Die Sehnsucht nach mehr Weiblichkeit: Fühlen, Vertrauen, Hingeben

Mittwoch, 21. Oktober 2015


Ich dachte immer, ich wäre eine weibliche Frau. 

Bin ich ja, wenn es um Äußerlichkeiten geht. Ich hab einen Busen und Hüften. 
Jedoch bin ich letzte Woche mit dem Begriff "Weiblichkeit" zusammengekracht, denn ich bin in meinem Denken und Benehmen stark unweiblich.
Ich fing an zu grübeln. Ich hatte Fragen im Kopf. Zum Beispiel: Was bedeutet Weiblichkeit?

Zunächst einmal gibt es das männliche und das weibliche Prinzip.

Eine Frau nimmt auf, der Mann dringt ein. Die Frau fühlt, der Mann denkt. Frauen haben Ideen, Männer handeln. Frauen folgen ihrer Intuition, Männer der Vernunft. Frauen beschützen, Männer greifen an (also... früher, aber ihr wisst was ich meine). Frauen sind das schwache Geschlecht, Männer das Starke. Frauen gebären, Männer zeugen. Frauen sind geduldig und können sich hingeben. Männer wollen mit Ungeduld Macht haben. Und so weiter.
So stelle ich mir eine weibliche Frau vor. Und einen männlichen Mann. 
Die Frau geduldig, liebend, beschützend, sie fühlt, sie hat Herz, sie vertraut ihrer Intuition und ihren Ideen. Mann und Frau beinhalten beide Eigenschaften des Anderen, wie das Ying-Yang Zeichen. 

Mir ging auf, dass ich zwar weich und weiblich aussehe, aber mein Inneres, das von einem Kerl ist. Da kann ich mir noch so viele High Heels und kurze Röcke anziehen.
Ich weiss nicht, wann es angefangen hat, vielleicht war es schon immer so. Ich habe ein männliches, inneres Wesen. 

Und ich vermute, dass ich deswegen immer noch oft überfordert bin, denn das alles was ich tue, entspricht nicht meiner Natur. Aber wir leben nunmal in einer Welt, die voll von maskulinen Werten ist. 

Ziele, Erfolge, Gewinn sind unsere täglichen Themen. Momentan bin ich mit einem Advertorial in vielen wichtigen Frauenzeitschriften zu sehen, Elle, Freundin, Emotion, Gracia und in der neuen InStyle die in ein Paar Tagen rauskommt. 

Immer wieder werde ich gefragt, ob mein Blog dadurch mehr Erfolg hat, ob meine Zahlen nach oben gegangen sind. Ich werde das von Frauen gefragt und sehe, dass nicht nur ich zu maskulin denke. 
Ich behaupte, dass wir Frauen zu wenig weiblichen Ausgleich haben. Meine Weiblichkeit leidet. Hätte man es mir noch vor ein Paar Jahren gesagt, hätte ich gelacht und gefragt warum es falsch ist,selbständig und unabhängig zu sein als Frau. 
Es ist nicht falsch, nur darf das Männliche in uns, die Weiblichkeit nicht überlagern. Das bringt uns durcheinander. Wir brauchen einen Ausgleich.

Ich bin immer dabei etwas zu "tun", zu organisieren, zu kontrollieren und zu managen. Sei es der Haushalt, die Kinder, der Beruf und sogar oftmals die Beziehung. Abends falle ich immer noch zu oft erschöpft ins Bett. Ich vernachlässige mein weibliches Prinzip. Ich lasse einfach zu wenig zu. Ich entspanne zu wenig, ich geniesse mich zu wenig und ich träume zu wenig. Glücklicherweise vertraue ich noch meiner Intuition. Ich bin zwar nicht mehr so überfordert wie noch bis vor einem Jahr, als ich zu den Kindern und dem Haushalt noch einen festen Job hatte, aber immer noch fühle ich mich oft erschöpft.  
Also beschloss ich loszulassen. Weil ich mich nicht wohl fühle als Mann. 
Ich hab sofort damit angefangen. Wollt Ihr ein Beispiel?

Hier:
mein Mann und ich haben vor ein Paar Tagen beschprochen, dass wir mehr TV-Programme empfangen wollen (wir haben nur einen DVB-T Receiver und empfangen nichts richtig).
Mein Mann war sofort Feuer und Flamme, er rief beim Anbieter an und organisierte alles. Danach kam er zu mir und erzählte mir, wie das alles nun funktionieren wird und welche Geräte wir bekommen und wie diese unsere Fernseher anfunken werden und... ich hab diesmal nicht zugehört. 
Ich sagte "Schatz, davon verstehe ich nichts. Ich muss es nicht wissen. Hauptsache der Empfänger ist in Weiss."

Normalerweise hätte ich mir alles mit angehört, wäre mit zum Saturn gefahren und hätte den Kram mit installiert. Ich werde hier im Haus der Computer-Freak genannt. Oh Mann. 
Ich hab solche Angelegenheiten immer an mich gerissen. Obwohl es mich überfordert hat. Meinem Mann macht es Spass, das ist sein Ding. 

