren ausruhen. Aber wenn ich darüber nachdenke, habe ich mich schon lange genug ausgeruht.
Es ist wohl wieder an der Zeit.

Das Leben steht nicht, alles fließt.
Ich weiß, ich will dabei mitmachen.

Ich will nicht in meiner Komfortzone hocken und irgendwann das Gefühl haben, dass mein Leben an mir vorbei gerauscht ist.
Ich weiß, ich bin bereit weiterzumachen.
Auch wenn es super unbequem ist. Auch, wenn mir mind. 5 Ausreden einfallen, warum ich:

- es nicht kann (ich will nicht wieder verletzt, kritisiert... was auch immer werden (Angst)/ ich habe keine Kraft für den Krieger III)

- nicht sollte (was ist wenn "füge einen negativen Gedanken ein"/ich könnte umfallen und mir weh tun)

- oder darf (aber meine Umstände.../ ich hab da manchmal so Schmerzen in der Hüfte, ich lasse es lieber...).

Ich habe mir unbewusst Grenzen gesteckt. Ich will sie auflösen.
Ich will nicht in einem selbstgebauten Gefängnis leben. Wobei Gefängnis ein zu negatives Wort dafür ist.
Denn es ist schön und gemütlich und lecker warm darin. Es gibt W-LAN, leckeres Essen, die Couch, Filme und Serien bei Amazon Prime und Netflix und am Wochenende ein bisschen Feiern mit lieben Menschen oder ein Dinner mit dem Liebsten.
Alles ist gut.
Läuft doch!

Du bist im "Baum" angekommen und er fühlt sich einfach schön und richtig an.



Wenn da nur nicht diese innere Leere manchmal wäre. Das Gefühl, etwas zu verpassen.
Du willst zwar raus aus der Komfortzone, aber dann doch nicht. Du hast Angst zu versagen, enttäuscht und kritisiert zu werden. Du verschliesst dich, baust dir ein Paar Gitterstäbe in dieses schöne Gefängnis und redest dir gut zu.

Du bleibst im Baum, weil du Angst hast, dass dir jemand sagt, dass dein Krieger III scheisse aussieht. 


Und weil du Angst hast, dass du dir weh tust. Oder dir weh getan wird. Du gehst um Gottes willen nicht in eine echte Yoga Stunde, denn die Lehrerin würde dir die Wahrheit über deinen Krieger sagen.
Das willst du nicht hören. LALALALALA. Ohren zuhalten.

Been there, done that.
Heute will ich es wissen. Auch wenn ich Angst habe. Ich teile mich mit, wenn es weh tut. In der Hüfte, im Arm, Bein oder Herzen.
Ich zeige meine wahren Gefühle, ich verstecke sie nicht in meinen 4 Wänden.



Und auch wenn mein Krieger III nicht schön war und krumm und schief und ich ihn nicht lange halten konnte, war ich froh. Ich war raus aus meiner Komfortzone, ich war Mitten im Leben.
Also übe ich weiter den schönen, stolzen Krieger.

Ich bin noch unsicher und wackelig. Und manchmal habe ich etwas Angst und will zurück in den "Baum".
Aber ich bleibe und übe weiter. Für mich, für ein starkes Ich.
Denn nur so fühle ich mich lebendig.

11 Kommentare

  1. Wow. Das ist ein fantastischer Post. Ich bin sprachlos. Fast. ☺ Dein Blog ist einfach nur super. Hab 'ne schöne sonnige Woche.

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  2. Musste lachen, weil ich seit Jahren immer mal wieder Yogalosophy mit Mandy Ingber praktiziere und da kommt genau diese Bewegungsfolge vor. Ich liebe, liebe, liebe sie. Mittlerweile. Was nicht heißt, dass ich an schlechten Tagen nicht seitlich aus der Position kippe. ;)

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    1. Oh, die kenne ich gar nicht. Mus ich das wohl mal googeln???

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  3. Was für Post.....super den hab ich gebraucht....Ich die nicht so gerne läuft weil ich mich wie eine planschkuh fühlte🙈 Bin lieber der Nordic Walking Typ und das kann ichhhhhhhh auchhhh....Doch heute habe ich auch meinen inneren Krieger auch besiegt ich war so stolz auf mich auch wenn es drei Runden waren aber innerhin....😘Danke dir... 😘

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  4. Ein toller Post, macht mir Mut auch wieder einmal etwas auszuprobieren, was über die wöchentliche Physiotherapie hinausgeht. Mal sehen, was geht, was nicht mehr geht, weiß ich ja leider gut genug. Also kein Rad fahren, aber leichte Yogaübungen sind drin. Juhu.
    Ich les deinen Blog sehr gern. Mach weiter so. Schönes Wochenende.

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  5. Ja, sie ist schon sehr nett, die Komfortzone. Und viel weniger anstrengend als die Herausforderung. Aber auch irgendwann....langweilig. Super Post - und ein Thema, über das wir öfter nachdenken sollten.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Liebe Doro,

    dein Insta-Tipp mit der Ananas bringt mich dieses Wochenende wieder in die Komfortzone. Danke! Deine Food-Tips sind Meilensteine für mich. (dort kann ich nicht posten, weil ich keine Hardware für Insta habe).

    Soll dein Posting am Ende ein Weckruf sein: "Paula, jetzt führ' sie endlich mal aus, deine geilen Pumps mit dem Bleistiftrock!"
    Ja, das Verlassen der Komfortzone, weil man haufenweise Blicke auf sich zieht. Du verstehst mich?

    ;-*

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