Ich habe mir vorgenommen, innerlich weicher zu werden und im Außen weniger aktiv. Das Weibliche betrifft mein Inneres, die Gefühle und das Herz. Ich will weniger analysieren, denken und Ziele stecken. 
Dafür mehr fühlen und vertrauen. Wieder sinnlich sein, voller Kraft, liebevoll. 
Schon während ich es schreibe, fühlt es sich für mich richtig an. Wie nach Hause kommen.

Was haltet Ihr davon? Seid Ihr in Balance mit Eurer Weiblichkeit? Vielleicht kann ich ja noch was von Euch lernen? Ich würde mich über Kommentare sehr freuen. Ich weiss, dass viele von Euch lieber eine Email schreiben, also gern auch per Email.

Sending Love, Doro

9 Kommentare

  1. Liebe Doro, ich bin eindeutig auch viel mehr Mann innen drin! Ich organisiere viel, versuche fast alles irgendwie zu verstehen, analysiere und versuche besser zu werden.
    Deshalb gefällt mir dein Ansatz unwahrscheinlich gut und ich hoffe seh, dass du uns bei deiner Umsetzung auf dem Laufenden hältst, denn vielleicht kann ich mir was abschauen ;)
    LG jenny

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  2. Herzliche Gratulation zu deinem Erfolg. Werde die neue In style ganz genau studieren. Bin gespannt ob ich dich auf Anhieb erkenne.
    LG Karin

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  3. Hm, du ordnest die Attribute "geduldig, liebend, beschützend, sie fühlt, sie hat Herz, sie vertraut ihrer Intuition und ihren Ideen" nur Frauen zu. Aber ganz ehrlich, ich sehe vieles davon auch als Attribute, die zu einem Mann gehören. Oder gehören sollten. Einen Mann, der nicht geduldig mit mir ist, der mich nicht liebt und bei Bedarf auch beschützte, der fühlt, Herz hat und seiner Intuition und seinen Ideen vertraut, den mag ich gar nicht haben...
    Ich fühle mich genau wie Du oft überfordert. Der Tag ist zu kurz für zu viele Dinge. Und ja, ich entspanne auch zu wenig. Wobei ich auf einem guten Weg bin, das zu ändern.
    Wo ich mir selbst im Wege stehe, ist allerdings nicht das, was du der männlichen Seite zuordnest, sondern vielmehr das, was ich meinerseits als "typisch weiblich" empfinde. Nämlich dass ich ständig "typisch weiblich" weich werde, wenn mich wer mit lieben Augen anklimpert. Ob das das liebe Töchterlein ist, das "nur mal eben" nachts um zwei von einer Party abgeholt werden möchte oder der Kollege, der "mal eben" einen Termin abwälzen möchte. Ich arbeite daran, das konsequent - und wie ich finde, sehr männlich - abzubügeln anstatt immer wieder - typisch weiblich - weich zu werden.
    Heißt: Ich würde mir im Gegenteil mehr männliche Eigenschaften wünschen, um mich nicht so aufzureiben. Hab ich da jetzt nen Denkfehler oder bin ich irgendwie verquer? Oder definieren wir einfach männlich und weiblich unterschiedlich?
    Liebe Grüße
    Fran :-)

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    1. "Hm, du ordnest die Attribute "geduldig, liebend, beschützend, sie fühlt, sie hat Herz, sie vertraut ihrer Intuition und ihren Ideen" nur Frauen zu. Aber ganz ehrlich, ich sehe vieles davon auch als Attribute, die zu einem Mann gehören. Oder gehören sollten."

      Stimmt, Du hast Recht, es ist mir beim Schreiben durchgegangen. Ich sehe Mann und Frau wie das Ying-Yang Zeichen, in jeder Frau stecken männliche Eigenschaften und in jedem Mann weibliche. In mir überwiegen momentan die männlichen Eigenschaften und ich fühle noch zu wenig, dafür analysiere ich zu viel. Dabei reibe ich mich schon mal auf und möchte eine Balance herstellen.

      Die zwei Beispiele die Du bringst kenne ich genau 100% so von mir auch. Ich unterscheide heute nach meiner Familie, sprich Ehemann und Kinder, und Kollegen, Freunden, Bekannten usw. Bei meiner Familie kann ich nicht anders, das ist glaube ich ein kollektives Frauending, man will dass sie stets gut versorgt sind. Auch wenn ich zu oft meinen Kindern mal eben so einen Gefallen tue, der mir nicht passt, aber ich kann aber nicht anders. Und ich möchte auch nicht, so tief in mir drin, auch wenn es mich schon mal ärgert, sie sind ja aus den Windeln raus. Echt jetzt, oder ;)

      Das Kollegen Beispiel kenne ich auch, ich habe es mit meiner weiblichen Kraft geschafft, da stark zu sein und nein sagen zu können. Weil ich "gefühlt" habe, dass es schlecht für mich ist, dass etwas in mir sagt "STOP". Dann ist es einfacher, wenn ich weiss warum ich es nicht will und welches Gefühl so eine Bitte in mir auslöst. Es hat was mit meinem Selbstwert zu tun, wie ich finde ebenfalls ein kollektives Thema. Auf jeden Fall mein Thema immer wieder mal.
      Danke für Deine Worte, ich finde Dich richtig toll und liebe solchen Austausch ;)

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    2. Ja, so langsam verstehe ich besser. Ok, ich analysiere nicht allzu viel. Ich bin nämlich mit dem Chef-Analysten verheiratet. Das wäre der Analyse-Overkill. Und da sind wir dann bei dem, was Paula sagt :-). Früher war das anders. Da haben wir hier um die Wette analysiert. War in der Tat ungut. Nach ein paar privaten Katastrophen hat sich das geändert. Ich bin der Bauch, mein Mann der Kopf. Und das passt wieder.
      Die Sache mit den Kindern und den Gefallen versuche ich gerade anzugehen. Nachdem die Windeln ja nu wech sind ;-) versuche ich ihnen selbst mehr Verantwortung zuzuweisen. Klappt bei Tochter, klein, hervorragend. Sie ist unglaublich stolz, Dinge allein anzugehen und zieht daraus dann auch viel Selbstbewusstsein. Tochter, groß, ist dagegen wenig begeistert. Die Ärmste musste heute tatsächlich mit einem Bus zu einer Party fahren anstatt das Mutter-Taxi zu nehmen. Ganz kurz hatte ich ein schlechtes Gewissen *grins*. Dauerte nicht lange.
      Und das Kollegen-Beispiel: Mir geht es genauso wie Dir. Heute weiß ich, dass das, was er von mir will, dazu führt, dass es mir schlechter geht. Und dann sage ich nein. Das wiederum hätte ich jetzt als männlich bezeichnet. Aber du hast recht, vermutlich ist es eher weiblich. Und Selbstwert ist glaube ich etwas, was vielen Müttern in den Jahren verloren geht, in denen die Kinder klein sind. Sind sie dann aus dem Gröbsten raus, muss man entweder auf die Suche gehen und sein Selbstwertgefühl wiederfinden oder man wird dauerhaft unglücklich, vielfach ohne es wirklich zu merken.
      Bevor ich jetzt noch weiter ausuferte, gebe ich das Kompliment mal zurück. Du bist eine tolle Frau!
      Liebe Grüße
      Fran

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  4. Liebe Doro,

    für Menschen, die in einer Paarbeziehung (oder als Eltern mit Kindern) trifft finde ich zu, – überspitzt formuliert – dass der eine Partner das abdeckt, wo der andere auslässt. Wenn der männliche Partner keine Urlaube organisiert, wird die Frau zur Urlaubsmanagerin.
    Mir fällt das auf, wenn ich unterschiedliche Männer treffe (mit denen ich mehr Zeit verbringe): bei dem einen "weiblichen", der viele Ideen hat und nie handelt, werde ich zur Anpackerin. Beim anderen, der voll den Plan hat, lasse ich mich treiben und muss mich um nichts kümmern. Da fühle ich, dass sich in mir etwas mit meinen Werten verschiebt. Und dann kommt man nach Hause, und bewahrt sich etwas von dem neuen, anderen Verhalten und wirft es in die Runde und siehe da: da tut sich was, auf beiden Seiten.
    Das ist nie statisch, ändert sich der/die eine, zieht der/die andere zwangsläufig mit. Ein nicht selten gehörter Vorwurf in alten Ehen: "Du hast dich verändert!" ;-)

    Das ist das eine. Das andere, ganz andere: die Bedeutung der Geschwister! Ich habe mich nie als Buben-Kind wahrgenommen, aber Tatsache ist, dass ich die zweitgeborene Tochter bin. Das Attribut Tochter war also schon besetzt. Vielleicht passiert das unbewusst, dass man sich eine andere Nische sucht: bei mir war es z.B. Fotokamera statt Stöckelschuhe, mit den Freundinnen einen Detektivklub gründen, statt im Kaffeehaus Freundinnen zu treffen.

    Das sind meine persönlichen Erfahrungen, die nicht allgemein Gültigkeit haben müssen. Vielleicht sind es aber Denkanstöße.

    liebe Grüße,
    Paula

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    1. Das finde ich hochinteressant! Und finde mich in beiden Aspekten wieder, zumindest teilweise. In einer Beziehung schleicht sich, wenn man nicht achtsam ist, ein gewissen Verhalten ein. Das beziehe ich ebenfalls auf Freundschaften, ich hab ruhige Freundinnen- da bin ich aktiver. Ich hab auch dominante Freundinnen- da lehne ich mich gern zurück und lasse machen.
      Ein sehr guter Kommentar, danke, you made my day!

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